Kosovo Serbischer Spitzenpolitiker in Mitrovica festgenommen

Die Spannungen zwischen Serben und Albanern im Kosovo drohen weiter zu eskalieren. Im Norden des Landes wurde nun ein serbischer Politiker festgenommen - sehr zum Ärger von Präsident Vucic.

Festnahme von Marko Djuric
AP

Festnahme von Marko Djuric


Eine Spezialeinheit der Kosovo-Polizei hat den serbischen Spitzenpolitiker Marko Djuric in der Stadt Mitrovica im Norden des Landes festgenommen. Das berichteten Medien in Serbien und im Kosovo übereinstimmend. Der in der Regierung in Belgrad für das Kosovo zuständige Djuric habe sich illegal in der Stadt aufgehalten, wurde die spektakuläre Festnahme begründet.

Gegen serbische Unterstützer des Politikers habe die Polizei Tränengas eingesetzt, berichtete ein Reporter des serbischen Staatsfernsehens aus Mitrovica. Das fast nur noch von Albanern bewohnte Kosovo ist seit zehn Jahren von Serbien unabhängig und der jüngste Staat Europas.

Das Kosovo hatte die Einreise von Djuric und anderen serbischen Regierungsmitgliedern verboten. Die Kosovo-Polizei hatte im Norden des Landes, wo die Serben die lokale Mehrheit bilden, Spezialkräfte mit Maschinengewehren postiert, um die Einreise zu verhindern. Offensichtlich war Djuric aber mit einem weiteren Politiker von Landsleuten über die grüne Grenze ins Land gebracht worden.

Die ohnehin seit vielen Jahren angespannten Beziehungen der beiden Nachbarn dürften durch die Festnahme zusätzlich belastet werden. Serbiens Präsident Aleksandar Vucic reagierte mit harten Worten. Er bezeichnete den Kosovo als einen "Terroristen-Staat", der von westlichen Mächten unterstützt werde. Vucic sagte, es handele sich um eine "brutale Provokation", die nicht unbestraft bleiben dürfe.

Erst im Januar sorgte der Fall des ermordeten serbischen Politikers Oliver Ivanovic für Aufsehen. Der 64-Jährige wurde im Kosovo von Kugeln getroffen, die von einem Auto aus abgefeuert und erlag wenig später seinen Verletzungen im Krankenhaus. In der von Unruhen geprägten, ethnisch geteilten Stadt Mitrovica galt er als moderater Politiker.

bam/dpa



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