Korruptionsverdacht: Ehemaliger ägyptischer Innenminister festgenommen

Das Mubarak-Regime ist gestürzt, jetzt werden offenbar ehemalige Regierungsmitglieder zur Rechenschaft gezogen: Der frühere ägyptische Innenminister al-Adli sowie zwei weitere Politiker wurden festgenommen - sie stehen unter Korruptionsverdacht.

Früherer ägyptischer Innenminister Habib al-Adli: Beim Volk verhasst Zur Großansicht
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Früherer ägyptischer Innenminister Habib al-Adli: Beim Volk verhasst

Kairo - Er war bei vielen Ägyptern verhasst. Jetzt, kurz nachdem das ägyptische Volk den Sturz des Präsidenten Husni Mubarak und seines Regimes erreicht hat, wurde der frühere Innenminister Habib al-Adli festgenommen. Der Vorwurf lautet Verschwendung öffentlicher Gelder und Korruption. Das verlautete am Donnerstag aus ägyptischen Sicherheitskreisen.

Al-Adli wird von vielen Gegnern für das brutale Vorgehen der Polizei gegen die friedlichen Demonstranten bei den landesweiten Protesten gegen Mubarak verantwortlich gemacht. Außerdem wurden der ehemalige Bauminister Ahmed Maghrabi und der frühere Tourismusminister Suheir Garana ebenfalls unter Korruptionsverdacht in Gewahrsam genommen. Des Weiteren sei der Stahlindustrielle Ahmed Ess festgenommen worden. Er spielte eine führende Rolle in der Nationaldemokratischen Partei des zurückgetretenen Staatschefs Mubarak.

Die Männer, die jede Schuld zurückweisen, sollen für 15 Tage festgehalten werden. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor bereits das Vermögen der Männer eingefroren und ein Ausreiseverbot verhängt.

Korruption in der Politik war einer der Gründe für die Massendemonstrationen in ägyptischen Städten, unter deren Druck Mubarak zurücktrat. Das Vorgehen der Übergangsregierung gegen die Minister wird von Beobachtern als Versuch gewertet, die Lage zu beruhigen. Das Militär treibt die von den Demonstranten geforderten politischen Reformen voran. Ägypten soll nach Angaben des zuständigen Komitees zunächst eine Übergangsverfassung erhalten. Der Militärrat hatte am Sonntag das Parlament aufgelöst und die Verfassung außer Kraft gesetzt. Damit kamen die Generäle zwei wichtigen Forderungen der Protestbewegung nach.

Die Streitkräfte sollen das Land für sechs Monate führen, sollten nicht vorher Präsidentschafts- und Parlamentswahlen abgehalten werden. Die noch vom gestürzten Präsidenten Husni Mubarak ernannte Übergangsregierung unter Ministerpräsident Ahmed Schafik bleibt unterdessen weiter im Amt.

Die ägyptische Demokratiebewegung rief unterdessen zu einer neuen Großkundgebung auf dem Tahrir-Platz in Kairo auf. Dabei soll am Freitag der Sieg über Mubarak gefeiert werden.

