Krieg in Syrien: Assad-Regime hält deutschen Reporter gefangen

Gefangen im Kriegsgebiet: Anfang Mai wurde ein deutscher Reporter in Syrien von regimetreuen Truppen festgenommen. Berlin bemüht sich um eine rasche Freilassung - doch eine Lösung des Falls wird schwierig.

Berlin - Zwischen den Fronten des Syrien-Kriegs ist abermals ein deutscher Reporter in die Hände der Sicherheitskräfte des syrischen Machthabers Baschar al-Assad geraten. Dem Auswärtigen Amt (AA) liegen seit einigen Tagen konkrete Hinweise vor, dass der freie Journalist Armin Wertz Anfang Mai in der Region Aleppo von Assads Truppen festgenommen wurde, seitdem wird er gefangen gehalten.

"Wir gehen den Hinweisen mit Hochdruck nach und bemühen uns um eine Klärung des Falls", sagte ein Sprecher des AA am Montag.

Wie viele andere Kollegen war Wertz, der in Indonesien lebt und als freier Reporter unter anderem für den Berliner "Tagesspiegel" schreibt, über die mehr oder minder offenen Grenzen der Nachbarländer nach Syrien gereist. Er wollte dort für zwei asiatische Blätter über den Aufstand der Rebellen gegen das Assad-Regime berichten.

Doch in den Augen des Regimes ist schon die Einreise in die Rebellengebiete ohne ein gültiges Visum eine Straftat. Mehrere Journalisten sind bereits wegen dieses Vergehens festgesetzt worden. Einige befinden sich immer noch in Haft, die Lösung solcher Fälle gilt bei den westlichen Regierungen als äußerst schwierig.

Mittlerweile haben Freunde von Wertz, der in den achtziger Jahren auch für den SPIEGEL aus Südamerika berichtete, Alarm geschlagen. Demnach meldete sich Wertz Anfang Mai per SMS bei einem früheren Kollegen und berichtete, er sei verhaftet worden und in einem Gefängnis in Aleppo. Einige Tage später meldete er sich erneut und schrieb, dass er zusammen mit anderen Gefangenen verlegt würde.

Für die Bundesregierung ist es nicht der erste Fall eines in Syrien festgesetzten deutschen Journalisten. Mit viel Mühe hatte das Auswärtige Amt im März einen freien Reporter, der ohne Visum in die Rebellengebiete gereist war, nach zähen Verhandlungen aus der Haft des Assad-Regimes freibekommen. Damals wie heute warnte das Amt vor allen Reisen in die Kriegszone.

Auch im Fall von Wertz wird eine Lösung nicht einfach. Als politisches Symbol hat Berlin alle diplomatischen Kontakte zu Syriens Regime gekappt, die deutsche Botschaft in Damaskus ist ebenfalls nicht mehr mit Diplomaten besetzt. Wegen dieser Lage muss Berlin über andere Nationen, die noch in Syrien stationiert sind, Kontakt zu den verantwortlichen Stellen herstellen.

Der Konflikt in Syrien ist für alle Journalisten ein gefährliches Berichtsgebiet. Laut einem Komitee zum Schutz von Reportern wurden allein im vergangenen Jahr 21 Journalisten entweder von den Regimetruppen verhaftet oder von Rebellenmilizen entführt. Derzeit sind noch mindestens fünf Reporter verschollen, darunter auch zwei italienische Journalisten.

