Korruptionsermittlungen: Südkoreas Ex-Präsident springt in den Tod

Am frühen Morgen stürzte er sich in eine Bergschlucht, für seine Familie hinterließ er einen Abschiedsbrief: Mit einem spektakulären Suizid hat der frühere südkoreanische Präsident Roh Moo Hyun seine Nation schockiert. Der 62-Jährige war in einen Korruptionsskandal verwickelt.

Seoul - Roh starb am Samstag, nachdem er sich beim Bergwandern von einer Klippe gestürzt hatte. Sein Anwalt Moon Jae In sagte, er habe einen Abschiedsbrief hinterlassen. Nach Informationen des staatlichen Fernsehsenders KBS schrieb Roh in seinem Abschiedsbrief unter anderem: "Es war so hart." Er habe darin außerdem um seine Einäscherung und seine Beisetzung in einem kleinen Grab in seinem Heimatdorf gebeten.

Ex-Präsident Roh: "Es war so hart"
Getty Images

Ex-Präsident Roh: "Es war so hart"

Das südkoreanische Fernsehen zeigte den Abhang, den Roh hinabgestürzt sein soll.

Der Ex-Präsident war demnach im Morgengrauen mit einem Leibwächter zu dem Berg aufgebrochen. Der 62-Jährige wurde nach dem Sturz nahe dem Dorf Bongha mit schweren Kopfverletzungen in ein Krankenhaus der Hafenstadt Busan eingeliefert, wo er nach Angaben von Mitarbeitern wenig später starb.

Gegen Ende seiner bis 2008 dauernden Amtszeit war der liberale Politiker in Finanzskandale verwickelt. Zum Zeitpunkt seines Todes liefen gegen Roh Korruptionsermittlungen, weil seine Frau von einem Schuhhersteller umgerechnet 715.000 Euro erhalten haben soll. Außerdem soll eine Nichte von Roh aus gleicher Quelle umgerechnet 3,6 Millionen Euro bekommen haben. Roh wurde in der Sache Ende April 13 Stunden lang befragt. Er wirkte deswegen tief beschämt.

Roh hatte sich öffentlich für die Verstrickung seiner Familie in die Affäre entschuldigt, aber kein eigenes Fehlverhalten eingestanden.

Roh war als Sohn armer Bauern zur Welt gekommen, hatte sich in Abendkursen zum Anwalt fortgebildet und verteidigte unter anderem Opfer der Militärregierung von General Chun Doo Hwan. 1988 zog er als Abgeordneter ins südkoreanische Parlament ein. 2003 übernahm Roh das Präsidentenamt mit dem Versprechen, gegen Korruption und die Macht alter Eliten vorzugehen. Er führte die sogenannte Sonnenschein-Politik gegenüber Nordkorea fort und seine Bemühungen um eine Annäherung von Seoul und Pjöngjang führten 2007 zu einem Gipfeltreffen mit Nordkoreas Staatschef Kim Jong Il.

Rohs Nachfolger Lee Myung Bak äußerte sich am Samstag bestürzt. Der Präsident bezeichnete den Tod Rohs als "traurig und tragisch", wie sein Sprecher Lee Dong Kwan sagte. Südkoreas Regierungschef Han Seung Soo berief das Kabinett zu einer Sondersitzung ein. Er fühle angesichts der Nachricht über Rohs Tod "Erschütterung und Trauer".

itz/AP/AFP

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