Krieg in Libyen: Gaddafis Ölminister soll nach Tunesien geflohen sein

Muammar al-Gaddafi hat womöglich einen seiner wichtigsten Regimevertreter verloren. Ölminister Shukri Ghanem soll aus Libyen geflohen und sich schon seit Tagen in Tunesien aufhalten. Die Regierung in Tripolis dementiert die Berichte.

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Shukri Ghanem: Nach Djerba geflohen?

Tunis - Der libysche Ölminister Shukri Ghanem hält sich nach Angaben aus tunesischen Regierungskreisen seit Tagen in einem Hotel auf der Ferieninsel Djerba auf. Der langjährige Vertraute von Diktator Muammar al-Gaddafi habe Libyen am Samstag in einem Auto verlassen und seiner alten Regierung die Gefolgschaft aufgekündigt, hieß es am Dienstag aus Sicherheitskreisen am Grenzübergang Rad Dschdir.

Der Chef der staatlichen Ölgesellschaft NOC steht auf der schwarzen Liste des US-Finanzministeriums. Alle seine Guthaben in den Vereinigten Staaten wurden daraufhin eingefroren worden.

Ein ebenfalls übergelaufener früherer Vertreter Libyens bei der Arabischen Liga, Abdel Moneim al-Huni, bestätigte die Angaben aus Tunesien. Er habe mit Ghanem gesprochen, nachdem dieser die Grenze überquert habe, sagte Huni der Nachrichtenagentur AP. Die Flucht sei nicht offiziell bestätigt worden, um Ghanems noch in Tripolis verbliebene Angehörige zu schützen. "Die meisten Regierungsvertreter, die noch in Tripolis sind, werden zum Bleiben gezwungen. Sie sind nicht glücklich über das, was passiert," sagte Huni. Auch ein Sprecher der libyschen Opposition, Guma al-Gamati, bestätigte Ghanems Ausreise nach Tunesien.

Ghanem habe sich in den vergangenen 24 Stunden abgesetzt, berichtet auch der Finanz- und Ölminister der Aufständischen, Ali Tarhuni, der Nachrichtenagentur Reuters in Doha. Wo sich Ghanem aufhalte, wisse er aber nicht.

Ghanem, der auch die libysche Delegation bei den Treffen der Organisation Erdölexportierender Länder (Opec) leitete, war nicht zu erreichen. Das nächste Opec-Treffen in Wien ist für Juni angesetzt. Auf die Frage, wer dann Libyen vertreten werde, sagte Tarhouni: "Hoffentlich ich." Seit Beginn der Unruhen in Libyen ist die Ölförderung in dem nordafrikanischen Land schätzungsweise um zwei Drittel eingebrochen.

Die libysche Regierung hingegen dementierte die Informationen. Ghanem arbeite in seinem Büro, sagte Regierungssprecher Mussa Ibrahim der Nachrichtenagentur AP. Ghanem, der auch lange libyscher Ministerpräsident war, soll bislang noch keinen Kontakt zu tunesischen Behörden aufgenommen haben.

Ghanem wäre einer der ranghöchsten Mitglieder des Gaddafi-Regimes, die geflohen sind. Ende März hatte sich der libysche Außenminister und langjährige Geheimdienstchef Mussa Kussa über Tunesien nach London abgesetzt, wo er seinen Rücktritt verkündete. Die USA hoben anschließend die gegen ihn verhängten Sanktionen auf.

als/DAPD/AFP/Reuters

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insgesamt 12 Beiträge
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    Seite 1    
1. das
cour-age 17.05.2011
Zitat von sysopMuammar al-Gaddafi hat womöglich einen seiner wichtigsten Regimevertreter verloren. Ölminister Shukri Ghanem soll aus Libyen geflohen und sich schon seit Tagen in Tunesien aufhalten. Die Regierung in Tripolis dementiert die Berichte. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,763103,00.html
das Tyrannenboot scheint zu sinken...
2. Gaddafi kommt bald in Atemnot !
2010sdafrika 17.05.2011
Schukri Ghanim´s Flucht erweist sich für die Gaddafi-Führung als weiteren Verlust an Souveränität gegenüber dem libyschen Volk, zumal der UNO-Botschafter ebenfalls seinen Posten aufgegeben hatte, indem er im Sicherheitsrat für Sanktionen eintrat. Es ist nur eine Frage der Zeit, wenn der Norden Afrikas für das demokratische Zeitalter bereit sein wird: http://2010sdafrika.wordpress.com/2011/01/16/burgerkrieg-droht-in-tunesien-lybiens-blogger-mobilisieren-volk/.
3. hmm
darthkai 17.05.2011
Zitat von 2010sdafrikaEs ist nur eine Frage der Zeit, wenn der Norden Afrikas für das demokratische Zeitalter bereit sein wird: http://2010sdafrika.wordpress.com/2011/01/16/burgerkrieg-droht-in-tunesien-lybiens-blogger-mobilisieren-volk/.
Ich tippe auf in 300 Jahren, etwa zeitgleich mit dem Süden ^^ Die Handvoll "Rebellen", welche gerne den ihnen nicht folgenden Grossteil des Landes von der NATO weggebombt sehen, und die Scherben anschliessend an Exxon und BP verkaufen möchten, sind sicher keine Vorboten der Demokratie.
4. Wer schützt die Bevölkerung vor den Rebellen?
xxyxx 17.05.2011
Zitat von darthkaiIch tippe auf in 300 Jahren, etwa zeitgleich mit dem Süden ^^ Die Handvoll "Rebellen", welche gerne den ihnen nicht folgenden Grossteil des Landes von der NATO weggebombt sehen, und die Scherben anschliessend an Exxon und BP verkaufen möchten, sind sicher keine Vorboten der Demokratie.
Interessant in diesem Zusammenhng sicherlich auch dieser Reuters-Artikel http://in.reuters.com/article/2011/05/16/libya-westernmountains-tensions-idINLDE74D0CI20110516 Berichtet wird darüber, daß die Rebellen in den "western mountains" nicht nur die Regierungstruppen bekämpfen, sondern sie bekämpfen auch immer häufiger die Bewohner "regierungstreuer" Ortschaften in diesen Bergen. Und wer schützt hier nun die Zivilbevölkerung?
5. Es ist sowieso lächerlich....
freiheit05 17.05.2011
von der Einführung demokratischer Strukturen in Afrika zu sprechen. Das wird nicht kommen, nur andere Diktatoren, die dann genauso lange hofiert werden wie sie gebraucht werden. Dann weg damit, neue Bomben und Wiederaufbau und die 3. Welt kommt aus dem Elend nicht heraus.
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