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05. Dezember 2012, 06:46 Uhr

Transparency-Index

Griechenland wird zum korruptesten Land der EU

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Bestechliche Beamte, käufliche Politiker: Transparency International hat in mehr als 170 Ländern die Korruption im öffentlichen Sektor untersucht. Alarmierend ist die Lage in Griechenland, Deutschland kann sich leicht verbessern.

Hamburg - Somalia, Nordkorea und Afghanistan sind die korruptesten Länder der Welt. Zu diesem Urteil kommt der Jahresbericht von Transparency International, den die Organisation am Mittwoch veröffentlicht hat. Wie schon im Vorjahr liegen diese drei Länder am Ende der Rangliste; 174 Nationen haben die Korruptionswächter dieses Mal unter die Lupe genommen.

Sie kommen auf der Skala von null (hohe Korruptionsrate) bis 100 (sehr wenig Korruption) nur auf jeweils acht Punkte.

Der Korruptionsindex (Corruption Perception Index, CPI) listet die Nationen nach dem vermuteten Grad der Korruption im öffentlichen Sektor im Land. Er gilt als verlässlichster Indikator für Bestechlichkeit, Vetternwirtschaft und Käuflichkeit bei Mitgliedern von Regierung, Behörden und anderen öffentlichen Einrichtungen.

Die Spitzenplätze teilen sich auch 2012 drei Länder, die bereits in den Vorjahren als Musterbeispiele im vordersten Teil des Rankings zu finden waren. Dänemark, Finnland und Neuseeland kommen jeweils auf 90 von 100 Punkten. 2011 hatte Neuseeland noch mit hauchdünnem Vorsprung allein die Spitze gehalten.

Deutschland klettert um einen Platz auf Rang 13 (79 Punkte), muss sich allerdings Luxemburg (80) und Island (82) knapp geschlagen geben.

Die Länder der EU, und besonders die des Euro-Raums, schneiden im Ranking der Käuflichkeit allgemein sehr gut ab, die meisten landen im vorderen Drittel der Transparency-Liste. Eine dramatische Ausnahme bildet jedoch die Entwicklung in Griechenland. Im Vergleich zu 2011 rutschte der Krisenstaat um satte 14 Plätze ab. Im aktuellen Ranking reicht es nur noch zu Platz 94, hinter Ländern wie Jamaika, China und Ruanda.

Als einziger Staat der EU und Westeuropas landet Griechenland zudem nur in der hinteren Hälfte der Liste. Im Vergleich zum nächstbestplatzierten Land aus dieser Gruppe, Bulgarien (41 Punkte), liegen die Griechen immer noch fünf Zähler zurück.

Auch Italien schneidet schlecht ab

Transparency International betont zwar, dass wegen eines veränderten Wertungssystems nicht alle Zahlen aus den Vorjahren uneingeschränkt mit der neuen Erhebung vergleichbar sind. Dennoch geht die Organisation auch in ihren Anmerkungen zum Ranking explizit auf "Underperformer aus der Euro-Zone" ein, die "von der Finanzkrise besonders hart getroffen wurden".

Auch Italien kann seine - ohnehin schon schwache - Position aus dem Vorjahr nicht halten und verliert drei Ränge. Das Land belegt 2012 mit 42 Punkten nur noch Platz 72.

"Regierungen müssen Maßnahmen gegen Korruption in alle öffentlichen Entscheidungsprozesse einfließen lassen", fordert daher Huguette Labelle, Vorsitzende von Transparency International. "Der Fokus muss auf Themen wie Lobbyismus und Parteispenden liegen. Gleiches gilt für die Vergabe von öffentlichen Aufträgen. Öffentliche Einrichtungen müssen für ihre Entscheidungen auch verantwortlich gemacht werden können."

Große Staaten sind nun gefordert

Eine Liste wie der CPI kann nie komplett oder endgültig sein, das räumen auch die Korruptionswächter ein. Dazu sind die Grauzonen zu zahlreich und die Dunkelziffer zu hoch. Die Organisation hat für die aktuelle Version ihres Berichts jedoch insgesamt 13 internationale Studien zum Thema ausgewertet. Darunter befinden sich auch zwei Erhebungen der deutschen Bertelsmann-Stiftung sowie eine Studie der Weltbank.

Vor allem von den großen Wirtschaftsnationen verlangt Transparency nun klare Signale: "Korruption ist eines der weltweit am meisten diskutierten Probleme", sagte Cobus de Swardt, geschäftsführender Direktor bei den Korruptionswächtern. Die führenden Nationen sollten mit gutem Beispiel vorangehen "und sicherstellen, dass ihre Institutionen so transparent sind wie möglich. Ihre Anführer müssen für ihr Handeln verantwortlich sein."

Den gesamten Bericht finden Sie hier.

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