Krieg in Libyen Rebellen erobern Flughafen von Misurata

Seit Wochen kämpfen die Rebellen gegen die Truppen von Diktator Gaddafi um die Vorherrschaft in der Stadt Misurata. Jetzt gelang den Aufständischen ein großer Erfolg: Sie übernahmen die Kontrolle über den Flughafen.

Training von Rebellen in Bengasi: Aufständische auf dem Vormarsch
REUTERS

Training von Rebellen in Bengasi: Aufständische auf dem Vormarsch


Misurata - Triumph für die libyschen Rebellen. Nach schweren Kämpfen gegen die Soldaten von Staatschef Muammar al-Gaddafi haben die Aufständischen die komplette Kontrolle über den Flughafen der seit Wochen umkämpften Stadt Misurata im Westen des Landes übernommen.

Hunderte Aufständische feierten am Mittwoch die Eroberung, berichtete ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP. Sie zündeten zudem Panzer an, die von den Gaddafi-Truppen am Flughafen zurückgelassen worden waren.

Bereits in der Nacht zum Mittwoch hatten die Rebellen den Flughafen eingekesselt und dort die Kontrolle im nördlichen, östlichen und westlichen Sektor übernommen. Bei den Kämpfen schossen die Rebellen dutzende Raketen auf Gaddafis Truppen ab. Durch Granatbeschuss der Regierungssoldaten wurden mindestens 13 Aufständische verletzt. Zu möglichen Opfern auf der Seite der Gaddafi-Truppen wurde zunächst nichts bekannt.

Die Nato bombardierte in der Nacht zu Mittwoch erneut militärische Ziele in der Hauptstadt Tripolis. Bewohner hörten laute Explosionen, mindestens vier Objekte seien getroffen worden, berichteten Augenzeugen. Darunter seien ein Gebäude des Militärgeheimdienstes und ein Haus, das von Abgeordneten des Scheinparlaments genutzt wird, berichteten libysche Exilmedien. Am Nachmittag schlugen im Osten von Tripolis nach Angaben eines Augenzeugen am Mittwochnachmittag mehrere Raketen ein. Die Einschläge, die nach dem Überflug mehrerer Flugzeuge erfolgten, ereigneten sich in der Region von Tadschura. Die genauen Ziele des Angriffs seien nicht erkennbar gewesen.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon rief unterdessen zu einem "sofortigen und überprüfbaren Waffenstillstand" auf. Er forderte in Genf für Hilfsorganisationen einen ungehinderten Zugang zu den Kampfgebieten.

Ban berichtete von einem Telefonat mit dem libyschen Ministerpräsidenten Bagdadi Ali al-Mahmudi. Der habe zugesagt, einen Uno-Sondergesandten in Tripolis zu empfangen, der "Verhandlungen für eine friedliche Lösung des Konflikts und ungehinderten Zugang für Mitarbeiter humanitärer Organisationen" führen solle. Die Aufstände in Nordafrika und der arabischen Welt seien eine seltene, aber auch fragile Chance, Demokratie und Menschenrechte zu fördern, sagte Ban weiter.

Die EU will ein Büro in der Rebellenhochburg Bengasi einrichten, um Zivilbevölkerung und Übergangsrat besser unterstützen zu können. Das kündigte Außenpolitikchefin Catherine Ashton im Parlament in Straßburg an. Der Übergangsrat benötige Hilfe beim Bildungswesen, beim Gesundheitssystem und bei der Sicherung der Grenzen.

