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Krieg im Kaukasus: Russland marschiert in Südossetien ein

Dramatische Entwicklung in der Kaukasus-Krise: Russische Truppen rücken in Südossetien ein, um Georgiens Offensive in der abtrünnigen Provinz zu stoppen. Die Regierung in Tiflis gab den Abschuss russischer Flugzeuge bekannt - und meldete, Moskau habe eine Luftwaffenbasis bombardieren lassen.

Moskau - Das russische Verteidigungsministerium bestätigte am Nachmittag Berichte, dass es Truppen auf südossetisches Gebiet geschickt hat. Die Größenordnung ist bisher nicht bekannt. Man wolle die schon früher dort stationierten "russischen Friedenstruppen" verstärken, deren Stärke bei etwa 500 Mann liegt. Zehn dieser Soldaten seien bei der georgischen Offensive am Morgen getötet worden.

Die Nachrichtenagentur Ria Nowosti und eine Reporterin von AFP hatten zuvor berichtet, eine Kolonne von Kriegsfahrzeugen sei in die Krisenprovinz eingerückt. Auch der georgische Präsident Micheil Saakaschwili gab an, rund 150 russische Panzer und gepanzerte Fahrzeuge seien nach Südossetien vorgedrungen.

Saakaschwili gab außerdem den Abschuss von zwei russischen Kampfjets bekannt. Ein hochrangiger georgischer Sicherheitsbeamter berichtete der Nachrichtenagentur Reuters, russische Maschinen hätten eine Luftwaffenbasis außerhalb der Hauptstadt Tiflis bombardiert.

Russischen Medien zufolge haben sich die georgischen Einheiten nach dem Einmarsch ihrer Gegner aus der südossetischen Hauptstadt Zchinwali zurückgezogen, die nur rund 40 Kilometer von der Grenze entfernt ist.

Der russische Präsident Dmitri Medwedew hatte am Mittag nach der georgischen Militäroffensive gegen die abtrünnige Region Südossetien Gegenmaßnahmen angekündigt. "Gemäß der Verfassung und der Gesetze bin ich als Präsident der Russischen Föderation verpflichtet, Leben und Würde der russischen Bürger zu schützen, wo auch immer sie leben", sagte er. Welche Schritte er unternehmen will, ließ Medwedew offen.

Der Einmarsch russischer Soldaten ohne internationales Mandat in Südossetien wäre ein Verstoß gegen Völkerrecht. Südossetien gehört völkerrechtlich zu Georgien, wird allerdings von Russland wirtschaftlich unterstützt.

Die meisten Einwohner Südossetiens haben einen russischen Pass. "Wir werden den Tod unserer Landsleute nicht ungesühnt lassen. Die Schuldigen werden gebührend bestraft", sagte Medwedew.

Südossetien, das sich 1992 von Georgien abgespalten hat, und das ebenfalls arme Abchasien wollen mit russischer Unterstützung ihre Unabhängigkeit von Georgien behaupten. Aber über das westlich orientierte Georgien, das in die Nato strebt, halten die USA eine schützende Hand.

Georgien hatte am Freitagmorgen eine Großoffensive in der abtrünnigen Kaukasus-Republik gestartet. Es wurden heftige Gefechte aus Südossetien gemeldet, bei denen mindestens 15 Menschen getötet wurden. Die internationale Gemeinschaft rief Georgien und Russland auf, den Konflikt friedlich beizulegen.

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Die Europäische Union und die Nato forderten die sofortige Einstellung der Kampfhandlungen in Südossetien. Auch die Sprecherin von US-Präsident George W. Bush, Dana Perino, forderte beide Seiten auf, auf Gewalt zu verzichten und direkte Gespräche aufzunehmen. Bundeskanzlerin Angela Merkel rief die Konfliktparteien zu größter Besonnenheit und Zurückhaltung auf.

Der russische Nato-Botschafter Dmitri Rogosin warf dem Westen vor, die Regierung Saakaschwilis "moralisch" unterstützt zu haben. "Wir warnen die Nato vor einer weiteren Unterstützung Saakaschwilis", sagte Rogosin der Agentur Interfax.

ler/AP/AFP/Reuters/dpa

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Kämpfe in Südossetien: Krieg im Kaukasus

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