Korruptionsskandal in Spanien 40 Verdächtige werden angeklagt

Die Vorwürfe lauten Bestechung oder Geldwäsche. Dutzende spanische Politiker müssen nun vor Gericht. Sie alle gehören der Regierungspartei um Ministerpräsident Mariano Rajoy an. Der Schlüsselfigur der Affäre drohen 110 Jahre Haft.

Ministerpräsident Rajoy: Größte Korruptionsaffäre in der spanischen Politik
REUTERS

Ministerpräsident Rajoy: Größte Korruptionsaffäre in der spanischen Politik


Madrid - Mehr als fünf Jahre haben die Untersuchungsrichter ermittelt, nun steht fest: 40 Verdächtigen wird wegen eines Korruptionsskandals der spanischen Regierung der Prozess gemacht. Mehrere Mitglieder der konservativen Volkspartei des Ministerpräsidenten Mariano Rajoy hatten sich jahrelang mit Schmiergeldern ein schönes Leben gemacht.

Der Untersuchungsrichter Pablo Ruz ordnete an, dass drei ehemalige Schatzmeister der Partei, mehrere Ex-Bürgermeister, frühere Kommunalpolitiker und Unternehmer auf die Anklagebank müssen. Ihnen wird vorgeworfen, sich jahrelang lukrative öffentliche Aufträge in Gemeinden gesichert zu haben, vor allem in den Regionen Madrid und Valencia. Der Ermittlungsrichter ordnete an, dass die Beschuldigten eine Summe von insgesamt knapp 450 Millionen Euro als Sicherheit hinterlegen müssen - mit dem Geld sollen eventuelle Schadenersatzansprüche beglichen werden.

Der Unternehmer Francisco Correa soll die Schlüsselfigur der Affäre sein, die als einer der größten Korruptionsskandale in der spanischen Politik gilt. Für ihn fordert die Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe von rund 110 Jahren. Für den früheren Schatzmeister der Volkspartei, Luis Bárcenas, forderte sie 42 Jahre Haft. Die Beschuldigten sollen sich unter anderem in Sachen Betrug, Beamtenbestechung, Vetternwirtschaft, Geldwäsche und Steuerhinterziehung strafbar gemacht haben.

kry/dpa



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ausmisten 05.03.2015
1. Spitze des Eisbergs
Zum Glueck hat Pablo Iglesias, Podemos, angekuendigt nach den Wahlen mit der Korruption der Altparteien aufzuraeumen. Auch in D ist das System durch und durch korrupt, nur anstatt Bares direkt, lassen sich die "Politiker" hierzulande indirekt bezahlen, etwa durch Direktorenposten in Unternehmen, von deren Geschaeftsfeld sie keinerelei Ahnung haben.
agua 05.03.2015
2. Freut mich
Es freut mich ungemein, dass man offensichtlich beginnt solche Geschichten aufzudecken, anstatt sie nach kurzem Aufflackeern wieder in der Versenkung verschwinden zu lassen. Es bleibt Hoffnung, dass in Portugal in Zukunft das gleiche geschehen wird.Vielleicht wird man noch über so manche Verknüpfung staunen.
wladimir.andropowitsch 05.03.2015
3. Die vereinigte Allianz der EU-Korruptionseliten
Alle reden von Troika und niemand bemerkt, dass die Realpolitik der EU und der zahlreichen nationalen Parteien der christdemokratistischen und der sozialdemokratistischen Besitzstandsparteien in einer fundamentalistischen und kategorischen Protektion der etablierten Korruptions- und Begünstigungssysteme in Europa besteht. Es sind stets die Veranstalter der immer zahlreicheren Finanzspekulations-, -anlagenbetrugs-, Steueroptimierungs-, -gestaltungs-, -umgehungs-, -vermeidungs-, Subventions- und Einfuhrumsatzsteuer- und Einfuhrzollbetrugs- und Geldwäschebetrugskriminalitätsexzesse, die durch die sogen. Sparpolitik der EU und der Merkel-Gabriel-Gruppe geschützt, protegiert und gestärkt werden.
alex2k 05.03.2015
4. Klasse!
Wünsche, dass in jedem Land so hart gegen Korruption vorgegangen wird. Und besonders Politiker sollten davon nicht verschont bleiben!
observer2014 05.03.2015
5. Respekt
Als Außenstehender kann ich nur begrüßen, wenn in Spanien Korruption stärker bekämpft wird als in der Vergangenheit. Wobei ich mir sicher bin, dass die Korruption hier in Deutschland auch blüht und gedeiht. Es besteht von Seiten der Politik nur kein ernsthaften Interesse, dieses Dunkelfeld der Kriminalität einmal zu erhellen. Nicht umsonst wurde und wird allerorten Personal bei Polizei und Justiz abgebaut? So wird sichergestellt, dass die verbliebenen Kräfte mit der normalen Kriminalitätsbekämpfung vollkommen ausgelastet ja sogar überlastet ist. Wie ist denn der Stand der Korruptionsbekämpfung in unser aller Lieblingsstaat - Griechenland?
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