Feuerpause in Nahost Israel zieht Bodentruppen komplett aus Gaza ab

Für 72 Stunden sollen im Gaza-Streifen und in Israel die Waffen schweigen. Die israelische Armee meldete inzwischen den Abzug ihrer Truppen - das Hauptziel, die Zerstörung der Tunnel der Hamas, sei erreicht worden.

AP/dpa

Tel Aviv - Die israelischen Truppen sind komplett aus dem Gaza-Streifen abgerückt. Der Armeesprecher Peter Lerner hatte am frühen Dienstagmorgen angekündigt, dass sich die Armee im Zuge der in Kraft getretenen Waffenruhe auf "defensive Positionen" außerhalb des Palästinensergebiets zurückziehen werde.

Am Vorabend hatten sich Israel und die Palästinenser auf eine 72-stündige Feuerpause geeinigt. Die Vereinbarung kam unter Vermittlung Ägyptens zustande. Kurz bevor die Waffenruhe begann, feuerten militante Palästinenser noch eine Salve von rund 20 Raketen auf Israel ab. Unter anderem wurden laut Militär Geschosse auf die Küstenstädte Aschdod und Aschkelon sowie Ortschaften in der Negev-Wüste abgefeuert, berichteten Medien. Über Jerusalem sei eine Rakete abgefangen worden.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon begrüßte die neue Feuerpause. In einer in New York herausgegebenen Erklärung rief Ban alle Parteien auf, sich an die Waffenruhe zu halten.

Sie soll den Weg zu Verhandlungen über einen dauerhaften Waffenstillstand freimachen. In Kairo befinden sich bereits Vertreter der im Westjordanland regierenden Fatah, der radikalislamischen Gruppierung Islamischer Dschihad und der Hamas aus Ägypten und Katar. Im Laufe des Tages soll eine Delegation aus Israel sowie Vertreter der Hamas aus dem Gaza-Streifen dazukommen.

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Erneute Waffenruhe: Rückzug aus dem Gaza-Streifen
Der Abzug aller israelischen Truppen aus Gaza war eine der Bedingungen der palästinensischen Seite für einen Waffenstillstand.

Inzwischen kehren viele Palästinenser in ihre Wohnviertel im Gaza-Streifen zurück. "Die Menschen beginnen, die Uno-Schutzräume zu verlassen", sagte ein Sprecher des Uno-Palästinenserhilfswerks UNRWA. Mit 267.970 Flüchtlingen in 90 Uno-Schutzräumen sei "zum ersten Mal ein leichter Rückgang der Zahlen" zu verzeichnen, hieß es.

Die einmonatige israelische Offensive hat im Gaza-Streifen schwere Verwüstungen hinterlassen. Tausende Menschen haben nach Uno-Angaben keine Bleibe mehr.

32 zerstörte Tunnel, 3000 zerstöre Raketen

Einen Monat dauert der Gaza-Krieg bereits. Es ist der bisher verlustreichste und am längsten andauernde Gaza-Krieg. Militärsprecher Lerner zog am Dienstag eine erste Bilanz:

  • Nach seinen Angaben haben die israelischen Truppen mindestens 32 Tunnel der Hamas im Grenzgebiet zu Israel zerstört. "Wir haben diese Bedrohung ausgeräumt", sagte er. Die radikalislamische Organisation habe nach seinen Informationen 100 Millionen Dollar in diese Tunnel investiert.

  • Insgesamt habe die Armee seit dem 8. Juli 4800 Ziele in dem Palästinensergebiet angegriffen, sagte Lerner.

  • 82.000 Reservisten seien für die Kämpfe eingezogen worden.

  • Die israelische Armee habe bei ihren Angriffen etwa 3000 Raketen der militanten Organisationen zerstört. Diese hätten während des Kriegs mehr als 3300 Raketen auf Israel abgefeuert. Damit verfügten sie etwa noch über 3000 Geschosse.

  • Bei Kämpfen und Luftangriffen seien rund 900 militante Palästinenser getötet worden.

Das palästinensische Gesundheitsministerium spricht von bisher 1838 getöteten Palästinensern, rund 9500 seien verletzt worden - rund zwei Drittel davon seien Zivilisten. Auf israelischer Seite starben 64 Soldaten und drei Zivilisten.

Weitere Gelder aus den USA für den "Iron Dome"

Das israelische Raketenabwehrsystem "Iron Dome" (Eiserne Kuppel) fing seit Beginn des Gaza-Kriegs Dutzende Raketen ab, die vom Gaza-Streifen aus auf Israel abgefeuert wurden. Die Abfangquote liegt laut israelischen Regierungsvertretern bei bis zu 90 Prozent.

US-Präsident Barack Obama segnete weitere US-Gelder für die Raketenabwehr ab. Er unterschrieb ein Gesetz, das zusätzliche 225 Millionen Dollar (knapp 168 Millionen Euro) vorsieht. Erst vergangene Woche hatte der Kongress das Geld freigegeben. Mit den Mitteln soll "Iron Dome" wieder mit ausreichend Abfangraketen ausgestattet werden.

Ausführliche Hintergründe zur folgenden Grafik finden Sie in unserem Datenlese-Blog.

heb/kes/AFP/Reuters/AP

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