Korruptions-Skandal US-Lobbyist Abramoff bekennt sich erneut schuldig

Seine Aussagebereitschaft freut die Richter, einigen US-Politikern dürfte sie dagegen kräftig die Laune verderben: Der US-Lobbyist Jack Abramoff hat sich auch in einem zweiten Gerichtsverfahren für schuldig bekannt. Vor allem den Republikanern drohen peinliche Enthüllungen.


Washington - In einem der größten Korruptionsskandale der USA gab Abramoff gestern vor einem Gericht in Miami zu, eine Geldüberweisung in Höhe von 23 Millionen Dollar (19 Millionen) gefälscht zu haben, um an einen Bankkredit zur Finanzierung von Casino-Schiffen zu gelangen. Die Korruptionsaffäre droht elf Monate vor den Teilwahlen zum US-Kongress zu einer ernsthaften Belastung vor allem für die Republikanische Partei von US-Präsident George W. Bush zu werden.

US-Lobbyist Abramoff: Peinliche Enthüllungen für Bushs Republikaner
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US-Lobbyist Abramoff: Peinliche Enthüllungen für Bushs Republikaner

Nach dem Korruptionsgeständnis will die Staatsanwaltschaft neue Ermittlungen gegen zahlreiche Politiker und Beamte in Washington einleiten. Als Kronzeuge hat Abramoff im Gegenzug für ein geringeres Strafmaß umfangreiche Aussagen angekündigt. Damit drohen mehreren Abgeordneten, vor allem von Bushs Republikanern, peinliche Enthüllungen.

Der Lobbyist Jack Abramoff (46) hatte sich bereits am Dienstag in Washington des Betrugs, der Verschwörung und Steuerhinterziehung schuldig bekannt. Bei der Affäre geht es um unerlaubte Zuwendungen an prominente Abgeordnete, darunter Geldbeträge, Reisen, opulente Abendessen oder Karten für Sportveranstaltungen.

Weißes Haus distanziert sich

Insbesondere der frühere republikanische Fraktionsvorsitzende im Repräsentantenhaus, Tom DeLay, gegen den wegen dubioser Geschäfte und fragwürdiger Spendenpraktiken ermittelt wird, soll enge Beziehungen zu Abramoff gehabt haben. DeLay gilt als enger politischer Freund von Präsident Bush. Das Weiße Haus distanzierte sich allerdings deutlich von Abramoff.

"Empörend und inakzeptabel" nannte der Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan, die zugegebenen Gesetzesverstöße des Lobbyisten. Die Vergehen müssten angemessen geahndet werden. Die Republikaner gaben am Mittwoch eine Wahlkampfspende Abramoffs in Höhe von 6000 US-Dollar zurück.

US-Spitzenbeamten sowie Senatoren und Abgeordneten drohen angesichts der Zusammenarbeit Abramoffs mit der Anklagebehörde brisante Enthüllungen über die Zusammenarbeit mit dem umstrittenen Lobbyisten. Mit Millionenbeträgen vertrat Abramoff über Jahre hinweg in Washington die Interessen seiner Klienten, vor allem die von Indianern, die in ihren Reservaten Spielcasinos errichtet haben oder solche planten.

Die Demokraten beschuldigen die Republikaner, die im Zentrum der Bemühungen des Lobbyisten gestanden haben sollen, eine "Kultur der Korruption" zugelassen zu haben. Allerdings waren Abgeordnete beider Parteien von Abramoff unterstützt worden.



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