Syrischer Qaida-Ableger: Uno verhängt Sanktionen gegen Nusra-Front

Syrer mit Flaggen der Nusra-Front in Deir Ezzor: "Zweig des Islamischen Staats Irak" Zur Großansicht
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Syrer mit Flaggen der Nusra-Front in Deir Ezzor: "Zweig des Islamischen Staats Irak"

Der Uno-Sicherheitsrat hat die syrische Nusra-Front auf seine Terrorliste gesetzt. Damit verhängt das Gremium Sanktionen gegen die Extremisten. Die gemäßigte Opposition in Syrien erhält derweil neue Unterstützung von der EU: Ab Samstag dürfen europäische Banken Filialen im Land eröffnen.

New York - Die Rebellenbrigade "Dschabhat al-Nusra li Ahl al-Scham" - zu Deutsch etwa "Rettungsfront für das Volk der Levante" - gehörte lange zu den großen Unbekannten des Aufstands in Syrien. Jetzt hat der Uno-Sicherheitsrat die Nusra-Front auf seine Terrorliste gesetzt. Damit würden die ausländischen Guthaben der islamistischen Rebellengruppe eingefroren, teilte das Gremium am Freitag in New York mit.

Mit der Entscheidung, die Nusra-Front auf die Sanktionsliste zu setzen, tritt außerdem ein Waffenembargo gegen die Gruppierung in Kraft. Nach Angaben des Uno-Sicherheitsrats unterhält die Rebellenbrigade Verbindungen zum Terrornetz al-Qaida, insbesondere zu dessen Arm im Irak. Nusra-Chef Abu Mohammed al-Dschawlani hatte Qaida-Chef Aiman al-Sawahiri im vergangenen Monat seine Gefolgschaft versichert. Damit bestätigte er den Verdacht, dass es Verbindungen zwischen den syrischen Rebellen und dem Terrornetzwerk gibt. Nach Angaben der irakischen al-Qaida ist die Nusra-Front "ein Zweig des Islamischen Staats Irak".

Die türkische Tageszeitung "Vatan" berichtete zudem, dass mutmaßliche Mitglieder der Nusra-Front Giftgasanschläge gegen US-Truppen im Süden der Türkei geplant hätten. Eines der Ziele sei das US-Patriot-Kontingent in der Stadt Gaziantep gewesen, heißt es in dem Bericht. Auch die von den USA genutzte Luftwaffenbasis Incirlik bei Adana sei im Visier der Extremisten gewesen.

Die Behörden in Adana hatten am Donnerstag die Festnahme mehrerer Verdächtiger bestätigt, bei denen "chemische Stoffe" gefunden wurden. Die Provinzregierung von Adana wollte allerdings nicht bestätigen, dass die Verdächtigen der Nusra-Front angehören, wie mehrere türkische Medien dies unter Berufung auf Sicherheitskreise meldeten. Wie andere syrische Rebellen nutzt die Gruppierung al-Nusra die Türkei als Ausgangsbasis für Aktionen innerhalb Syriens.

EU lockert Bank-Sanktionen für syrische Rebellen

In Gaziantep sind US-Truppen stationiert, die auf Antrag des Nato-Mitglieds Türkei dort ein Patriot-Raketenabwehrsystem aufgebaut haben, um türkisches Staatsgebiet vor möglichen Angriffen aus Syrien zu schützen. In Kahramanmaras, etwa 150 Kilometer nördlich der syrischen Grenze, sind Patriots der Bundeswehr mit mehreren hundert deutschen Soldaten stationiert. In Adana steht zudem eine niederländische Patriot-Batterie.

Westliche Länder wollen mit ihrem Vorgehen gegen die Nusra-Front deren Einfluss in der syrischen Opposition schwächen und gemäßigte Gegner von Staatschef Baschar al-Assadfördern. Die Europäische Union (EU) hat am Freitag zur Unterstützung der Opposition gegen Syrien verhängte Wirtschaftssanktionen gelockert. Um den Rebellen helfen zu können, dürfen europäische Banken ab Samstag Filialen und Konten in Syrien eröffnen, beschlossen die EU-Mitgliedsländer.

Die Dienstleistungen dürften aber nur gewährt werden, wenn dies mit der Opposition abgesprochen wurde und dadurch nicht Sanktionen gegen syrische Firmen sowie Regierungsvertreter unterwandert würden. Die EU erhofft sich, dass dadurch humanitäre Hilfe und der Wiederaufbau der Grundversorgung finanziert werden könne.

Erst Anfang der Woche hatte die EU beschlossen, das Verbot für Waffenlieferungen nach Syrien auslaufen zu lassen. Damit könnten die Rebellen nun aus- und aufgerüstet werden.

bos/AFP/Reuters

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