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Krieg in Libyen: Rebellen rücken in Hauptstadt Tripolis ein

Die Aufständischen in Libyen rufen die Stunde Null aus: Sie sind in erste Stadtteile der Hauptstadt Tripolis vorgerückt, liefern sich heftige Gefechte mit Regierungstruppen. Diktator Gaddafi wendet sich mit wirren Durchhalteparolen an seine Leute  - dabei wird schon über seine Flucht spekuliert.

Libysche Rebellen (nahe Sawija, rund 50 Kilometer vor Tripolis): "Stunde Null hat begonnen" Zur Großansicht
AP

Libysche Rebellen (nahe Sawija, rund 50 Kilometer vor Tripolis): "Stunde Null hat begonnen"

Tripolis - Es könnte der entscheidende Kampf um die Zukunft Libyens sein: Truppen der Aufständischen und Soldaten von Diktator Muammar al-Gaddafi liefern sich in der Hauptstadt Tripolis heftige Gefechte. Nach Angaben der Rebellen gehen diese bei ihrem Angriff in Abstimmung mit der Nato vor. Das Militärbündnis flog in der Nacht auf Sonntag Luftangriffe auf Tripolis. Reporter berichteten von schweren Explosionen. Welche Ziele die Nato genau bombardierte, war zunächst aber unklar.

Zeugen berichteten, in mindestens drei Stadtteilen gebe es Kämpfe zwischen Aufständischen und Gaddafi-Anhängern. Seit Samstagabend waren in Tripolis Explosionen sowie Gefechtslärm von leichten und schweren Waffen zu hören. Der arabische Fernsehsender al-Arabija berichtete, die Aufständischen hätten Dutzende von Soldaten Gaddafis gefangen genommen.

Für die Rebellen ist es aber auch ein verlustreicher Kampf. Einer der Anführer sagte, es habe auf Seiten der Aufständischen mindestens 123 Tote gegeben. Wie ein Rebellensender berichtete, haben die Kämpfer auch die Kontrolle über ein Waffendepot und den Internationalen Flughafen von Tripolis übernommen.

Die Rebellen gaben sich siegesgewiss: "Die Stunde Null hat begonnen", sagte der Vizepräsident des Nationalen Übergangsrats, Abdul Hakim Ghoga. Die Rebellen haben nach eigener Darstellung bereits Teile der Hauptstadt unter ihre Kontrolle gebracht. Sie belagerten am Sonntag auch den Sitz von Gaddafi, hieß es. Es machen bereits Gerüchte über Fluchtvorbereitungen Gaddafis die Runde.

Die Nachrichtenagentur dpa berichtete unter Berufung auf gut informierte Kreise in Tripolis, der Diktator habe die Hauptstadt in Richtung algerische Grenze verlassen. Der Staatschef und seine Familie hielten sich in einer Region unweit der Grenze auf, hieß es. Ihr Plan sei es möglicherweise, nach Algerien zu flüchten. Eine Bestätigung für diese Nachricht vonseiten der Rebellen gab es zunächst nicht.

Gaddafi ruft seine Anhänger zum Kampf auf

Offiziell gibt sich der Diktator nicht geschlagen. Im Gegenteil: Gaddafi rief seine Anhänger in einer über das Staatsfernsehen verbreiteten Audiobotschaft auf, dem "Mummenschanz" ein Ende zu bereiten. "Ihr müsst zu Millionen marschieren, um die zerstörten Städte zu befreien", sagte er. Die Rebellen nannte Gaddafi "Verräter und Ratten", die libysches Öl für Frankreich sichern wollten. "Sie sind schmutzig und entweihen die Moscheen", sagte er. Der "Abschaum" werde von einer Stadt zur nächsten verfolgt.

Der Diktator äußerte sich offenbar über eine schlechte Telefonverbindung und nannte zweimal Datum und Uhrzeit, um zu beweisen, dass es sich um eine Live-Sendung handle.

