Kosovo Regierungschef Thaçi erklärt sich zum Wahlsieger

Das Kosovo hat erstmals seit seiner Unabhängigkeit vor drei Jahren gewählt. Bereits jetzt ist der amtierende Ministerpräsident Hashim Thaçi sicher, dass er die Abstimmung gewonnen hat. Noch vor der Veröffentlichung der offiziellen Ergebnisse erklärte er: "Der Sieg gehört uns."

Regierungschef Hashim Thaçi: "Ein Sieg der Demokratie und der demokratischen Werte"
dpa

Regierungschef Hashim Thaçi: "Ein Sieg der Demokratie und der demokratischen Werte"


Pristina - Noch sind nicht alle Stimmen ausgezählt, aber der kosovarische Regierungschef Hashim Thaçi gibt sich optimistisch: Bei den Parlamentswahlen vom Sonntag sieht er seine PDK-Partei als Gewinner. In der Nacht zum Montag beglückwünschte er seine Anhänger. "Der Sieg gehört uns", sagte Thaçi nach einem Bericht der Zeitung "Koha Ditore" in einer im Fernsehen übertragenen Ansprache. Es sei ein Sieg der Demokratie und der demokratischen Werte.

Laut Wählerbefragungen liegt Thaçis PDK mit mehr als 30 Prozent der Stimmen in Führung. Wie das Institut Gani Bobi am Sonntagabend in Pristina weiter mitteilte, kommt der bisherige Juniorpartner in der Regierungskoalition, die LDK, mit 25 Prozent auf den zweiten Platz. Die LDK-Partei erklärte allerdings, ihren Statistiken zufolge liege sie in Führung.

Sollten sich die Zahlen des Instituts Gani Bobi jedoch bestätigen, ist mit einer schwierigen Regierungsbildung zu rechnen. Die beiden in der Befragung erstplatzierten Parteien bildeten bisher gemeinsam eine Koalitionsregierung, sind inzwischen aber tief zerstritten. Der frühere LDK-Vorsitzende Fatmir Sejdiu war als Staatspräsident zurückgetreten und hatte seine Minister aus der Regierung abgezogen. Deshalb waren vorzeitige Parlamentswahlen nötig geworden.

Die Anhänger der PDK feierten bereits am Sonntagabend im Zentrum von Pristina ihren Sieg. Dutzende Autos mit den Fahnen der Partei und Bildern von Thaçi fuhren laut hupend durch die Straßen der kosovarischen Hauptstadt. Auch Anhänger der LDK jubelten über den Erfolg ihrer Partei.

120 Parlamentssitze zu vergeben

Drittstärkste Kraft wurde demnach die erstmals angetretene nationalistische Studentenbewegung Vetevendosja mit 15 Prozent. Sie ist wegen ihrer extremistischen Ansichten bisher für niemanden koalitionsfähig.

Auf den vierten Platz kam der Befragung zufolge die AAK des früheren Rebellenführers Ramush Haradinaj. Ihm wird zurzeit am Uno-Tribunal in Den Haag der Prozess wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen gemacht. Auch Haradinaj liegt mit Thacis PDK über Kreuz. Die beiden Parteivorsitzenden sind die bekanntesten Rebellenführer aus dem Bürgerkrieg Ende der neunziger Jahre und traditionell verfeindet. Alle anderen Parteien scheiterten der Befragung zufolge an der Fünf-Prozent-Hürde.

Trotz der Spannungen zwischen der albanischen Bevölkerungsmehrheit und der kleinen serbischen Minderheit verlief die Abstimmung am Sonntag nach Angaben der staatlichen Wahlkommission ohne Zwischenfälle. Zu den vorgezogenen Neuwahlen des 120-köpfigen Parlaments waren rund 1,6 Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, die Beteiligung lag nach Angaben der Wahlkommission bei 47,8 Prozent.

Die USA und die EU hatten mit der Parlamentswahl die Hoffnung auf die Aufnahme des von Brüssel vermittelten Dialogs mit Serbien verknüpft. Während Pristina nur über die Lösung zwischenstaatlicher Probleme verhandeln will, strebt Belgrad die Wiedereingliederung seiner abgespaltenen früheren Provinz in seinen Staatsverband an. Das Kosovo ist heute von über 70 Staaten anerkannt, darunter von der Mehrheit der EU-Länder, den USA, Japan, Kanada, der Türkei und Saudi Arabien.

