Kotau vor China Papst versetzt Dalai Lama

Benedikt XVI. wird den Dalai Lama bei dessen Italien-Besuch nicht im Vatikan empfangen. Ein inoffiziell für Mitte Dezember geplantes Treffen wurde abgesagt. Der Papst müht sich derzeit um die Verbesserung der Beziehungen zu China.


Rom - Das Treffen von Papst und Dalai Lama sollte am 13. Dezember stattfinden - das hatte im Oktober ein hoher Kirchenvertreter, der namentlich nicht genannt werden wollte, angekündigt. Nun fällt es aus. Es sei keine Audienz geplant und es habe auch nie eine offizielle Ankündigung gegeben, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi am Montag.

Petersdom: Der Vatikan versucht die Spannungen mit China beizulegen
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Petersdom: Der Vatikan versucht die Spannungen mit China beizulegen

Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums Liu Jianchao hatte Anfang November betont: "Wir hoffen, dass der Vatikan nichts unternimmt, was die Gefühle des chinesischen Volkes verletzt, und Ernsthaftigkeit zeigt, die Beziehungen zu China durch konkrete Schritte zu verbessern." Entsprechend kommentiert die Zeitung "La Repubblica" heute, wahrscheinlich sei der Druck aus China auf den Heiligen Stuhl zu groß gewesen.

Benedikt XVI. versucht seit Monaten, die Jahrzehnte langen Spannungen zwischen dem Vatikan und Peking beizulegen. Er hat die Verbesserung der Beziehungen zu einem der Hauptziele seines Pontifikats gemacht und strebt die volle Wiederaufnahme der 1951 abgebrochenen diplomatischen Beziehungen an. In einem päpstlichen Schreiben an alle Katholiken in China hatte er im Juni zu Dialog und Versöhnung aufgerufen.

Das Oberhaupt der Katholiken hatte den Dalai Lama bereits vor rund einem Jahr zu einer privaten Audienz empfangen. Um Ärger mit Peking zu vermeiden, war das Treffen damals jedoch nicht in den offiziellen Terminkalender des Papstes aufgenommen worden. Auch Johannes Paul II. war mehrmals mit dem Dalai Lama zusammengetroffen.

Die katholische Kirche in China ist seit dem Bruch der Kommunisten mit dem Vatikan 1951 gespalten: Es gibt eine von Peking kontrollierte Staatskirche, die die Autorität Roms ablehnt. Ihr gehören nach offiziellen Angaben fünf Millionen Gläubige an. Zudem gibt es eine Rom-treue Untergrundkirche, die rund zehn Millionen Gläubige zählen soll. Diese Kirche leidet seit Jahren unter Verfolgungen.

Die jüngsten Empfänge des Dalai Lamas durch Kanzlerin Angela Merkel, US-Präsident George W. Bush sowie Kanadas Ministerpräsident Stephen Harper hatten jeweils heftige Proteste Pekings ausgelöst. Als Folge des Treffens zwischen der deutschen Kanzlerin und dem geistigen Oberhaupt der Tibeter waren mehrere hochrangige Treffen zwischen deutschen und chinesischen Politikern geplatzt. Zuletzt hatte Finanzminister Peer Steinbrück Mitte November eine lange geplante China-Reise absagen müssen: Sein chinesischer Amtskollege fand angeblich keinen Termin mehr für Steinbrück.

Auch innenpolitisch hat die Einladung Merkels Konsequenzen: Die Große Koalition streitet über den außenpolitischen Kurs. Die SPD hatte den Empfang des Dalai Lama kritisiert und Außenminister Frank-Walter Steinmeier den Vorwurf erhoben, Merkel betreibe Menschenrechtspolitik als "Schaufensterpolitik". Heute warnte SPD-Generalsekretär Hubertus Heil den Koalitionspartner vor einem außenpolitischen Konfrontationskurs. Die Bundesregierung müsse auf Dialog setzen und die Gesprächskanäle offenhalten, sagte er nach einer Sitzung des SPD-Präsidiums. Die kürzlich vorgestellte Asienstrategie der CDU/CSU-Fraktion "erinnert an die Zeit des Kalten Kriegs", kritisierte der Generalsekretär.

Die chinesische Armee war 1951 in Tibet einmarschiert. Seitdem betrachtet Peking die Region als Teil Chinas. Der Dalai Lama lebt in Indien im Exil.

ler/dpa



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