Kosovo Schießerei am deutschen Kontrollpunkt

Kurz nach dem Einmarsch zeigte sich, wie gefährlich die Friedensmission im Kosovo ist: In Prizren wurden Bundeswehrsoldaten in ein Feuergefecht verwickelt und töteten einen Serben. Außerdem starben bereits drei deutsche Journalisten - darunter zwei Reporter des Hamburger Magazins "Stern".


Prizren/Belgrad/London - Die Bundeswehrsoldaten, die in Prizren einen Kontrollpunkt aufgebaut hatten, wurden am Sonntag abend von serbischen Paramilitärs angegriffen. Sie erwiderten das Feuer, töteten einen Serben und verletzten einen zweiten lebensgefährlich, wie das Verteidigungsministerium in Bonn mitteilte. Bei dem Schußwechsel wurde ein deutscher Soldat am Arm verletzt. Zuvor hatten britische Fallschirmjäger in Pristina ein Mitglied der serbischen Sonderpolizei erschossen. Bis Sonntag abend sollten 10.000 Soldaten der internationalen Schutztruppe das Kosovo erreichen.

Einer der beiden "Stern"-Journalisten, vermutlich Fotograf Volker Kramer, liegt tot auf der Straße nahe der Stadt Dulje
AP

Einer der beiden "Stern"-Journalisten, vermutlich Fotograf Volker Kramer, liegt tot auf der Straße nahe der Stadt Dulje

Die drei Reporter wurden nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Bonn in der Ortschaft Dulje getötet, 40 Kilometer südwestlich der Provinzhauptstadt Pristina. Das Außenministerium wollte die Namen der Journalisten nicht nennen. Zwei von ihnen waren für das Magazin "Stern" tätig. Dies bestätigte am Montag der Verlag in Hamburg. Bei den Opfern handelt es sich um Volker Krämer (56) und Gabriel Grüner (35). Nach Berichten von Kollegen sollen die beiden in einen Hinterhalt gelockt worden sein. Die Täter hätten sich ihnen zunächst angedient und ihnen versprochen, sie zu einem Massengrab zu führen. Statt dessen seien sie aber erschossen worden. Über die Identität des dritten Journalisten liegen noch keine näheren Angaben vor.

Unterdessen haben britische Einheiten der Kfor-Schutztruppe am Montag den Russen vorläufig die Kontrolle des Flughafens von Pristina überlassen. Die Briten, die auf dem Flughafen das Hauptquartier von Kfor-General Michael Jackson aufschlagen wollten, zogen sich nach einem BBC-Bericht zurück. Zwei gepanzerte russische Fahrzeuge hätten den südlichen Zugang zum Flughafen versperrt. Über 200 russische Fallschirmjäger hatten in der Nacht zum Sonntag den Flughafen im Handstreich besetzt, um Moskaus Forderung nach einer eigenen Verantwortungszone im Kosovo zu unterstreichen.



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