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Krieg gegen den Terror: Wirbel um amerikanische Undercover-Mission im Iran

Laut einem Bericht des amerikanischen Star-Reporters Seymour Hersh sind US-Spezialeinheiten heimlich in den Iran eingedrungen und identifizieren Ziele für einen möglichen Angriff. Das Weiße Haus dementiert und sagt, der Bericht sei "voller Ungenauigkeiten".

George W. Bush: Geheime Marschbefehle unterzeichnet?
REUTERS

George W. Bush: Geheime Marschbefehle unterzeichnet?

Berlin - Der US-Journalist Seymour Hersh ist berühmt für seine Recherchen: Vom My-Lai-Massaker während des Vietnamkriegs bis hin zur Folterorgie in Abu-Ghureib hat der Reporter Skandale aufgedeckt, die die amerikanische Gesellschaft erschütterten.

In der neuesten Ausgabe des Magazins "The New Yorker" berichtet er nun von US-Spezialeinheiten, die im Iran nach chemischen und nuklearen Anlagen suchen. Heimlich, versteht sich. Seit Sommer stießen immer wieder US-Teams über die pakistanische Grenze in den Iran vor, schreibt Hersh. Ziel der Undercover-Missionen sei es, Ziele für ein mögliches Bombardement zu identifizieren.

Hersh zitiert einen Regierungsberater mit den Worten: "Die Zivilisten im Pentagon wollen in den Iran gehen und soviel militärische Infrastruktur wie möglich zerstören". Ein anderer hochrangiger Informant sagt dem Reporter: "Die Bush-Regierung sieht dies als eine große Kriegszone an. Als nächstes werden wir einen Irankrieg haben."

Präsident George W. Bush habe eine Reihe von Geheimbefehlen unterzeichnet, die den Undercover-Einsatz von US-Truppen in bis zu zehn Ländern autorisierten, so Hersh weiter.

Iranische Atomfabrik
AP

Iranische Atomfabrik

Das Weiße Haus dementierte den Bericht umgehend. "Natürlich sehen wir den Iran mit Sorge", sagte Dan Bartlett, ein enger Bush-Mitarbeiter, gegenüber CNN. Hershs Bericht sei jedoch "voller Ungenauigkeiten, und ich glaube nicht, dass einige seiner Schlüsse den Tatsachen entsprechen".

Bartlett sagte, die USA würden Iran weiter mit diplomatischen Mitteln begegnen. Allerdings werde man militärische Mittel nicht ausschließen. "Noch nie in der Geschichte hat ein US-Präsident je militärische Mittel ausgeschlossen", sagte Bartlett.

Laut Hershs Bericht arbeiten die amerikanischen Einheiten mit pakistanischen Wissenschaftlern zusammen, die früher in engem Kontakt mit den Iranern gestanden haben. Im Austausch für die Informationen der Pakistaner, so Hersh, verzichteten die Amerikaner auf die Auslieferung des "Vaters der pakistanischen Atombombe", A.Q. Khan. Dies sei dem pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf zugesichert worden. Khan gilt als Schlüsselfigur in der Weitergabe von Nukleartechnologie an Iran, Libyen und Nordkorea.

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