Kotau vor China Deutsche Post verbannt Dalai Lama von Briefen

Die Beziehungen zu China sind nach Angela Merkels Dalai-Lama-Empfang auf einem Tiefpunkt. Die Wirtschaft verlangt besorgt einen neuen Kuschelkurs - die Post macht vor, wie's geht: Sie läßt das religiöse Oberhaupt der Tibeter nicht mehr als Motiv auf Wertmarken zu.

Von , Peking


Peking - Im Gegensatz zu Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) scheut sich die Deutsche Post, mit dem Dalai Lama in Verbindung gebracht zu werden. Sie lehnte es jetzt ab, das religiöse Oberhaupt der Tibeter auf einem ihrer Produkte - dem "Plusbrief Exklusiv" - abzubilden.

Eigentlich dürfen Kunden gegen Entgelt Geschäfts- und Werbebriefe mit einem selbst ewählten Bildmotiv in der Marke versehen. Doch als die deutsche Gruppe "International Campaign for Tibet" jüngst ihre Umschläge mit dem Friedensnobelpreisträger von 1989 schmücken wollte, trat die Post von dem Vertrag zurück.

Die von den Tibet-Aktivisten gewählten Motive liefen "den Geschäftsinteressen der Deutschen Post und der mit ihr verbundenen Unternehmen zuwider" und seien zudem "geeignet, den Betriebsfrieden der Deutschen Post AG und ihrer verbundenen Unternehmen zu stören", argumentierte sie in einem Schreiben. Unterschrift: "Ihr Team Plusbrief der Deutschen Post AG".

Die Postler fürchten offensichtlich um die guten Fernost-Geschäfte ihrer Tochter, dem Expressunternehmen DHL, das in China über 70.000 Kunden hat.

Die Absage sei "inakzeptabel", erklärte dagegen der Geschäftsführer der "International Campaign für Tibet", Kai Müller. Sie zeige, "wie weit der politische Einfluss Chinas nach Deutschland reicht". Gegen einen anderen Kirchenführer hatten die Postler nichts einzuwenden: Papst Benedikt XVI. durfte auf einem Briefumschlag erscheinen.

Beziehungen in der Krise

Die deutsch-chinesischen Regierungsbeziehungen sind derzeit in der Krise, nachdem Peking sich über den Empfang des Dalai Lama im Kanzleramt im September empört hatte. Mehrere bilaterale Treffen auf hoher Ebene, darunter der Menschenrechtsdialog, wurden abgesetzt, Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) ausgeladen. Trotz der Verstimmungen will auch der Menschenrechtbeauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke (CDU), den Dalai Lama im nächsten Jahr empfangen.

Peking betrachtet Tibet als Bestandteil Chinas. Auch zwischen den USA und Peking kam es zu Verstimmungen, weil US-Präsident Bush das religiöse Oberhaupt der Tibeter ebenfalls getroffen hatte.

Zuletzt hatte die deutsche Industrie an Merkel appelliert, für ein besseres Verhältnis zu China zu sorgen. "Nach den Verstimmungen der letzten Wochen benötigen wir einen konstruktiven Dialog", hatte Jürgen Thumann, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), der "Financial Times Deutschland" erklärt.



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