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Libyen: Rebellen auf dem Vormarsch
Gaddafis Regierungssprecher Mussa Ibrahim versuchte, die Kämpfe in Tripolis herunterzuspielen. Er sprach im staatlichen Fernsehen von "kleinen Auseinandersetzungen" in mehreren Stadtvierteln. Die Kämpfe hätten nur etwa eine halbe Stunde gedauert. "Mittlerweile ist die Situation wieder unter Kontrolle", sagte er.

Auch Gaddafis Sohn Saif al-Islam meldete sich im Staatsfernsehen zu Wort und erklärte, die Führung habe "einen langen Atem". "Wir werden uns nicht unterwerfen, wir werden den Kampf nicht beenden", sagte er.

"Das Ende ist sehr nah"

In der Rebellenhochburg Bengasi und anderen von den Aufständischen gehaltenen Städten aber feierten Tausende Menschen bereits die in den vergangenen Tagen erzielten Erfolge der Rebellen. Der Präsident des Nationalen Übergangsrats, Mustafa Abdel Dschalil, sagte in Bengasi, dass ein Sieg über Gaddafi sechs Monate nach dem Beginn des Aufstands kurz bevorstehe. "Wir haben Kontakt zu Menschen im inneren Führungszirkel Gaddafis", sagte er. Alles deute darauf hin, dass "das Ende sehr nah" sei.

Die libyschen Aufständischen hatten in den vergangenen Tagen wichtige Erfolge gemeldet. Mit der Eroberung der Städte Sliten, Sawija und Brega brachten sie nach eigenen Angaben wichtige Teile der libyschen Öl-Infrastruktur unter ihre Kontrolle.

Auch wirtschaftlich zeigen die internationalen Sanktionen gegen Libyen und das Vordringen der Rebellen auf die Hauptstadt Wirkung. Den Banken in Tripolis geht das Geld aus. Staatsangestellte bekommen derzeit keine Gehälter mehr ausgezahlt. Treibstoff und andere Güter sind schon länger knapp.

Beim libyschen Regime machen sich Auflösungstendenzen bemerkbar. Der frühere Ministerpräsident und Gaddafi-Vertraute Abd el-Salam Dschallud hat sich nach Angaben der tunesischen Nachrichtenagentur TAP nach Italien abgesetzt. Die ehemalige Nummer zwei des Regimes ist nach Angaben der Rebellen zur Opposition übergelaufen.

