Einzug in Timbuktu: Paris feiert schnellen Vormarsch in Mali

Islamisten in Mali: Französisch-malische Koalition im Wüstenkrieg Fotos
DPA

Die französischen Truppen in Mali nehmen die Hochburgen der Islamisten nach eigenen Angaben im Sturm ein. Die Regierung in Paris meldet militärische Siege in Timbuktu und Gao, man treibe die Qaida-treuen Rebellen mit Luftschlägen vor sich her. Doch es werden auch Zweifel an den Erfolgsmeldungen laut.

Bamako/Hamburg - Frankreich führt Krieg im Norden des Wüstenstaats Mali, und wenn man den Angaben aus Paris glaubt, läuft dabei fast alles glatt: Ohne nennenswerten Widerstand und mit nur einem Opfer auf französischer Seite rückten die Truppen in den vergangenen Tagen vor, heißt es in den offiziellen Meldungen aus dem französischen Verteidigungsministerium.

Weitgehend unbehelligt soll die französische Armee am Sonntag die wichtige nordmalische Stadt Timbuktu von islamistischen Aufständischen befreit haben. Das wäre der zweite Erfolg an diesem Wochenende, nachdem am Samstag bereits die wichtige Stadt Gao im Norden als befreit gemeldet worden war.

Allerdings zitiert die Nachrichtenagentur AP zwei anonyme Quellen, eine aus Gao und eine aus dem französischen Verteidigungsministerium, die Zweifel an den Erfolgsmeldungen aufkommen lassen: Demnach hält die Koalition aus französischen und regierungstreuen malischen Verbänden zwar eine Brücke und den Flughafen von Gao, die Stadt sei aber bislang nicht befreit.

Wie lange halten die Geländegewinne?

Dennoch beglückwünschte Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian am Sonntag seine Soldaten zur Eroberung der Wüstenstadt Timbuktu. In den Berichten aus Paris ist seit Beginn der Operation vor rund zwei Wochen von wahrscheinlich einigen Hundert getöteten "Terroristen" die Rede. Unabhängige Informationen aus dem Krisengebiet im Wüstenstaat Mali sind derzeit schwer zu bekommen. Die französischen Truppen sind auf Bitten der malischen Regierung im Land. Ein Uno-Mandat gibt es für den Kampfeinsatz gegen Kämpfer des Terrornetzwerks al-Qaida im islamischen Maghreb (Aqmi) allerdings nicht.

Beobachter gehen davon aus, dass sich die Franzosen trotz ihrer schnellen Geländegewinne nicht sicher sein können, dass der Kampf mit den von al-Qaida unterstützten Islamisten im Norden Malis schon gewonnen ist. Dazu passt, dass die islamistischen Rebellen bereits angekündigt haben, sich außerhalb der Städte zu sammeln und dann mit Macht zurückzuschlagen. Verlegen sie sich auf eine Guerillataktik, könnte den französischen Truppen eine lange, nervenaufreibende Präsenz in Mail bevorstehen.

Wie SPIEGEL-ONLINE-Reporter Matthias Gebauer von einem Einwohner Timbuktus erfuhr, hatten die Islamisten die Stadt bereits vor Tagen bei den ersten französischen Luftangriffen verlassen. Die Taktik, Luftangriffe auszuführen, hinter denen dann die Bodentruppen schnell vorrücken, hatte die französische Armee auch in andern Teilen Malis angewandt. Verlässliche Zahlen über Opfer auf beiden Seiten gibt es bislang nicht. Auf französischer Seite soll ein Hubschrauberpilot bei Gefechten gestorben sein. Über getötete Zivilisten wurde bislang nichts bekannt.

Malische Sicherheitskräfte teilten außerdem mit, die französische Luftwaffe habe am Sonntag mehrere Stellungen radikalislamischer Kämpfer in der Region Kidal im Nordosten bombardiert. Dort soll auch das Haus des Chefs von Ansar al-Din, Iyad Ag Ghaly, in der Grenzregion zu Algerien zerstört worden sein. Kadin gilt als Hochburg der Gruppe, die mit dem Terrornetzwerk Aqmi verbündet ist.

USA wollen Franzosen mit Luftbetankung helfen

Die Gruppe fordert Autonomie für den Norden Malis und die Einführung des islamischen Rechts der Scharia. Die Islamisten kontrollieren den Norden Malis seit neun Monaten. Als sie vor rund zwei Wochen in Richtung Süden vorrückten, griff Frankreich militärisch ein. Auch die westafrikanischen Staaten entsandten Soldaten.

Deutschland will nach Informationen des SPIEGEL die Truppen der westafrikanischen Staatengemeinschaft mit Ausrüstung unterstützen. Das sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dem französischen Präsidenten François Hollande in der vergangenen Woche zu. Dabei gehe es um Lastwagen, Uniformen und Stiefel für die Soldaten. An Waffenlieferungen sei nicht gedacht. Die USA erklärten sich am Samstagabend bereit, die Franzosen bei der Luftbetankung von Flugzeugen zu unterstützen. Aus Berlin hieß es dazu, eine entsprechende Anfrage Frankreichs an Deutschland werde noch geprüft. Bislang unterstützt die Bundeswehr den Kampf in Mali mit zwei Transall-Transportflugzeugen.