lgr/dapd/AFP/Reuters

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insgesamt 10 Beiträge
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1. Man sollte
lenin2009 17.02.2011
am besten erst einmal alle ehemaligen ägyptischen Regierungsvertreter verhaften. Die paar Prozent, die keinen Dreck am Stecken haben, kann man dann ja später immer noch freilassen.
2. Na das...
XRay23 17.02.2011
...scheint ja zu laufen. obwohl ja die meisten hier der Meinung waren das das Militär nach dem Motto "Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus." vorgehen wird. Sicherlich ist es verlockend jetzt erstmal den kompletten Regierungsapparat zu beseitigen, aber das wäre nicht klug, da dort wahrscheinlich viele Dinge mit Beziehungen und persönlichen Absprachen geregelt wurden, dabei wahrscheinlich auch Sachen welche nicht zum Nachteil der Bürger geschehen sind. Auch nach der DDR wurde ja festgestellt das nicht alles schlecht war... ;-) Ob man das direkt vergleichen kann weiss ich nicht, will ich mir auch nicht anmaßen. Fakt ist jedoch das der Militärrat in vielen Punkten sicherlich nicht über das nötige Fachwissen verfügt ein Land anzuführen, deshalb wollen die damit auch nicht all zu lange zu tun haben und lassen die alten Regierungselemente noch in der Galgenfrist bis zur nächsten Wahl arbeiten. Das sehe ich nicht als größeres Problem an, so lange man den Leuten wirklich auf die Finger schaut. Fakt ist das auch jetzt schon deutliche, sinnvolle Veränderungen sichtbar werden. So sorgt die HEPCA nun (http://www.hepca.com/) z.B. dafür das in Hurghada eine sinnvolle Abfallentsorgung durchgeführt wird, was die Stadt auch bitter nötig hatte. Umweltschutz war eigentlich immer ein Fremdwort. Es fängt mit solchen "Kleinigkeiten" an, aber es ist sichtbar da sich was verändert, man muss nur hinsehen und die Schwarzmalerei mal ein wenig sein lassen. Ich denke das sich das Land durchaus zum positiven wandeln kann wenn die Korruption eingedämmt und sinnvolle Strategien gefahren werden. Die Ägypter können das auf die Reihe bekommen, die haben schon ganz andere Sachen geschafft. Als wir hier gerade mal aus unseren Höhlen gekrochen sind haben die schon Pyramiden gebaut. ;)
3. oefter man anti-stereotypisch
publicminx 17.02.2011
Wenns nach Korruption ginge, koennte man die meiste Bevoelkerung verhaften. Aber die kleinen Leute laesst man natuerlich wieder laufen.
4. Nur die drei?
hepra 17.02.2011
Nur Al-Adly und zwei weitere Minister? Die sind ALLE korrupt bis auf die Knochen. Sie haben nur in die eigenen Taschen gewirtschaftet und damit das Land ausgeplündert. Und die Korruption reicht hinunter bis in die untersten Ränge. Ich könnte einige Bücher über Fälle, in denen sowohl Ausländer als auch Ägypter von Regierungsstellen um ihr oft mühsam Zusammengespartes betrogen wurden, schreiben. Die Stellen des Bau- und des Wohnungsbauministeriums gehören dazu. Den zumeist jungen Leuten war es nicht einmal vergönnt, ihr Recht vor Gericht einzuklagen, da man ohne Anwalt nicht den Schimmer einer Chance hat, die Anwälte aber horrende Honorare verlangen. Wer sich das doch leisten konnte, hatte allerdings gute Aussichten, da die Rechtsanwältegesellschaft von den Muslimbrüdern durchsetzt ist, und diese war ja bekanntlich nicht gerade gut auf die Regierung zu sprechen. Ob man dieser Korruption im ganzen Land jemals Herr werden kann, ist zu bezweifeln.
5. Was für eine geniale Idee - Ägyptische Sippenhaft
katanga1 18.02.2011
Zitat von lenin2009am besten erst einmal alle ehemaligen ägyptischen Regierungsvertreter verhaften. Die paar Prozent, die keinen Dreck am Stecken haben, kann man dann ja später immer noch freilassen.
Das ist ja mal eine neue Variante der Sippenhaft. Erst alle ab in den Knast und wenn Sie Ihre Unschuldigkeit beweisen können, dann wieder freilassen. Sie können froh sein das man Leute mit Ihrer Gesinnung in Deutschland nicht auch gleich in Sippenhaft steckt bis sie sich von diesem üblen Gedankengut schriftlich distanzieren und das auch beweisen können. Man oh man. Ich glaube es nicht.
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Ex-Staatschef Mubarak: Ein Milliardär tritt ab

Fläche: 1.002.000 km²

Bevölkerung: 81,121 Mio.

Hauptstadt: Kairo

Staatsoberhaupt:
Abd al-Fattah al-Sisi

Regierungschef: Ibrahim Mahlab

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