Krieg in Libyen Gaddafi feiert seine Luftabwehr

Libyens Machthaber hofft auf den Sieg - obwohl die Alliierten weiter seine Truppen bombardieren. Das westliche Bündnis will das Kommando bald der Nato übertragen. Deutschland hält sich zurück und zieht Marineschiffe aus dem Mittelmeer ab. Lesen Sie die Ereignisse im Minutenprotokoll nach.

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Tripolis/Brüssel - Muammar al-Gaddafi zeigt sich trotz fortwährender Luftangriffe kampfbereit: "Wir werden nicht aufgeben", sagte Libyens Machthaber am Dienstagabend in einer im staatlichen Fernsehen übertragenen kurzen Ansprache. "Wir werden letztendlich siegen", gab er sich überzeugt. Libyen habe die beste Luftabwehr. Er fürchte den Sturm nicht und bleibe dort.

Nach Angaben des Senders habe es sich um eine Live-Ansprache gehandelt. Gaddafi habe in seiner Residenz Bab al-Asisija in der Nähe der Hauptstadt Tripolis gesprochen. Es wäre sein erster öffentlicher Auftritt innerhalb einer Woche. Die Aufnahmen zeigten Gaddafi auf einem Balkon stehend vor seinen Unterstützern. Den an der Militäraktion beteiligten Staaten, die er als Faschisten bezeichnete, warf Gaddafi vor, mit den Angriffen die Uno-Charta verletzt zu haben.

Zuvor hatte die Führung in Tripolis noch einen Waffenstillstand angekündigt. Der libysche Ministerpräsident Al Baghdadi Ali al-Mahmoudi informierte darüber den Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon.

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Libyen-Militärschläge: Bomben auf Tripolis und Bengasi
Die Kämpfe in dem nordafrikanischen Land gingen auch am Dienstag weiter. In Tripolis war nach Einbruch der Dunkelheit erneut schweres Feuer von Flugabwehrgeschützen zu hören gewesen. Es gab auch Explosionen. Woher diese stammten, war nicht klar.

US-Marinekommandant Samuel Locklear sagte, Gaddafi habe bislang nicht auf den vom Bündnis geforderten Abzug aller Truppen aus einigen Städten reagiert. Die Soldaten des Diktators hätten sich nicht aus den Städten Misurata, Al-Sawija und Al-Abschdabija zurückgezogen. "Sie greifen Zivilisten in Misurata an und verletzen die Resolution des Uno-Sicherheitsrates." Jetzt werde geprüft, wie Gaddafi zum Rückzug seiner Truppen bewegt werden könne.

Bündnis verliert Kampfflugzeug

US-Präsident Barack Obama sagte bei seiner Lateinamerika-Reise, solange Gaddafi an der Macht sei, bleibe dieser eine potentielle Gefahr für das libysche Volk. Die USA machen keinen Hehl daraus, dass sie ein Ende der Herrschaft Gaddafis begrüßen würden. Der laufende Einsatz habe dies aber nicht zum Ziel, erklärten führende Militärs.

Nach Angaben Obamas reduzierten die USA gleichzeitig die Zahl ihrer Flüge über Libyen. Es gebe "einen deutlichen Rückgang der Flüge amerikanischer Maschinen" über dem Land, sagte der US-Präsident. Die USA könnten "in Kürze" Auskunft darüber geben, ob die angestrebte Flugverbotszone über Libyen durchgesetzt sei.

Eine von den USA, Frankreich und Großbritannien geführte Militärallianz fliegt auf Grundlage einer Uno-Resolution seit Samstag Luftangriffe gegen Gaddafis Truppen. Erstmals seit Beginn ihres Militäreinsatzes verlor das internationale Bündnis dabei am Dienstag einen Kampfjet: Eine US-Maschine vom Typ F-15E Strike Eagle stürzte wegen eines technischen Defekts im Nordosten des Landes ab. Beide Piloten hätten sich mit dem Schleudersitz retten können und seien in Sicherheit. Auch kam es zu einem ersten direkten Luftkampf, in dessen Verlauf nach Angaben des Senders al-Dschasira ein libyscher Jet bei Bengasi abgeschossen wurde.