mmq/AFP/dpa/Reuters/dapd

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insgesamt 318 Beiträge
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1. Propaganda.
S.I.C 21.08.2011
"mit wirren Durchhalteparolen". Stimmt doch gar nicht. Warum diese manipulative "Berichterstattung"? Gaddafi hat seine Anhänger dazu aufgerufen, Libyen gegen die Terroristen zu verteidigen. Was ist daran "wirr"?
2. Götterdämmerung
Saint_Jimmy, 21.08.2011
Zitat von sysopDie Aufständischen in Libyen rufen die Stunde Null aus:*Sie sind in erste Stadtteile der Hauptstadt Tripolis vorgerückt, liefern sich heftige Gefechte mit Regierungstruppen. Diktator Gaddafi wendet sich mit wirren*Durchhalteparolen an seine Leute *- dabei wird schon über seine Flucht spekuliert. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,781450,00.html
Die Götterdämmerung für den grausamen Despoten hat begonnen, gut so. Jetzt kann er zusammen mit seinem Sohn Saif seine heroisch vor der internationalen Presse verkündeten Pläne A, B und C umsetzen: "To live and die in Libyia." Wobei: Ich würde ihn lieber in Den Haag oder vor sonst einem Gericht sehen.
3. Die Zeit danach....
dirk.kunkel.ronnenberg 21.08.2011
Das Öl lockt. Dann wünsche ich der Koalition gegen Gaddafi viel Spaß. Mit Bombenwefen ist es nicht getan. Sollten die Rebellen jetzt tatsächlich obsiegen, wird sich zeigen, ob ein Plan für die Zeit nach den Kämpfen existiert. Wer sichert die öffentliche Ordnung, wer baut staatliche Strukturen auf, wer organisiert Wahlen? Diese Banditen in Turnschuhen? Never ever. Der Ärger geht es richtig los, wenn Gaddafi weg ist. Was passiert, wenn garstige Ex-Herrscher weggemobbt werden, sieht man jetzt ja in Ägypten. Vorher ein stabiles Land - jetzt ein Chaos. Vielen Dank, ihr "Facebook-Revoluzzer"....
4. Heißer und kalter Mokka
Bruder Theodor 21.08.2011
Zitat von sysopDie Aufständischen in Libyen rufen die Stunde Null aus:*Sie sind in erste Stadtteile der Hauptstadt Tripolis vorgerückt, liefern sich heftige Gefechte mit Regierungstruppen. Diktator Gaddafi wendet sich mit wirren*Durchhalteparolen an seine Leute *- dabei wird schon über seine Flucht spekuliert. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,781450,00.html
Die NATO ist nach ihrem Eingreifen in Lybien vor einigen Monaten medial sehr in den Hintergrund getreten, und Lybien schien wie vergessen. Die NATO hat, wie man sieht, ihre Wege gefunden, sich strategisch mit den Rebellen zu verständigen; und sie hat einmal wieder lernen müssen, dass sie als Militärbündnis nicht eine all zu tiefe und breite öffentliche Diskussionsplattform darbieten darf, da es sonst nur Kritik hagelt. NATO gegen Armee, Rebellen gegen Gaddafi - so in etwa lautete die Formel. Deutschland hat, da gehe ich jede Wette ein, aktiv mitgemacht beim Sturz Gaddafis. Lybien ist Folge von der Entmachtung Saddam Husseins und den bürgerkriegsähnlichen Zuständen im Irak nach der US-Invasion. Das Gefüge in Nordafrika und Nahost ist durcheinander geraten. Wenn Lybien gefallen ist als nächstes Land, fällt Syrien. Es werden Kapazitäten bei der NATO frei, und wo sie sich einmal eingeschossen hat, warum nicht auch in Syrien ein bißchen Lufthoheit ausspielen und Flugrunden drehen mit Finger am roten Raketenknopf. Nur bei Saudi-Arabien wird der der Westen nicht eingreifen oder eingreifen können, denn Saudi-Arabien ist hierbei schon fast westlicher Militärverbündeter. Saudi-Arabien ist solange Garant für die alte Ordnung, so lange es, Saudi-Arabien, und sie, die alte (öl- und Anti-Iran-)Ordnung, noch gebraucht werden.
5. Der Artikel...
slaba 21.08.2011
Zitat von sysopDie Aufständischen in Libyen rufen die Stunde Null aus:*Sie sind in erste Stadtteile der Hauptstadt Tripolis vorgerückt, liefern sich heftige Gefechte mit Regierungstruppen. Diktator Gaddafi wendet sich mit wirren*Durchhalteparolen an seine Leute *- dabei wird schon über seine Flucht spekuliert. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,781450,00.html
ist reine Desinformation. Die Städte Zawia, Brega usw. stehen unter Kontrolle von Regierung. NATO-Verbrechen dürfen nicht mehr gedultet werden, nur weil Tripoli komplett auf Seite von Regierung ist wird eine Blockade errichtet. Und die Medien schämen sich nicht einmal davon zu berichten, sie überbringen uns die Blockade einer Stadt als eine Erfolgsmeldung! So so, ein Flugverbotszone also, kann nicht mehr diese Propaganda lesen.
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Fläche: 1.676.198 km²

Bevölkerung: 6,253 Mio.

Hauptstadt: Tripolis

Staatsoberhaupt und Regierungschef:
Fayez Sarraj (Präsident des Präsidialrates)

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