Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Krieg in Libyen: Italien will sich doch an Nato-Angriffen beteiligen

Ein weiteres EU-Land verkündet seine Teilnahme an den Luftangriffen gegen das Regime von Muammar al-Gaddafi: Berlusconi sagte nach einem Telefonat mit US-Präsident Obama, Italien wolle Flugzeuge bereitstellen. Bislang hatte Rom vermieden, seine frühere Kolonie Libyen zu bombardieren.

Kampfjet auf dem Weg nach Libyen (Archivbild): Auch Italien will jetzt Luftangriffe fliegen Zur Großansicht
DPA

Kampfjet auf dem Weg nach Libyen (Archivbild): Auch Italien will jetzt Luftangriffe fliegen

Rom - Erst wurden Militärbasen zur Verfügung gestellt, dann sollten italienische Militärexperten die libyschen Regimegegner unterstützen, und jetzt steigt Italien ganz ein: Das Mittelmeerland will sich nach Absprache mit den USA an den Luftangriffen der Nato in Libyen beteiligen.

Rom wolle seine Flieger vor Ort nun auch bereitstellen "für gezielte Einsätze gegen Militärobjekte auf libyschem Territorium, um die Zivilbevölkerung zu schützen", teilte die italienische Regierung von Silvio Berlusconi am Montagabend mit. Berlusconi habe dies nach einem Telefongespräch mit US-Präsident Barack Obama zur Lage in Libyen beschlossen, hieß es.

Man habe sich vor allem angesichts der entsetzlichen Situation in der heftig umkämpften Stadt Misurata zu der Teilnahme entschlossen, sagte der italienische Verteidigungsminister Ignazio La Russa. Es werde sich jedoch "nicht um wahllose Bombardierungen handeln, sondern um gezielte Missionen mit Präzisionsbomben auf ausgewählte Objekte".

Bislang hatte Italien als frühere Kolonialmacht Libyens keine Luftangriffe auf das nordafrikanische Land unternehmen wollen, sich aber mit Flugzeugen und Schiffen anderweitig am Nato-Einsatz beteiligt. Die Entscheidung vom Montag folge dem Appell des Nato-Außenminister-Treffens am 14. April in Berlin, hieß es.

Unterdessen ist die libysche Hauptstadt Tripolis am Montagabend von fünf heftigen Explosionen erschüttert worden. Zunächst berichteten Zeugen von drei Detonationen im Osten der Stadt, ohne jedoch genaue Angaben über den Ort machen zu können. Ein Einwohner des Viertels Ain Sara berichtete von Rauch und Flammen in der Nachbarschaft. Später folgten nach Angaben eines weiteren Zeugen zwei weitere Explosionen in demselben Stadtteil.

"Gaddafi geht es gut, er ist gesund und guten Mutes"

Tripolis ist seit Freitag Ziel verstärkter Angriffe von Nato-Kampfflugzeugen. Bei einem Nato-Luftangriff wurde am Montag auch ein Militärkomplex von Machthaber Muammar al-Gaddafi beschossen. Bei dem Angriff wurde ein mehrstöckiges Gebäude mit Bibliothek und Büroräumen zerstört und ein Empfangsgebäude schwer beschädigt. Nach Angaben eines Regierungsvertreters gab es drei Tote und 45 Verletzte. ein Sicherheitsbeamter hatte zuvor nur von vier Leichtverletzten gesprochen. Eine Erklärung für die Diskrepanz gab es nicht.

Der Diktator wurde dabei offenbar nicht verletzt, obgleich sein Aufenthaltsort während des Angriffs unbekannt war. Regierungssprecher Mussa Ibrahim sagte danach, Gaddafi befände sich an einem sicheren Ort. "Es geht ihm gut. Er ist gesund. Er ist guten Mutes." Gaddafi "arbeitet jeden Tag, er führt den Kampf, um das Volk mit Lebensmitteln, Medikamenten und Kraftstoff zu versorgen", sagte Ibrahim. Den Luftangriff auf den Militärkomplex Bab al-Asisija, wo Gaddafi eine Residenz unterhält, werte die libysche Regierung als Anschlag auf sein Leben und als "Akt des Terrorismus".

Der Militärkomplex wurde zu Beginn der Nato-Luftangriffe vorigen Monat schon einmal getroffen und war bereits von den USA 1986 als Vergeltung für den Bombenanschlag auf die West-Berliner Diskothek "La Belle" bombardiert worden. Ein Nato-Sprecher in Brüssel erklärte, das Bündnis nehme verstärkt Kommandoeinrichtungen ins Visier, von denen aus Angriffe der Regierungstruppen auf Zivilisten koordiniert würden.

