Erneute Krebsoperation: Hugo Chávez kürt seinen Nachfolger
Venezuelas Präsident Hugo Chávez ist erneut an Krebs erkrankt und muss operiert werden. Er soll dazu noch an diesem Sonntag nach Kuba fliegen. Der neue Ausbruch der Krankheit scheint ernst zu sein: Der Staatschef empfahl seinem Volk jedenfalls schon mal einen Nachfolger.
Der venezolanische Präsident Hugo Chávez muss sich erneut einer Krebsoperation unterziehen. In einer landesweit übertragenen Fernsehansprache kündigte der 58-Jährige am Samstagabend überraschend an, dass er noch am Sonntag nach Kuba fliegen werde. Dort soll er unverzüglich operiert werden.
Es wäre der vierte Eingriff seit Juni 2011. Chávez war erst am Freitag aus Havanna nach Venezuela zurückgekehrt. Er hatte sich in Kuba angeblich zu einer Sauerstoffbehandlung aufgehalten. Dabei seien jetzt neue Krebszellen entdeckt worden, sagte Chávez sichtlich betroffen. Er nannte den Eingriff kämpferisch eine "neue Schlacht".
Erstmals sprach der venezolanische Machthaber auch über seine Nachfolge, was er in all der Zeit seiner Erkrankung stets vermieden hatte. Die Verfassung schreibt vor, dass im Falle des Todes des Staatschefs der Vizepräsident bis zu Neuwahlen die Amtsgeschäfte übernimmt. Chávez hatte nach seinem letzten Triumph bei den Wahlen im Oktober seinen jahrelangen Gefolgsmann und Vertrauten Nicolás Maduro zum Vizepräsidenten ernannt.
Maduro war zuvor Außenminister gewesen. Nun kürte Chávez den früheren Busfahrer unverblümt zu seinem Nachfolger: "Falls irgendetwas passiert, sollte Nicolás Maduro nicht nur mein Mandat zu Ende führen, sondern ihr solltet ihn auch bei Neuwahlen zu eurem Präsidenten bestimmen", sagte Chávez. "Das ist meine feste, unumstößliche, absolute und totale Überzeugung."
Chávez regiert Venezuela seit 1999. Am 7. Oktober 2012 hatte er die Präsidentenwahl gegen seinen bürgerlichen Herausforderer Henrique Capriles überraschend deutlich mit 54 Prozent der Stimmen gewonnen. Es war seine dritte Wiederwahl. Dem Linksnationalisten war es gelungen, sein Volk davon zu überzeugen, dass nur mit ihm die sogenannten Missionen eine Zukunft haben. Dabei handelt es sich um milliardenschwere Sozialprogramme, finanziert aus den Erdöleinkünften des Landes.
Acht Millionen Venezolaner erhalten über die Missionen in der einen oder anderen Form staatliche Unterstützung. Chávez sorgt so für alleinerziehende Mütter, Analphabeten, stellt medizinische Versorgung, finanziert Aus- und Weiterbildung, vergibt Stipendien und hilft Obdachlosen. 34 Missionen hat die Regierung bisher aufgelegt. 300 Milliarden Dollar hat der Linksnationalist seit 1999 in diese Programme gepumpt. In seinen 14 Jahren an der Macht sank nach Uno-Angaben die Arbeitslosigkeit von 13 auf acht Prozent, die Armut von 50 auf 32 Prozent.
Rätsel um seine Krebserkrankung
Allerdings ist Chávez auch für seine außenpolitischen Hasstiraden gegen die USA bekannt. Er schlägt sich gern aufdie Seite von Staaten wie Iran oder Syrien. Menschenrechtsorganisationen werfen ihm vor, Oppositionspolitiker und Journalisten zu schikanieren.
Bis heute ist nicht klar, unter welcher Art von Krebs der venezolanische Präsident leidet. Chávez weigert sich, Details der Erkrankung zu nennen. Nach unbestätigten Angaben soll sich der Ursprung im Bauch- oder Beckenbereich befinden. Am 30. Juni 2011 hatte sich Chávez überraschend zunächst einen Abszess im Bauchbereich und dann einen Tumor entfernen lassen. Es folgten zwei weitere Operationen, bei denen ihm bösartige Geschwüre entfernt wurden. Hinzu kamen Chemo- und Strahlentherapien.
In den vergangenen eineinhalb Jahren ist Chávez rund ein Dutzend Mal nach Kuba gereist, um sich dort behandeln zu lassen. Zuletzt war er vom 28. November bis zum 7. Dezember auf der Insel seines Freundes und Mentors Fidel Castro. Angeblich sollte er sich dort einer Sauerstofftherapie zur Regeneration der durch die vielen Bestrahlungen angeschlagenen Blutgefäße unterziehen. Vize-Staatschef Maduro hatte zu Beginn der Reise noch alle Gerüchte bezüglich einer Verschlechterung des Gesundheitszustands zerstreut: "Dem Präsidenten geht es gut, sehr gut. Er wird gestärkt nach Venezuela zurückkehren", hatte Maduro gesagt.
Der Vizepräsident hat seinen Chef kürzlich bereits auf zwei wichtigen Veranstaltungen vertreten, dem iberoamerikanischen Gipfel im spanischen Cádiz und dem Treffen der südamerikanischen Staatengemeinschaft Unasur im peruanischen Lima.
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- Sonntag, 09.12.2012 – 10:08 Uhr
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