Drohender Baustopp Kosten für neuen Nato-Hauptsitz in Brüssel explodieren

Ein gigantischer Palast aus Stahl und Glas soll der künftige Hauptsitz der Nato werden. Doch der Bauträger des elegant geschwungenen Gebäudes in Brüssel steckt nach SPIEGEL-Informationen in Geldnöten. Die Kosten steigen immens.

Künftiger Nato-Hauptsitz: 1,05 Milliarden Euro reichen nicht
REUTERS

Künftiger Nato-Hauptsitz: 1,05 Milliarden Euro reichen nicht


Hamburg - Der Generalunternehmer für das neue Nato-Hauptquartier in Brüssel steckt in erheblichen Zahlungsschwierigkeiten. Am 19. Dezember informierte der Stab von Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen die Gesandten der 28 Mitgliedsländer über die Geldnöte des Baukonsortiums BAM Alliance.

"Bedingt durch Fehlkalkulation und anhängige höhere Forderungen von Subunternehmen" sei die "im Haushalt vorgesehene Obergrenze von 1,05 Milliarden Euro nicht einzuhalten", heißt es nach SPIEGEL-Information in einem Drahtbericht der deutschen Nato-Vertretung vom 20. Dezember 2013. Wenn nicht schnell Geld nachgeschossen würde, drohe ein Baustopp.

Der Vorsitzende des Gesandten-Ausschusses bat um "vertrauliche Behandlung des Themas". In einer weiteren Sitzung am 10. Januar berichtete der zuständige Nato-Projektmanager Tony Carruth, dass sich die Fertigstellung um wahrscheinlich neuneinhalb Monate verzögern werde. Die Nachforderungen des Bauträgers BAM Alliance beliefen sich auf 245 Millionen Euro, so Carruth. "Die Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen", heißt es in einem für die Sitzung erstellten 13-seitigen Bericht des Internationalen Stabs.

Der Sprecher von BAM Alliance, Arno Pronk, sagte auf Anfrage, "mehrere unvorhergesehene Umstände einschließlich bedeutender höherer Sicherheitsanforderungen" der Nato hätten dazu geführt, dass der Bau des Hauptquartiers die ursprüngliche Vertragssumme übersteige. Zur drohenden Zahlungsunfähigkeit machte er keine Angaben.

abl

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 24 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
brille000 19.01.2014
1. Seid Ihr denn alle verrückt?
Was ist denn das für ein Monstrum an Gebäude? Seid Ihr denn so langsam wahnsinnig geworden mit Eurem Streben nach Gigantomanie? Was glaubt Ihr, Ihr Idioten, die Ihr derartige Entscheidungen trefft, wer Eure Spinnereien bezahlen soll? Ich habe Angst davor, dass diese Ganoven, die so mit Volkes Vermögen umgehen, uns "beschützen" sollen.
sucher533 19.01.2014
2. Externe Kosten
Wenn die NSA ihre Datenkabel selbst zahlen würden, dann wären die Baukosten wieder im Plan.
analysatorveritas 19.01.2014
3. Die schönen Pläne!
Zitat von sysopREUTERSEin gigantischer Palast aus Stahl und Glas soll der künftige Hauptsitz der Nato werden. Doch der Bauträger des elegant geschwungenen Gebäudes in Brüssel steckt nach SPIEGEL-Informationen in Geldnöten. Die Kosten steigen immens. http://www.spiegel.de/politik/ausland/kosten-fuer-nato-hauptsitz-in-bruessel-explodieren-a-944355.html
Es ist wie immer im Baugeschäft und immer wieder dort das gleiche Spiel. Es gibt schöne Pläne, eine tolle Architektur, dazu die entsprechenden Kalkulationen, einen lückenlosen präzisen Zeitplan, eine passende Finanzierung, einen Bauträger, der alles kann und alles verspricht und viele Bauherrn, gerade öffentliche, die dies gerne glauben. Kurz nach Baubeginn fangen dann die Probleme an. Alles wird viel teurer, die Zeitpläne sind reine Illusionen, die Finanzierung reicht nicht, der Bauträger steckt fest oder steht selbst kurz vor der Insolvenz. Kennt eigentlich jeder Fachmann, kommt aber immer wieder vor. Bei öffentlichen Bauten fast die Regel. In diesem Fall jedoch zahlen auch die deutschen Steuerzahler wieder drauf. Der Bezugstermin steht in den Sternen, die Planungen geraten durcheinander. Die schönen Pläne, alles für die Katz! Wohl nicht für alle, einige dürften dabei recht ordentlich verdient haben.
tailspin 19.01.2014
4. Sozialschaedlinge
Es wird hoechste Zeit, damit aufzuhoeren, Steuerzahler fuer Planungsfehler von unfaehigen Buerokraten geradestehen zu kassen. In meinen Augen ist das kein Kavaliersdelikt, sondern strafrechtlich relevant. Wenn man so weit nicht gehen will, sollte man die Verantwortlichen fuer Kosteueberschreitungen in den halbfertigen Baus stecken und dort so lange gemeinnuetzig arbeiten lassen, bis sie schlau geworden sind.
DerMarktschreier 19.01.2014
5. Generalunternehmer...
...gibt es doch genau dazu, um solche Entwicklungen auszuschließen, oder nicht? Entpsrechend hätte man jetzt auch die Möglichkeit zu sagen, dass man den Bau dann halt nicht braucht. Das Problem ist doch generell, dass immer zu niedrige Angebote gemacht werden und dann, wenn der Bau schon weit fortgeschritten ist, die Erpressungsnachforderungen kommen. Wenn das also kein abgekartetes Spiel zwischen den NATO-Offiziellen und dem Bauträger ist, d.h. höhere Preise inoffiziell schon vorher ausgehandelt wurden, dann wäre jetzt die ideale Gelegenheit, mal ein Exempel zu statuieren...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.