mgb

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insgesamt 31 Beiträge
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1. Illegal eingereist?
Herr Dobermann 13.05.2013
Zitat von sysopGefangen im Kriegsgebiet: Anfang Mai wurde ein deutscher Reporter in Syrien von regimetreuen Truppen festgenommen. Berlin bemüht sich um eine rasche Freilassung - doch eine Lösung des Falls wird schwierig. Krieg in Syrien: Assad-Regime hält deutschen Reporter gefangen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/krieg-in-syrien-assad-regime-haelt-deutschen-reporter-gefangen-a-899608.html)
Ist der Reporter illegal eingereist? Ist sowas nicht strafbar? Wie auch immer, Allah sei Dank wurde er von Regierungstruppen festgenommen. PS der im März freigelassene Journalist war ebenfalls illegal eingereist. Der russische Außenminister Sergej Lawrow vermittelte in dem Falle
2. Woher
asafo 13.05.2013
weiss man das denn so genau,das er in der hand der Syrischen armee ist? ich meine besser bei denen,als bei den Mördern und Halsabschneidern,oder?Hier noch ein Link,der zeigt wie tief die Türkei verzwickt ist in diesem von draussen inzsienierten komplott gegen Syrien.Die Banden in der Türkei und https://www.facebook.com/photo.php?fbid=406959376020516&set=a.406956982687422.85637.196553207061135&type=1&theaterin Syrien
3. hauptsache cool
leser008 13.05.2013
Komisch, wieso ist es nicht möglich sich in Asien bei einer syrischen Botschaft ein Visum zu besorgen. Zumal wenn man weiss dass Kollegen deshalb schon einsitzen. Mit der "Huch, ich hab mich verirrt" Nummer kommt man allemal besser weg als voll illegal. Aber vielleicht ist das uncool, lästig und kostet auch. Ich wünsch ihm vor allem, dass er das Ganze heil übersteht.
4. Assads Paranoia u Narzissmus
falconero 13.05.2013
Assad ist im Gründe ein psychisch sehr labiler Mensch, der unter starken Narzismus und Paranoia leidet. Sein Bruder Maher ( Anführer des republikanisch Garde) hat ein einziges Hobby, zerfesste Leichen, die er am liebsten selbst umlegt per Handy aufzunehmen und sich daran stimulieren. Man muss mit Assad so umgehen, wie man mit Psychopathen umgeht. Also entweder einsperren oder einsperren .
5. ...
Hape1 13.05.2013
Zitat von sysopGefangen im Kriegsgebiet: Anfang Mai wurde ein deutscher Reporter in Syrien von regimetreuen Truppen festgenommen. Berlin bemüht sich um eine rasche Freilassung - doch eine Lösung des Falls wird schwierig. Krieg in Syrien: Assad-Regime hält deutschen Reporter gefangen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/krieg-in-syrien-assad-regime-haelt-deutschen-reporter-gefangen-a-899608.html)
Frage: Wie viele Schwarzafrikaner ohne Visum hält das "Merkel-Regime" in Deutschland fest?
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Bevölkerung: 22,505 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

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Karte
Flüchtlingskrise in Syrien


Assads Arsenal an Chemiewaffen
Giftarten
Syriens Vorräte an Chemiewaffen gelten als die größten in der Region und sollen unter anderem aus Sarin, Senfgas und VX bestehen. Nach den Niederlagen in den Kriegen gegen Israel in den Jahren 1967, 1973 und 1982 begann die Regierung in Damaskus in den frühen achtziger Jahren, ein Arsenal an Chemiewaffen zu unterhalten und durch Zukäufe zu erweitern.
Menge
Experten von Global Security schätzten unter Berufung auf den US-Geheimdienst CIA, dass mehrere Hundert Liter Kampfstoff vorhanden sind und jährlich Hunderte Tonnen Vorläuferstoffe produziert werden.
Produktion
Der Aufbau eigener Produktionsstätten begann bereits 1971 in Damaskus. Experten von Global Security haben vier mutmaßliche Produktionsstätten ausgemacht: Zum einen nördlich von Damaskus und nahe der Industriestadt Homs. In Hama soll eine Anlage neben Sarin und Tabun auch VX herstellen. Eine vierte Stätte soll sich in der Hafenstadt Latakia am Mittelmeer befinden.
Trägersysteme
Das Land soll der Nuclear Threat Initiative (NRI) zufolge über Scud- und SS-21-Raketen, Artilleriegeschosse und Bomben als Trägersysteme verfügen.
C-Waffenkonvention
Die Regierung in Damaskus hat die Chemiewaffenkonvention von 1992 nicht unterzeichnet, die den Einsatz, die Herstellung und Lagerung von chemischen Kampfstoffen untersagt.