Krieg in Libyen: Gaddafi-Truppen feuern Scud-Rakete ab

Für Libyens Diktator Gaddafi geht es um alles, die Rebellen rücken der Hauptstadt Tripolis immer näher. Jetzt hat der Machthaber erstmals Kurzstreckenraketen gegen das eigene Volk eingesetzt. US-Angaben zufolge feuerten seine Truppen eine Scud-Rakete ab - er soll noch Hunderte besitzen.

Aufständische in Libyen: Die Kämpfer haben die Ölstadt Brega eingenommen Zur Großansicht
AP

Aufständische in Libyen: Die Kämpfer haben die Ölstadt Brega eingenommen

Washington - Die Rebellen in Libyen gewinnen an Boden, jetzt greift Machthaber Muammar al-Gaddafi zu härteren Waffen. Regierungstruppen haben nach Angaben aus dem US-Verteidigungsministerium erstmals seit Beginn der internationalen Luftangriffe eine Scud-Rakete abgefeuert. Die Kurzstreckenrakete habe aber ihr Ziel verfehlt und sei in der Wüste gelandet, sagte am Montag in Washington ein Ministeriumsvertreter, der anonym bleiben wollte. Die Rakete sei von Sirt aus abgefeuert worden, der Hochburg Gaddafis. Sie habe offenbar die Stadt Brega zum Ziel gehabt, die am Montag teilweise von den Rebellen erobert worden war.

Scud-Raketen gelten als wenig zielgenau. Die abgefeuerte Rakete soll ihr Ziel sogar um rund 80 Kilometer verfehlt haben - und landete in der Wüste. Niemand sei verletzt worden, sagte der US-Vertreter. Es war das erste Mal seit Beginn der internationalen Luftangriffe auf Libyen im März, dass die libyschen Regierungstruppen eine Scud-Rakete einsetzten.

Scud-Raketen wurden bereits Ende der fünfziger Jahre entwickelt und in viele damalige Partnerländer der einstigen UdSSR exportiert. Die unpräzisen und unzuverlässigen Waffen waren bereits während des Golfkriegs 1990 von den Truppen des früheren irakischen Diktators Saddam Hussein auf Ziele in Saudi-Arabien und in Israel abgefeuert worden. Die meisten Raketen verfehlten damals ihre Ziele. Experten zufolge besitzt Libyen etwa 240 von der Sowjetunion produzierte Scud-Raketen mit einer Reichweite von etwa 300 Kilometern. Die meisten Vorratslager wurden bereits zu Beginn des Kriegs vor einem halben Jahr von der Nato bombardiert, die die Rebellen mit Luftangriffen unterstützt.

Die Aufständischen haben zuletzt mehrere wichtige Städte an der Küste eingenommen und damit nach eigenen Angaben Tripolis vollständig umschlossen. Gaddafi wird in der Hauptstadt vermutet.

Gaddafi-Millionen für die Rebellen

Auch finanziell wird es für den Machthaber mittlerweile eng. So geben die Niederlande rund hundert Millionen Euro aus eingefrorenen Geldern Gaddafis frei. Die Regierung entspreche damit einer Bitte der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die dringend Mittel zur medizinischen Versorgung der Bevölkerung brauche, erklärte Außenminister Uri Rosenthal am späten Montagabend.

"Unsere Sanktionen richten sich gegen das Regime. Die Bevölkerung darf kein Opfer davon sein", sagte er. "Und das ist genau, was jetzt geschieht: Eingefrorenes Geld von Gaddafi wird dazu benutzt, libysches Leben zu retten."

Allein die Niederlande haben insgesamt drei Milliarden Euro aus Libyen gesperrt. Ein Ministeriumssprecher schloss nicht aus, dass die Regierung daraus noch mehr Mittel freigibt. Der WHO zufolge fehlt es in den libyschen Kampfgebieten vor allem an Medikamenten zur Behandlung von Diabetes und Herzkrankheiten sowie Nachschub für chirurgische Eingriffe. Der Aufstand gegen Gaddafi hält seit einem halben Jahr an.

