Türkische Offensive in Syrien Britische YPJ-Kämpferin in Afrin getötet

Beim Kampf um die nordsyrische Stadt Afrin ist eine 26 Jahre alte Britin getötet worden. Anna Campbell hatte sich im vergangenen Jahr der kurdischen Frauenverteidigungseinheit YPJ angeschlossen.

Anna Campbell
AFP/YPJ PRESS OFFICE

Anna Campbell


Die 26 Jahre alte Britin Anna Campbell ist bei Kämpfen um die Stadt Afrin im Norden Syriens ums Leben gekommen. Das hatte zuerst eine Sprecherin der kurdischen Frauenverteidigungseinheiten (YPJ) gesagt. Campell hatte sich der Fraueneinheit der Kurdenmiliz YPG bereits vor Monaten angeschlossen. In mehreren Interviews sprach nun auch ihr Vater über den Todesfall.

"Ich wusste, dass sie sterben könnte", zitiert der Sender BBC aus dem Gespräch mit Dirk Campbell. Er sei erschüttert über den Tod seiner Tochter - und zugleich "sehr stolz" auf sie. Im Nachhinein denke er, er hätte womöglich mehr tun müssen, um sie von ihrer Reise nach Syrien abzubringen; aber er wisse auch, dass sie ihm das nicht verziehen hätte. Dem "Guardian" sagte Dirk Campbell, zum Abschied habe er ihr noch im Scherz gesagt: "Es war schön, dich kennengelernt zu haben."

Anna Campbell stammte ursprünglich aus Lewes in East Sussex. Britischen Medienberichten zufolge reiste sie im vergangenen Mai nach Syrien. Sie kam nach YPJ-Angaben bereits vergangene Woche ums Leben: Sie sei am 16. März mit ihrer Einheit in einem Fahrzeug unterwegs gewesen, als eine türkische Rakete den Konvoi getroffen habe.

Der "Guardian" berichtet unter Berufung auf namentlich nicht genannte Quellen, Campbell habe sich in Syrien erst dem Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) angeschlossen. Ende Januar, nach Beginn der türkischen Offensive im Norden Syriens, habe sie dann ihre Vorgesetzten "angefleht", an die Front nach Afrin geschickt zu werden. Das sei zunächst abgelehnt worden, doch Campbell sei hartnäckig gewesen, zitiert die Zeitung die YPJ-Quelle. "Schließlich haben sie nachgegeben und sie gehen lassen."

Campbells Tod sei ein großer Verlust für die YPJ, heißt es in einer Mitteilung der kurdischen Einheit an den "Guardian". Der Zeitung zufolge sind in Syrien damit bisher insgesamt acht britische Staatsangehörige ums Leben gekommen, die an der Seite der Kurden gekämpft hatten. Bei Campbell handelt es sich demnach um die erste Frau.

Die kurdischen Volksvertretungseinheiten (YPG) und ihre Verbündeten haben seit Beginn des Aufstands gegen den syrischen Machthaber Baschar al-Assad im Jahr 2011 drei autonome Regionen im Norden Syriens errichtet, darunter Afrin. Am Sonntagmorgen hatten die türkische Armee und verbündete Kämpfer der sogenannten Freien Syrischen Armee (FSA) die Stadt unter ihre Kontrolle gebracht - nachdem sich die YPG kampflos zurückgezogen hatte. Es ist für die Türkei der größte Erfolg seit Beginn der Afrin-Offensive am 20. Januar (mehr dazu lesen Sie hier).

Video: Türkische Armee besetzt Afrin

Die Regierung in Ankara sieht die YPG wegen ihrer engen Verbindungen zur verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) als Terrororganisation an. Die PKK steht in der Türkei, Europa und den USA auf der Terrorliste. Die YPG dagegen ist wichtiger Partner der USA im Kampf gegen den IS.

aar

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.