Krieg in Libyen Nato bombardiert Gaddafis Kommandozentrum

Die Nato verstärkt ihren Kampfeinsatz gegen Muammar al-Gaddafi. Flugzeuge der Allianz haben mehrfach Gebäude bombardiert, in denen sich der Diktator zeitweise aufhalten soll. Auf der italienischen Insel Lampedusa sind erneut Hunderte Flüchtlinge aus Libyen angekommen.

Libyscher Rebell mit gepanzertem Auto: Aufständische bekommen Hilfe aus der Luft
AP

Libyscher Rebell mit gepanzertem Auto: Aufständische bekommen Hilfe aus der Luft


Tripolis/Brüssel - Die Nato hat ein Kommandozentrum des libyschen Staatschefs Muammar al-Gaddafi angegriffen. Das Militärbündnis erklärte am Samstag in Brüssel, Gaddafi halte sich manchmal in dem Gebäude auf. Er persönlich sei jedoch nicht das Ziel des Angriffs gewesen und es sei nicht zu erfahren, ob er zum Zeitpunkt der Attacke dort gewesen ist.

Ein Nato-Sprecher sagte, das Gelände Bab al-Asisija sei am frühen Samstagmorgen getroffen worden. Der Komplex war schon vor 25 Jahren bei Bombardements amerikanischer Kampfflugzeuge schwer beschädigt worden. Der Angriff damals war eine Reaktion auf einen Bombenanschlag auf die Berliner Discothek "La Belle", bei dem zwei US-Soldaten getötet worden waren.

Zuvor hatte die Nato erneut die libysche Hauptstadt Tripolis attackiert. Ziel der sonst selten am Tag durchgeführten Angriffe sei ein Lager von Gaddafis Truppen gewesen, berichteten Bewohner. Schon in der Nacht war Tripolis von einer Serie schwerer Explosionen erschüttert worden. Es war die fünfte Nacht mit Luftangriffen in Folge. Rauchsäulen standen über der Stadt, berichtete das Staatsfernsehen. Mindestens einen Einschlag gab es in der Nähe eines Gebäudekomplexes, der auch von Gaddafi genutzt wird.

Nach Angaben des Staatsfernsehens griff die Nato in der Nacht auch die Stadt Misda 200 Kilometer südlich von Tripolis an. Dabei sei "menschlicher und materieller Schaden" entstanden, hieß es. Einzelheiten über mögliche Opfer wurden jedoch nicht bekannt.

Oppositionelle, die in Tripolis von den Sicherheitskräften Gaddafis an Demonstrationen gehindert und massiv verfolgt werden, entwickelten indes eine neue, gewaltlose Widerstandstaktik. Sie stellen an belebten Plätzen heimlich Kassettenrecorder und Lautsprecher auf, berichtete die Oppositions-Website "Libyafeb17.com" am Samstag. Dann setzen sie die Anlagen aus sicherer Entfernung in Gang, um von Gaddafi verbotene Lieder wie etwa die alte libysche Unabhängigkeitshymne abzuspielen.

Erneut Hunderte Flüchtlinge auf Lampedusa angekommen

In der internationalen Politik wächst die Zahl der erklärten Gaddafi-Gegner. Am Freitag hatte Russland seinen Tonfall gegenüber dem libyschen Machthaber geändert. "Er muss weg", sagte Präsident Dmitrij Medwedew am Freitag am Rande des G-8-Gipfels in Frankreich und verwies auf die gemeinsame Erklärung der acht Staaten. Zuvor hatten die Regierungen der USA und Großbritaniens explizit erklärt, ihr Ziel sei die Entmachtung Gaddafis.

Auf der italienischen Insel Lampedusa sind erneut Hunderte Flüchtlinge aus Libyen angekommen. Wie die Behörden mitteilten, erreichte ein Boot mit 347 Menschen in der Nacht zum Samstag die Felseninsel im Mittelmeer rund 130 Kilometer vor der nordafrikanischen Küste. Ein weiteres Boot mit etwa 400 Flüchtlingen wurde nicht weit von Lampedusa gesichtet und sollte noch im Laufe des Tages auf der Insel eintreffen.