Geheimverhandlungen dementiert

Die Rebellen dementierten inzwischen erneute Berichte über Geheimverhandlungen mit Vertretern Gaddafis. "Es gibt keine Verhandlungen oder Gespräche zwischen dem Gaddafi-Regime und dem Nationalen Übergangsrat, weder in Tunesien noch anderswo", sagte der Vizepräsident des Übergangsrats, Abdul Hakim Ghoga, in der Rebellenhochburg Bengasi.

Zuvor hatte es aus tunesischen Sicherheitskreisen geheißen, Vertreter beider Seiten hätten sich auf der tunesischen Ferieninsel Djerba getroffen. Die Gespräche seien unter strengen Sicherheitsvorkehrungen in einem Hotel geführt worden.

Die Angaben über die Geheimgespräche hatten Hoffnungen auf eine Verhandlungslösung geweckt. In verschiedenen Medien und Online-Netzwerken hatte es geheißen, dass sich Gaddafi womöglich schon bald ins Exil begeben könnte.

ler/AFP/dapd/Reuters

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insgesamt 234 Beiträge
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1. Das sit also eine Meldung wert?
alcaselzar 16.08.2011
Zitat von sysopFür Libyens Diktator Gaddafi geht es um alles, die Rebellen rücken der Hauptstadt Tripolis immer näher. Jetzt hat der Machthaber erstmals Kurzstreckenraketen gegen das eigene Volk eingesetzt.*US-Angaben zufolge feuerten seine Truppen eine Scud-Rakete ab - er soll noch Hunderte besitzen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,780427,00.html
Gaddafi hat eine völlig ungenaue und veraltete Rakete abgefeuert.Wahnsinn!
2. US-Angaben zufolge
Salza 16.08.2011
"US-Angaben zufolge..." [x] aufgehört zu lesen
3. Die Aufregung von Spiegel Online ist unverständlich
aaaaaaaaaa 16.08.2011
Zitat von sysopFür Libyens Diktator Gaddafi geht es um alles, die Rebellen rücken der Hauptstadt Tripolis immer näher. Jetzt hat der Machthaber erstmals Kurzstreckenraketen gegen das eigene Volk eingesetzt.*US-Angaben zufolge feuerten seine Truppen eine Scud-Rakete ab - er soll noch Hunderte besitzen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,780427,00.html
Vor unseren Augen schlachtet der Syrische Diktator sein eigenes Volk, systematisch und grausam, wie in einem Völkermord. Dieses geschehen wird kaum berichtet, und wenn überhaupt, dann auf niedrigem Profil. Spiegel Online verlangt keine Intervention im Fall Syrien. Wo liegt bitte der Unterschied zwischen Syrien und Libyen? Er liegt daran, dass das ganze Volk im Libyen Gadaffi unterstützt, und NATO will Libyens Erdöl stehlen. In Syrien wird der Diktator nicht von seinem Volk unterstüzt, hat aber weniger Erdöl als Gadaffi. Also, mal Butter bei die Fische.
4. ...
Rodri 16.08.2011
Unfassbar wie zynisch dieser Artikel ist !!! SPON sollte sich schämen. Warum heult man hier wegen einer Rakete rum, während die Rebellen Zehntausende Bomben gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt haben?
5. Hab ich was verpasst?
lmike 16.08.2011
Dachte nur die NATO hat in Lybien die Exclusivrechte zum bomben. Von wegen der Sicherung der Flugverbotszone und so. Als nächstes wird dann einem vorgesetzt: Grausamer Gaddafi schickt Viagra per Scud an seine Söldner...
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Fläche: 1.775.500 km²

Bevölkerung: 6,355 Mio.

Hauptstadt: Tripolis

Staatsoberhaupt:
Akila Salih Issa

Regierungschef: Abdullah al-Thani (zurückgetreten 28. August 2014; amtierend); umstritten

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