kgp/dpa/Reuters

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Seite 1
intenso1 13.12.2010
1. ...
Zitat von sysopDas Kosovo hat erstmals seit seiner Unabhängigkeit vor drei Jahren gewählt. Bereits jetzt ist der amtierende Ministerpräsident Hashim Thaci sicher, dass er die Abstimmung gewonnen hat. Noch vor der Veröffentlichung der offiziellen Ergebnisse erklärte er: "Der Sieg gehört uns." http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,734243,00.html
Die Erklärung der Unabhängigkeit des Kosovo ist in meinen Augen sehr fragwürdig. Wie würde sich Deutschland verhalten wenn plötzlich ein Bundesland seine Unabhängigkeit von der Republik erklärt? Der neue und alte Ministerpräsident ist seit 3 Jahren an der Macht. In dieser Zeit sind über 100.000.000€ in den Kosovo geflossen und das Land sieht noch immer aus wie vor der Unabhängigskeitserklärung. Wo ist das Geld geblieben? Unzählige Serben wurden von den Kosovo-Albanern vertrieben und ihres Besitzes beraubt. Wann erhalten sie ihr Eigentum zurück bzw. erhalten eine Entschädigung? Europa strebt nach Einigkeit und im ehemaligen Jugoslawien werden kleine Fürstentümer geschaffen und durch die Politiker Der USA und der EU gegeneinander ausgespielt. So wird man in dieser Region die Konflikte nicht beseitigen.
kujtimoon@googlemail.com 13.12.2010
2. Übersetzungsfehler
Im Artikel wurde das Wort Vetevendosja mit Widerstand übersetzt, was absolut falsch ist. Die richtige Übersetzung lautet Selbstbestimmung!
schwarzer Schmetterling, 13.12.2010
3. Das ist eher
Zitat von sysopDas Kosovo hat erstmals seit seiner Unabhängigkeit vor drei Jahren gewählt. Bereits jetzt ist der amtierende Ministerpräsident Hashim Thaci sicher, dass er die Abstimmung gewonnen hat. Noch vor der Veröffentlichung der offiziellen Ergebnisse erklärte er: "Der Sieg gehört uns." http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,734243,00.html
daneben. Gesiegt hat man ja schon vorher. Hier ein Link zur Weiterbildung: http://www.ag-friedensforschung.de/themen/NATO-Krieg/lutz.html zur inneren Lage: http://www.zeit.de/politik/ausland/2010-12/wahlen-kosovo-denkzettel http://www.free-slobo.de/news/091209gf.pdf und stehen da nicht auch unsere Jungs? Nicht besucht von Herrn von hier nach da Schniegel? Wäre mal eine Geschichte wert, die bei der nächsten Verlängerung des Mandats ansteht - eher lohnt nicht. Man vergißt ja bei der Fülle glatt, wo unsere Steuergroschen versenkt werden.
mr-leon 13.12.2010
4. Aktuelle Hochrechnung
Schoen, dass der Spiegel berichtet. Die Prognose ist allerdings ueberholt. Aktuell: PDK 31%, LDK 26%, Vetevendosje 13%, AAK 11%, AKR 8% (die Partei wurde im Artikel vergessen!). Thaci hat die Wahl wohl gewonnen, allerdings gibt es erste Hinweise auf Wahlbetrug in seinen Hochburgen. Ein gutes Zeichen ist die relativ hohe Wahlbeteiligung unter den Serben im Kosovo. Zu den Vorrednern: Das Thaci und andere Politiker im Kosovo in mafioese Machenschaften verstrickt sind ist sicher nicht unwahrscheinlich und es ist ein grosses Problem, dass er trotzdem gewaehlt wird. Quellen auf Grundlage einer Seite, die sich fuer die Befreiung von Milosevic einsetzt, sind aber alles andere als serioes und neutral (www.free-slobo.de). Klar dass hier versucht wird, die "albanischen Authoritaeten" zu delegitimieren. Und zu der Abspaltungsfrage: Der Vergleich mit Deutschland hinkt gewaltig, da in Deutschland keine ethnische Minderheit, die in Teilen des Landes eine Mehrheit bildet, mit Gewalt unterdrueckt wurde. Haette Milosevic dem Kosovo nicht die Autonomie innerhalb der Republik Serbien genommen, albanische Angestellte aus dem Staatsdienst entlassen, Schueler aus der Schule geschmissen, die albanische Sprache untersagt etc., dann waere Kosovo bestimmt noch immer ein Teil Serbiens. Ich fuerchte nun muss sich Serbien damit abfinden. Nicht aber abfinden kann sich Serbien und die internationale Gemeinschaft mit Diskriminierung der Serben und anderer Minderheiten (wie die nun reihenweise aus Deutschland abgeschobenen Roma)im Kosovo, die genauso Opfer wie Taeter in dem Konflikt sind.
WhereIsMyMoney 13.12.2010
5. ...
Zitat von intenso1Die Erklärung der Unabhängigkeit des Kosovo ist in meinen Augen sehr fragwürdig. Wie würde sich Deutschland verhalten wenn plötzlich ein Bundesland seine Unabhängigkeit von der Republik erklärt? Der neue und alte Ministerpräsident ist seit 3 Jahren an der Macht. In dieser Zeit sind über 100.000.000€ in den Kosovo geflossen und das Land sieht noch immer aus wie vor der Unabhängigskeitserklärung. Wo ist das Geld geblieben? Unzählige Serben wurden von den Kosovo-Albanern vertrieben und ihres Besitzes beraubt. Wann erhalten sie ihr Eigentum zurück bzw. erhalten eine Entschädigung? Europa strebt nach Einigkeit und im ehemaligen Jugoslawien werden kleine Fürstentümer geschaffen und durch die Politiker Der USA und der EU gegeneinander ausgespielt. So wird man in dieser Region die Konflikte nicht beseitigen.
Sie liegen da ganz falsch. Die EU kommt den Serben zu sehr entgegen. Anstatt es so zu amchen, wie die USA es mit D nach dem 2.WK gemacht haben, verhätschelt die EU Serbien. Die mischen den ganzen Balkan auf mit ihrem Hass, aber die EU denkt nur an die Wirtschaft. Es wird keine Ruhe geben, wenn man nicht ein bisschen Gerechtigkeit walten lässt, liebe EU. Die Serben machen was sie wollen und die EU unternimmt nichts. Die EU schickt nachwievor das meiste Geld, von allen Nicht-EU-Mitgliedern, nach Serbien.
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