als/AFP/dpa



insgesamt 69 Beiträge
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Seite 1
intenso1 11.05.2011
1. Wieso Erfolg?
Zitat von sysopSeit Wochen kämpfen die Rebellen gegen die Truppen von Diktator Gaddafi um die Vorherrschaft in der Stadt Misurata. Jetzt gelang den Aufständischen ein großer Erfolg: Sie übernahmen die Kontrolle über den Flughafen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,761942,00.html
Es besteht doch über Libyen ein Flugverbot, daher ist der Flughafen zur Zeit nicht sehr wichtig. Es sei denn, das Flugverbot besteht nur für die Regierungsseite.
e_d_f 11.05.2011
2. geht doch!
Na bitte, die Revolution macht Fortschritte. Früher oder später wird Gaddafis Regime unter dem NATO-Bombardement und den Angriffen der Rebellen (auf Aldschsira übrigens als "pro democracy forces" bezeichnet) zusammenbrechen. Weiter so!
nesmo 11.05.2011
3. Vielleicht doch ein geniales Konzept
mit der Unterstützung der am Ende siegreichen Aufständigen eine freundschaftliche Verbundenheit der Bevölkerung mit dem Westen zu begründen und dadurch neue arabische Staaten mit Ausrichtung auf den Westen und nicht auf fundamentalistischen Islamismus des Osten entstehen zu lassen. Hat da gar Sarkozi über den auf bloßen Wahlerfolg begrenzten Tellerrand gekuckt, wärend Herr Westerwelle nicht mal vom Grund der Suppe den Tellerrand sah?
carahyba, 11.05.2011
4. genialer Schachzug
Zitat von sysopSeit Wochen kämpfen die Rebellen gegen die Truppen von Diktator Gaddafi um die Vorherrschaft in der Stadt Misurata. Jetzt gelang den Aufständischen ein großer Erfolg: Sie übernahmen die Kontrolle über den Flughafen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,761942,00.html
Hoffentlich haben sie die Fluechtlinge als Schutzschilde mitgenommen. Die Kontrolle von Ruinen ist natuerlich ein grosser Sieg, auch wenn mit erheblichen Verlusten erkauft. Die Strategie ist exzellent, zerstreuen und einzeln schlagen... Vorwaerts wir muessen zurueck... der Endsieg ist nahe.
Phil_O_Soph 11.05.2011
5. ----
Es ist einfach unerklärlich,dass die Rebellen aka Freiheitskämpfer die Stadt einnehmen und nach 2 Tagen wieder abziehen,wir bekommen gute Nachrichten von der Front(Rebellen haben mal wieder eine Stadt eingenommen und eine Rechtfertigung dafür,dass NATO immernoch Bomben abwirft))und dann geht das ganze von vorne los.Sind die Gaddafi Truppen so stark und furchtlos? Wer sind diese Kämpfer und was haben sie vor,abgesehen dafon dass NATO sie für eigene Ziele eisetzt? Was wird denn passieren,wenn diese "Freiheitskämpfer" Tripolis einnehmen...wohl gemerkt,dass Lybien grossenteils von Familienclans kontrolliert wird und Blutrache an der Tagesordnung ist. Da werden Menschen abgeschlachtet,so wie in Egypten die koptischen Christen,da werden schuldige gesucht und gefunden. Vor allem wenn die "Freiheitskäpfer" merken,dass mit einer Kalaschnikow in der Hand, es mehr Geld zu verdienen gibt,als das mühseliges Aufbauen des Landes und auf die Früchte der Revolution warten. Wenn Menschen spüren,dass es ihnen noch schlechter geht,als unter Gaddafi. Wenn die sogenannte Freiheitskämpfer durch das Land ziehen werden und Feinde der Revolution in die Gefängnisse werfen,wird das Lybische Volk uns dafür danken? Wohl kaum. Denn die Menschen in Nord Afrika wissen es auch,dass noch bis vor kurzem sowohl Mubarak,Asaad,Ben Ali und Co. bei uns sehr willkommen waren und wir uns sehr dankbar dafür zeigten,dass Gaddafi Flüchtlingsströme kontrolliert hat und Öl gab es auch für die "Freunde aus Europa".Nur die einfachen Menschen hatten nichts dafon und werden weiterhin nichts haben bzw noch mehr eigenes verlieren. Und das soll keinen Terrorismus und Extremismus fördern und keinen Hass auf Westen? In einem fremden Land einen Bürgerkrieg angezettelt,um danach mit grossen Tam Tam den Menschen in Lybien die sogenannte "Freiheit" mit Gewalt zu schenken. Nach dem Motto "Ihr wisst nicht,was ihr verpasst". Jetzt haben wir die nächsten 10 Jahre in Nord Afrika einen Kriesenherd. Selbstgemacht natürlich.... Und das war auch die Politik der vergangengen jahren...wir suchen uns unsere Feinde selbst oder erschaffen sie.
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