Obama äußerte sich unterdessen zuversichtlich, dass die USA die Führung der Militäraktion innerhalb der kommenden Tage an die Nato übertragen können. Er gehe davon aus, dass europäische und arabische Länder in Kürze das Kommando übernehmen werden, sagte er. Über die künftige Kommandostruktur schwelt ein Disput im Verteidigungsbündnis. Diplomaten zufolge sperrt sich insbesondere Paris dagegen, die Einsatzführung an die Nato zu übergeben. Allerdings deutet sich ein Kompromiss an. Die USA, Frankreich und Großbritannien haben sich nach Angaben des Weißen Hauses auf eine Führungsrolle des Militärbündnisses verständigt.

Deutschland zieht Soldaten aus dem Mittelmeer ab

Von Nato-Truppen werden jetzt Schiffe auf dem Weg in libysche Häfen kontrolliert, sofern sie verdächtig sind, Waffen oder Söldner in das nordafrikanische Land zu bringen. Als Reaktion auf das Eingreifen der Nato wurden zwei Fregatten und zwei Boote der deutschen Bundesmarine mit insgesamt 550 Soldaten wieder unter nationale Führung gestellt. Etwa 60 bis 70 deutsche Soldaten, die bisher an einer Aufklärungsmission mit Awacs-Flugzeugen im Mittelmeerraum teilgenommen haben, würden abgezogen. Deutschland beteiligt sich nicht an der Militäraktion und hatte sich bei der Abstimmung im Uno-Sicherheitsrat enthalten.

Zur Entlastung der Bündnispartner in Libyen will die Bundesregierung aber bis zu 300 Soldaten zusätzlich nach Afghanistan schicken. Sie sollen sich dort an Awacs-Aufklärungsflügen beteiligen. Der Bundestag wird sich am Mittwoch mit der Beteiligung deutscher Soldaten befassen.

Noch in dieser Woche will Deutschland außerdem ein Öl- und Gasembargo gegen Libyen in der EU durchsetzen. "Es kann nicht sein, dass einerseits militärische Aktionen geflogen werden, andererseits aber immer noch nicht ausgeschlossen ist, dass noch Öl- und Gasgeschäfte mit dem System Gaddafi stattfinden", sagte Außenminister Guido Westerwelle. "Es muss ausgeschlossen sein, dass der Diktator an frisches Geld kommt." Westerwelle verteidigte erneut die Entscheidung, die Bundeswehr aus Kampfhandlungen gegen Libyen herauszuhalten.

Lesen Sie im Minutenprotokoll die wichtigsten Ereignisse der vergangenen 24 Stunden nach.

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insgesamt 208 Beiträge
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AxelSchudak 22.03.2011
1. Das Glaubwürdigkeitsproblem...
"China hat eine Waffenruhe in Libyen gefordert. " China wäre hier deutlich glaubwürdiger, wenn sie zu Zeiten des rein innerlibyschen Konfliktes ähnliches von Gaddafi gefordert hätten. Offensichtlich sorgt sich China aber öffentlichkeitswirksam nur um Opfer westlicher Aktionen.
sebs42 22.03.2011
2. Technischer Ausfall
Jaja, technischer Ausfall. Vermutlich technischer Ausfall, ausgelöst durch Flak-Treffer? Wie immer im Krieg sind sämtliche offiziellen Meldungen mit Vorsicht zu genießen.
Mulharste, 22.03.2011
3. -
Zitat von sysopHeftige Luftangriffe auf Tripolis, ein US-Flugzeug stürzt über einem Feld ab - am vierten Tag des Militäreinsatzes in Libyen*gibt es schwere Gefechte. Nun verschärft sich der*Streit zwischen den Bündnispartnern der Nato. Verfolgen Sie die Ereignisse im Liveticker. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,752441,00.html
Crew gerettet? Also sind Bodentruppen im Land. Seals?
butter_milch 22.03.2011
4. ...
"China drängt auf Waffenruhe". Wenn ich lese, dass China sich um zivile Opfer sorgt, platzt mir der Kragen. Die Dreistigkeit muss man erstmal haben, als eine der schlimmsten Regierungen auf unserem Planeten ein solches Statement abzugeben. Erbärmlich.
berpoc 22.03.2011
5. ein neuer Tag, der...
... uns von der Sinnlosigkeit der übermäßigen Waffenherstellung überzeugen sollte.
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