Kosovo EU-Staatsanwalt prangert Organhandel an

Die EU-Staatsanwaltschaft vermutet auf dem Balkan einen illegalen Organhandel. Opfer sollen Arme aus mehreren Ländern Osteuropas und Zentralasiens gewesen sein. Gegen fünf Kosovaren wird Anklage erhoben.

Weiterhin keine stabile Region: Kosovo-Polizist kontrolliert mit US-Soldaten ein Fahrzeug
AP

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Pristina - Es klingt wie eine düstere Zukunftsvision: Wegen illegalen Organhandels hat ein Staatsanwalt der Europäischen Union (EU) Anklage gegen sieben Verdächtige erhoben. Die kriminelle Organisation habe im Jahr 2008 rund 20 Ausländer mit falschen Versprechungen in den Kosovo gelockt, um ihnen dort einzelne Organe zu entnehmen, heißt es in der Anklageschrift.

Die Opfer stammten aus Moldawien, Kasachstan, Russland und der Türkei und seien sehr arm gewesen, heißt es in dem Dokument weiter. Für die Entnahme einer Niere seien ihnen bis zu 14.500 Euro versprochen worden. Von potenziellen Kunden habe der Verbrecherring zwischen 80.000 und 100.000 Euro für die Transplantation verlangt.

EU-Staatsanwalt Jonathan Ratel erhob gegen fünf Kosovaren Anklage wegen Menschenhandels, Amtsmissbrauchs und unerlaubter medizinischer Eingriffe. Unter den Verdächtigen sollen Ärzte und ein ehemaliger ranghoher Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums sein.

Allerdings: Keiner der Angeklagten aus dem Balkan befindet sich derzeit in Untersuchungshaft. Ein Türke und ein Israeli werden mit internationalem Haftbefehl gesucht. Bereits 2008 war gegen die Gruppe ermittelt und die Privatklinik eines Verdächtigen geschlossen worden. Kurz darauf hatte die Belgrader Tageszeitung "Blic" berichtet, der Betreiber der Klinik stehe mit der kosovarischen Untergrundorganisation UCK in Verbindung, die serbische Zivilisten getötet und deren Organe verkauft haben soll.

Die Vorwürfe stammten aus einem Buch der ehemaligen Chefanklägerin am Kriegsverbrechertribunal für Ex-Jugoslawien, Carla Del Ponte. Weitere Ermittlungen konnten die Vorwürfe jedoch nicht untermauern.

sev/dapd

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