Die Europäische Union beginnt Mitte Februar außerdem mit der Entsendung von Militärausbildern nach Mali, wie ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton in Brüssel sagte. Sie sollen Malis Armee im Kampf gegen die Islamisten unterstützen und in die Hauptstadt Bamako entsandt werden. Bis 2012 hatten bereits die USA malische Soldaten ausgebildet - viele liefen jedoch anschließend zu den Separatisten im Norden über.

Die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas hat beschlossen, ihr Truppenkontingent für den Mali-Einsatz von ursprünglich 3300 Mann auf 7700 Soldaten aufzustocken, auch wenn bislang erst knapp 1750 Soldaten der westafrikanischen Nachbarn in Mali eingetroffen sind.

cht/mgb/dpa/AFP/AP

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1. Kann
keppler 27.01.2013
Zitat von sysopDie französischen Truppen in Mali nehmen die Hochburgen der Islamisten nach eigenen Angaben im Sturm ein. Die Regierung in Paris meldet militärische Siege in Timbuktu und Gao, man treibe die Qaida-treuen Rebellen mit Luftschlägen vor sich her. Doch es werden auch Zweifel an den Erfolgsmeldungen laut. Krieg in Mali: Paris feiert schnellen Vormarsch auf Timbuktu - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/krieg-in-mali-paris-feiert-schnellen-vormarsch-auf-timbuktu-a-879949.html)
schon sein, dass die Franzosen die Gebiete säubern. Allerdings befürchte ich, dass die Islamisten mehrheitlich eben ausweichen u. sich verdünnisieren. Das Problem ist aber dasselbe wie in AFG. Die kommen wieder.
2. frage mich nur,
G-Kid 27.01.2013
Zitat von sysopDie französischen Truppen in Mali nehmen die Hochburgen der Islamisten nach eigenen Angaben im Sturm ein. Die Regierung in Paris meldet militärische Siege in Timbuktu und Gao, man treibe die Qaida-treuen Rebellen mit Luftschlägen vor sich her. Doch es werden auch Zweifel an den Erfolgsmeldungen laut. Krieg in Mali: Paris feiert schnellen Vormarsch auf Timbuktu - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/krieg-in-mali-paris-feiert-schnellen-vormarsch-auf-timbuktu-a-879949.html)
warum die NATO nicht die syrische Regierung beim Kampf gegen die Islamisten unterstützt? Kann mir das jemand erklären?
3. Nix Neues
seine-et-marnais 27.01.2013
Zitat von sysopDie französischen Truppen in Mali nehmen die Hochburgen der Islamisten nach eigenen Angaben im Sturm ein. Die Regierung in Paris meldet militärische Siege in Timbuktu und Gao, man treibe die Qaida-treuen Rebellen mit Luftschlägen vor sich her. Doch es werden auch Zweifel an den Erfolgsmeldungen laut. Krieg in Mali: Paris feiert schnellen Vormarsch auf Timbuktu - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/krieg-in-mali-paris-feiert-schnellen-vormarsch-auf-timbuktu-a-879949.html)
Gestern abend in den TV-Nachrichten in Frankeich, der Flughafen von Gao ist besetzt sowie eine Brücke, aber nicht die Stadt Gao. Der Bürgermeister von Gao der vertrieben war kam mit den Truppen zurück. Was die Zeit angeht, Hollande sagt sehr deutlich dass die Aktion die Zeit dauert die man braucht. Die man braucht um einmal die Banditen zu vertreiben, die man braucht um halbwegs den Staat Mali wieder auf die Beine zu bringen. Wichtig ist auch, der Verteidigungsminister Le Drian ist heute in Saudi-Arabien um über Mali zu sprechen (auch über Syrien, Jemen und Iran).
4. nicht schlecht
jochen1978 27.01.2013
aber irgendwie erinnert mich das stark an den schnellen Sieg der Nordallianz in Afghanistan 2001. Ich frage mich was es eigentlich bei uns immer noch zu "prüfen" gibt. Sowas müsste man doch innerhalb von ein paar Stunden geklärt haben!?
5. optional
astaubach 27.01.2013
Die Franzosen kämpfen und die Deutschen unterstützen sie durch die Lieferung von Stiefeln. Immerhin. Wir können ja zusätzlich für sie beten. Den schnellen Vormarsch bezeichnet man in der Fachsprache doch als "Blitzkrieg", oder ?
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Angebliche Menschenrechtsverstöße: Die Ehre des malischen Militärs

Bevölkerung: 15,370 Mio. Einwohner

Fläche: 1.240.194 km²

Hauptstadt: Bamako

Staatsoberhaupt:
Ibrahim Boubacar Keita

Regierungschef: Moussa Mara

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