Nach rund einwöchiger relativer Ruhe waren in den vergangenen Tagen wieder rund 900 Flüchtlinge auf der Insel angekommen. Nach Behördenangaben handelte es sich fast ausschließlich um afrikanische Gastarbeiter aus Libyen.

Seit Beginn der nordafrikanischen Revolutionswelle im Januar sind über 30.000 Menschen auf der nur 20 Quadratkilometer großen Insel angekommen, die meisten von ihnen Tunesier. Anfang April hatten Rom und Tunis ein Abschiebeabkommen geschlossen. Seither kommen vor allem Flüchtlinge aus Libyen auf Lampedusa an.

mbe/dapd/dpa



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insgesamt 98 Beiträge
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Seite 1
medienspektakel 28.05.2011
1. Ich hasse Bomben,
habe doch irgendwo in den Tiefen des Internets gelesen, dass sich die "Rebellen" und die Truppen Gaddafis auf einen Waffenstillstand geeinigt haben. Warum bombt Nato noch weiter?
.Zerberus. 28.05.2011
2. ...
Tja jetzt geht es nur noch darum Gaddafi umzubringen, bevor er mit den Rebellen einen Waffenstillstand schließen kann.
slaba 28.05.2011
3. ganz einfach
Zitat von medienspektakelhabe doch irgendwo in den Tiefen des Internets gelesen, dass sich die "Rebellen" und die Truppen Gaddafis auf einen Waffenstillstand geeinigt haben. Warum bombt Nato noch weiter?
Waffenstillstand und danach gerechte Wahlen nach der AU und UN passt nicht den NATO-Klauns, denn egal welche Marionette die NATO in die Wahlen schickt wird sie nicht von Libyern gewählt. Es wird jemand aus Tripolis oder aus der aktuellen Regierung gewählt. Nach 2 monatigen bomben der Libyer wird NATO keine Freunde unter Bevölkerung haben. Deshalb muss mit Gewalt eine Marionette installiert werden, denn jemand muss doch für die Demokratiebomben schließlich bezahlen und das ist Libyen. Wenn jetzt sogar Gaddafi getötet wird, die sogenannten "Rebellen" haben gar kein Rückhalt in der Bevölkerung, es tobt ein Bürgerkrieg, täglich wird in Osten Libyens geschossen, Clans gegen "Rebellen".
xxyxx 28.05.2011
4. Der Alltag wird zur Schlagzeile
Zitat von sysopDie Nato verstärkt ihren*Kampfeinsatz gegen Muammar al-Gaddafi. Flugzeuge der Allianz haben mehrfach Gebäude bombardiert, in denen sich der Diktator zeitweise aufhalten soll. Auf der italienischen Insel Lampedusa sind erneut Hunderte Flüchtlinge aus Libyen angekommen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,765470,00.html
Deutlicher kann man es kaum machen, daß sich in Libyen eigentlich nichts im Sinne der Interventionsmächte mehr bewegt. Schon seit Wochen bombardiert die NATO buchstäblich JEDEN TAG "...Gebäude, in denen sich der Diktator zeitweise aufhalten soll...". Aus Ermangelung anderer Entwicklungen muß dieser jämmerliche Alltag nun zur neuen Schlagzeile mutieren.
derandersdenkende 28.05.2011
5. Ein bombenfreies Wochenende an alle Foristen !
Zitat von sysopDie Nato verstärkt ihren*Kampfeinsatz gegen Muammar al-Gaddafi. Flugzeuge der Allianz haben mehrfach Gebäude bombardiert, in denen sich der Diktator zeitweise aufhalten soll. Auf der italienischen Insel Lampedusa sind erneut Hunderte Flüchtlinge aus Libyen angekommen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,765470,00.html
Verbunden mit dem Wunsch, daß die zu erwartenden Reaktionen der gedemütigten Libyier die richtigen und eben nicht die unschuldigen, friedliebenden Bürger treffen mögen.
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