Gaddafis Sohn Saif al-Islam sagte, "Millionen Libyer" stünden hinter seinem Vater und der Nato-Einsatz sei zum Scheitern verurteilt. "In der Geschichte hat kein Land mit Spionen, Verrätern und Kollaborateuren einen Sieg errungen", sagte er der amtlichen Nachrichtenagentur JANA. "Nato - ihr seid Verlierer."

In der umkämpften Stadt Misurata dauern die Kämpfe unterdessen an. Heftige Gefechte kosteten am Wochenende mindestens 32 Menschen das Leben, Dutzende wurden verletzt. Gaddafi-treue Streitkräfte feuerten vom Stadtrand aus mehr als 70 Raketen ab. Die Aufständischen eroberten das größte Krankenhaus der Stadt zurück, das bislang den Regierungstruppen als Stützpunkt gedient hatte.

lgr/dpa/AFP/dapd

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Ach du liebe Zeit ....
unterländer 25.04.2011
Zitat von sysopEin weiteres EU-Land verkündet seine Teilnahme an den Luftangriffen gegen das Regime von Muammar al-Gaddafi: Berlusconi sagte nach einem Telefonat mit US-Präsident Obama, Italien wolle doch Flugzeuge bereitstellen. Bislang hatte Rom vermieden, seine frühere Kolonie Libyen zu bombardieren. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,758938,00.html
Jetzt werden sie wieder aufheulen, die Foristen, die schon immer für die Aufnahme weiterer Kriegshandlungen der Bundeswehr in Libyen waren; die Teilnahme am Afghanistankrieg jedoch verdammen. Schließlich ist D mit seiner Haltung zu Libyen nun noch "alleiner".
2. Text ist fertig, bitte online stellen!
enemenemopel 26.04.2011
Na, nicht dass die sich verzielen und aus Versehen das eine oder andere Schiff nach Lampedusa treffen...!
3. noch mehr Zivilistenschutz
tkgdfk 26.04.2011
Zitat von sysopEin weiteres EU-Land verkündet seine Teilnahme an den Luftangriffen gegen das Regime von Muammar al-Gaddafi: Berlusconi sagte nach einem Telefonat mit US-Präsident Obama, Italien wolle doch Flugzeuge bereitstellen. Bislang hatte Rom vermieden, seine frühere Kolonie Libyen zu bombardieren. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,758938,00.html
Jetzt fängt also noch der europäische Musterdemokrat und weltweit anerkannte Menschenrechtsaktivist Silvio Berlusconi damit an in Libyen aktiv Zivilisten zu schützen. Vieleicht können die Amis ja auch noch die AUC ,die kolumbianischen Todesschwadronen einfliegen (man hat ja beste Beziehungen), die könnte man sicher gut als Unterstützung der Rebellen gebrauchen und die wissen besonders gut wie man Zivilisten in großen Mengen schützt.
4. Einer geht noch
ofelas 26.04.2011
Jeder darf mal, und wenn wir Gaddafi haben "we have got him", dann wird er auf dem Marktplatz getrieben und oeffentlich geteert und gefedert.
5. Scharfmacher Obama
moliebste 26.04.2011
3 Kriege gleichzeitig zu führen, ist selbst für eine USA zuviel. Ein Komplettabzug aus dem IRAK, das jetzt quasi schon vom Iran mitregiert wird, ist nicht möglich. In Afghanistan sind 400 Taliban-Kämpfer und 100 mittlere Taliban-Kommandeure ausgebrochen (SPON-Lesart dieses Mal: "befreit")- die Frühjahrs-Kampfsaison steht vor der Tür.Und jetzt auch eine verfahrene Situation in Lybien. Da muss jetzt sogar ein Typ wie Berlusconi scharf gemacht werden, der eigentlich keine Lust hat, als Repräsentant der alten Kolonialmacht Italien sich in die Nesseln zu setzen. Und dieser Mann (Obama) hat den Friedensnobelpreis zu Hause. Verrückte Welt !
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Misurata: Eine Stadt unter Dauerfeuer

Fläche: 1.676.198 km²

Bevölkerung: 6,253 Mio.

Hauptstadt: Tripolis

Staatsoberhaupt und Regierungschef:
Fayez Sarraj (Präsident des Präsidialrates)

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Libyen-Reiseseite

Fotostrecke
Misurata: Umkämpft und zerstört


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: