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Krieg in Nordafghanistan: US-Spezialeinheiten töten Taliban-Anführer in Kunduz

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Der Getötete galt bei der Bundeswehr als Feind, war zur Fahndung ausgeschrieben: Unweit des deutschen Camps haben US-Einheiten bei Kunduz gezielt einen Kommandeur der Taliban getötet. Insgesamt schalteten die USA in Nordafghanistan schon 18 Anführer der Radikalen aus.

Berlin - Die US-Streitkräfte in Afghanistan setzen ihre tödliche Jagd auf die Führungsspitze der Taliban und anderer Aufständischer im Einsatzgebiet der Bundeswehr unnachgiebig fort. Laut einer neuen Mitteilung des Hauptquartiers der internationalen Truppen in Afghanistan wurde bereits am Montag nahe des deutschen Feldlagers in Kunduz ein weiterer Taliban-Kommandeur gezielt getötet. Demnach kamen der Kommandeur Shirin Agha und einer seiner Getreuen bei einem gezielten Luftschlag ums Leben. Zivilisten sollen nicht zu Schaden gekommen sein.

Der Luftschlag beweist erneut die Entschlossenheit der US-Einheiten, seit der Truppenaufstockung im Sommer dieses Jahres mit gezielten Zugriffen und Luftschlägen die Hierarchie der Taliban zu schwächen oder gar auszuschalten. Jeden Tag kommen aus allen Teilen des Landes, aber vor allem aus dem Süden, Osten und dem Einsatzgebiet der Bundeswehr, Meldungen über solche Militärschläge. Hinter den in den Berichten erwähnten Koalitionstruppen stecken meist Spezialeinheiten der US-Armee und von ihnen trainierte Afghanen.

Mit der gezielten Tötung des Kommandeurs Shirin Agha haben die US-Kräfte erneut einen erklärten Feind der Bundeswehr ausgeschaltet. Der Taliban galt als Anführer einer ganzen Gruppe von Aufständischen in der Region Gor Tepa nordwestlich des deutschen Feldlagers und wird verdächtigt, auch an Anschlägen gegen die Bundeswehr beteiligt gewesen zu sein. Die Deutschen hatten ihn dieses Jahr auf der Fahndungsliste der Nato, intern "Joint Prioritized Effects List" (JPEL) genannt, zur Festnahme ausgeschrieben, dort wurde er unter der Nummer 3145 geführt.

Das Hauptquartier in Kabul bezeichnete die Operation gegen Shirin Agha und ähnliche Missionen am Dienstag als vollen Erfolg. Erstmals seit dem Beginn der Kampagne gegen die Taliban-Führer zog die Allianz eine Bilanz der Operationen. Demnach seien in Nordafghanistan in den vergangenen Monaten 18 Anführer der Taliban getötet oder gefasst worden. "Jeder Anführer, den wir vom Kampffeld entfernen, erhöht die Sicherheit für die Einwohner", sagte ein Sprecher. Zugleich kündigte er an, dass die Koalitionskräfte ihre Jagd auf die Taliban-Spitze weiterführen werden.

Die Bundeswehr beteiligt sich bisher nicht an den meist in der Nacht stattfindenden Zugriffen der Eliteeinheiten der USA. Zwar sind die Missionen mit dem Hauptquartier der deutschen Truppen in Masar-i-Scharif abgestimmt, damit deutsche Einheiten den Amerikanern nicht in die Feuerlinien laufen. Eine aktive Beteiligung deutscher Soldaten oder des Kommandos Spezialkräfte (KSK) ist politisch nicht erwünscht. Die Bundeswehr betont auch immer wieder, dass sie Personen nur zur Festnahme und nicht mit dem Ziel der Ausschaltung auf die Fahndungslisten der Nato setzt.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 85 Beiträge
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1. Sehr unpassend
Hypotheker, 13.10.2010
Zitat von sysopDer Getötete galt bei der Bundeswehr als Feind, war zur Fahndung ausgeschrieben: Unweit des deutschen Camps haben US-Einheiten bei Kunduz gezielt einen Kommandeur der Taliban getötet. Insgesamt schalteten die USA in Nordafghanistan schon 18 Anführer der Radikalen aus. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,722881,00.html
Ausgeschaltet! Also schalten die Talibans auch nur BW Soldaten aus. Hört sich ja auch besser an, ausschalten - einschalten. Diese Doppelmoral ist wiederlich.
2. Ungezielte Terroropfer
akrisios 13.10.2010
Das Leben eines Terroristen beinhaltet eben das Berufsrisiko bei seinen ungezielten Tötungen auch selbst Opfer einer gezielten Tötung zu werden. Für solch einen Klotz ist dies genau der richtige Keil. Nur in BRD-Verqueristan diskutieren Schönredenschwinger lieber in Talkshows und Salons den Terror weg. Erst wenn einen das deutsche Non-Engagement als Deutschen peinlich sein muss - dann ist es wohl erst richtig.
3. Widerlich ist der...
eeezy 13.10.2010
Zitat von HypothekerAusgeschaltet! Also schalten die Talibans auch nur BW Soldaten aus. Hört sich ja auch besser an, ausschalten - einschalten. Diese Doppelmoral ist wiederlich.
..der sich in Gehöften versteckt, überall Sprengfallen platziert und den harmlosen Bauern spielt. Normalerweise müssten wir genauso vorgehen, alles verminen und die Talibs und Konsorten da durchmarschieren lassen aber wir sind human und packen in ein Taliban oder von ähnlichen Gestalten beherrschtes Gebiet keine Claymores oder eine Ladung Streubombenminen. Nein die NATO Soldaten gehen da zu Fuss rein und lassen sich die Beine wegsprengen, zur Schadensminderung der Bevölkerung. Unsere Soldaten fallen, der Gegner wird ausgeschaltet was ist daran widerlich? Wenn Sie dass so belastet wechseln sie doch die Seiten und gucken sich INS Propagandaseiten an da wird genau andersherum berichtet.
4. Hydra
thomas bode 13.10.2010
Die simple Denkweise ist wirklich umwerfend. Hollywood lässt grüssen.: Man legt einen nach den anderen der Bösen um, bis keiner mehr da ist, Problem gelöst. Vermutlich kommen aber für jeden zwei andere nach, so lange Afghanen im wehrfähigen Alter übrig sind. Die ticken halt anders. Sollte man allmählich gemerkt haben. Der Begriff "ausschalten" ist tatsächlich auch ein Unwort.
5. Terror Taliban
A. Schulz 13.10.2010
Zitat von akrisiosDas Leben eines Terroristen beinhaltet eben das Berufsrisiko bei seinen ungezielten Tötungen auch selbst Opfer einer gezielten Tötung zu werden. Für solch einen Klotz ist dies genau der richtige Keil. Nur in BRD-Verqueristan diskutieren Schönredenschwinger lieber in Talkshows und Salons den Terror weg. Erst wenn einen das deutsche Non-Engagement als Deutschen peinlich sein muss - dann ist es wohl erst richtig.
In der Interpretatin der Propagandamaschienerie der Besatzungsmacht sind die "Taliban Führer" Terroristen. Aus Sicht der heimischen Bevölkerung sind es möglicherweise Wiederstandskämpfer. Und nach dem, was bisher über die Methoden der USNATO an die Öffentlichkeit drang, gilt wohl jeder, der möglicherweise/scheinbar/eventuell Wiederstand gegen das USNATO Regime leistet oder dazu aufruft als Taliban Führer. Nein, ich bin weder der Illusion erlegen, dass WIR dort unsere Freiheit verteidigen noch dass mit Waffenkraft dort Interessen der Menschlichkeit vertreten werden. Um die Herrschaft von USNATO in Afghanistan zu erhalten, muß die Bevölkerung wirksam unterdrückt werden. Scheinbar geht es nur darum. Doch es ist wohl wirklich so, dass man besser schlafen kann, wenn die Taliban die bösen sind und wir dort ein gutes Werk tun, indem wir das unterdrückte Volk von den bösen Terror Islam Fanatik Taliban Faschisten befreien.
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Beschlüsse der Kabuler Afghanistan-Konferenz
Sicherheit
Die afghanische Regierung will spätestens 2014 die Verantwortung für die Sicherheit in ihrem Land von den ausländischen Truppen übernehmen. Mitte 2011 will Deutschland beginnen, seine Truppen abzuziehen. Derzeit sind in Afghanistan unter dem Kommando der Nato rund 85.000 Soldaten aus mehr als 40 Ländern stationiert. Um den Abzug zu ermöglichen, werden derzeit afghanische Soldaten und Polizisten ausgebildet. Die internationale Gemeinschaft rechnet damit, dass Afghanistan bis zum Herbst 2011 171.600 Soldaten und 134.000 Polizisten benötigt. Deutschland beteiligt sich an dem Aufbau der afghanischen Armee und bildet zudem mit gut 200 Polizeibeamten die örtlichen Polizisten in bilateralen Programmen aus.
Finanzhilfe
Ab sofort sollen 50 Prozent der Entwicklungshilfe direkt an die afghanische Regierung fließen - bisher waren es lediglich 20 Prozent. Die Regierung muss im Gegenzug ihr Finanzwesen transparenter machen und Rechenschaft ablegen.
Wiederaufbau
Die Afghanen sollen im Herbst ein Prioritätenprogramm für den Wiederaufbau vorlegen, der konkrete Projekte enthalten soll. Bis 2012 soll die afghanische Regierung die entsprechenden Ziele erfüllt haben. Deutschland will für den zivilen Aufbau des Landes bis 2013 jährlich 430 Millionen Euro investieren. Vor allem die Entwicklung der ländlichen Räume steht im Mittelpunkt. Statt 30 Prozent der Bevölkerung im Norden Afghanistans sollen bis 2013 rund 75 Prozent der Menschen Zugang zu Beschäftigung haben.
Frauenrechte
Die Frauenrechte sollen mit einem nationalen Aktionsplan gestärkt werden, Gleichheit soll in der Verfassung verankert werden.
Taliban
Das Taliban-Programm soll offen sein für "alle Mitglieder von bewaffneten Gruppen, welche der Gewalt abschwören, keine Kontakte zum internationalen Terrorismus haben und die sich an die Verfassung halten wollen". Die Regierung will die Inhaftierung von Taliban per Einzelfall prüfen und gegebenenfalls eine Amnestie erlassen.

Korruption
Die Regierung soll im Oktober 2010 ein Programm zur Bekämpfung der Korruption vorlegen. Jeder Regierungsbeamte muss künftig seine Finanzen offenlegen.
Wahlen
In den kommenden sechs Monaten soll die Regierung ein Programm zur Reform der Wahlgesetze vorlegen.

Fläche: 652.864 km²

Bevölkerung: 26,023 Mio.

Hauptstadt: Kabul

Staatsoberhaupt:
Ashraf Ghani Ahmadsai

Regierungschef: Abdullah Abdullah

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