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Konflikt mit der Türkei: Syrischer Jet bombardiert Grenzgebiet

Der Konflikt zwischen Damaskus und Ankara spitzt sich zu. Ein Kampfjet des Assad-Regimes hat offenbar eine Bombe nur wenige Meter von der Grenze zur Türkei abgeworfen, mindestens sechs Syrer kamen ums Leben, mehrere weitere Menschen wurden verletzt. Zudem explodierte auf türkischem Gebiet eine Granate.

Istanbul/Beirut - Die Grenzregion kommt nicht zur Ruhe: Ein syrisches Kampfflugzeug hat am Montag die Ortschaft Ras al-Ain an der Grenze zur Türkei beschossen. Weniger als 150 Meter von der Grenze entfernt wurde eine Bombe abgeworfen, mindestens sechs Menschen wurden laut Agenturangaben getötet. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtet von mindestens zwölf Toten, unter ihnen ein Kind. Ein Journalist der Nachrichtenagentur AP beobachtete, wie das Kampfflugzeug eine Fläche bombardierte, die nur zehn Meter von der Grenze entfernt ist. Unter den Bewohnern brach Panik aus, einige flüchteten über die Grenze in die Türkei. Von den zahlreichen Verletzten wurden einige in die benachbarte türkische Stadt Ceylanpinar gebracht.

Bei den Toten handelt es sich laut der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu um Syrer. 20 Verletzte schwebten in Lebensgefahr. Der Bürgermeister von Ceylanpinar, Ismail Arslan, sagte, auch auf türkischer Seite gebe es Verletzte durch Splitter von Fensterscheiben, die durch die Druckwellen der Bombenexplosionen zerbarsten.

Ras al-Ain ist einer von zwei Grenzposten an der syrisch-türkischen Grenze, die von den Regierungstruppen kontrolliert werden. Vier andere sind in Rebellenhand, ein weiterer wird von kurdischen Milizen gehalten. Syrische Rebellen und regierungstreue Kämpfer liefern sich seit Mittwochabend Gefechte um Ras al-Ain. Tausende Syrer suchten seither Zuflucht in der Türkei. Sechs Türken wurden zudem durch Querschläger verletzt.

Panzerfaustgranate schlägt in Ceylanpinar ein

Erst am Montagmorgen war erneut eine Granate aus Syrien in der Türkei eingeschlagen. Das Panzerfaustgeschoss sei in Ceylanpinar nahe einem Büro der Landwirtschaftsverwaltung explodiert, berichteten türkische Fernsehsender. Die Granate habe Sachschaden angerichtet.

Die türkischen Behörden forderten die Bevölkerung auf, sich von der Grenze fernzuhalten und schlossen als Vorsichtsmaßnahme Schulen. Die türkische Armee verstärkte zudem ihre Präsenz in der Zone. Seit dem Beschuss des türkischen Grenzdorfes Akçakale durch Syrien, bei dem Anfang Oktober fünf türkische Zivilisten starben, verstärkte die Türkei ihre Militärpräsenz entlang der Grenze und lässt mit Artillerie nach Syrien zurückfeuern, wenn nach Schüssen auf das eigene Staatsgebiet Angreifer mit Radar lokalisiert werden können.

Auch in der syrischen Hauptstadt wird weiter gekämpft. Regierungstruppen haben nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten am Montag Damaskus und die Umgebung unter Beschuss genommen. Von Artilleriefeuer betroffen seien die Region Ost-Ghuta sowie der Stadtteil Tadamun im Süden der Hauptstadt, teilte die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit, die sich auf ein breites Netzwerk von Aktivisten vor Ort stützt. Zudem lieferten sich Soldaten und Rebellen demnach Kämpfe im Stadtteil Schuika. SPIEGEL ONLINE kann die Angaben allerdings nicht unabhängig überprüfen.

Durch die Gewalt in Syrien wurden laut der Beobachtungsstelle am Sonntag 104 Menschen getötet. In dem Aufstand gegen Präsident Baschar al-Assad, der im März 2011 begann, starben den Angaben zufolge bereits 37.000 Menschen.

sun/dpa/dapd/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 14 Beiträge
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1. Die Türkei
topodoro 12.11.2012
...könnte ja mal ihre Arbeit tun und keine bewaffneten Leute mehr über ihre Grenze lassen. Dann wäre da auch Frieden und es könnte der UN Plan durchgeführt werden.
2. Sollte ...
criticus nixalsverdruss 12.11.2012
Zitat von sysopDer Konflikt zwischen Damaskus und Ankara spitzt sich zu. Ein Kampfjet des Assad-Regimes hat offenbar eine Bombe nur wenige Meter von der Grenze zur Türkei abgeworfen, vier Syrer kamen ums Leben, mehrere weitere Menschen wurden verletzt. Zudem explodierte auf türkischem Gebiet eine Granate. Krieg in Syrien: Kampf-Jet bombardiert Grenzgebiet zur Türkei - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/krieg-in-syrien-kampf-jet-bombardiert-grenzgebiet-zur-tuerkei-a-866644.html)
... Assad wirklich so verzweifelt sein, dass er den Konflikt ausweiten will!? Es ist kaum anzunehmen, dass sich Russland oder der Iran wirklich für einen abgehalfterten Diktator und ein völlig zerstörtes Land in einen Krieg mit der Nato hineinziehen lassen, wenn er jetzt Israel oder die Türkei in den Konflikt provozieren sollte.
3. Die Situation ist zu festgefahren!!!
FreakmasterJ 12.11.2012
Zitat von criticus nixalsverdruss... Assad wirklich so verzweifelt sein, dass er den Konflikt ausweiten will!? Es ist kaum anzunehmen, dass sich Russland oder der Iran wirklich für einen abgehalfterten Diktator und ein völlig zerstörtes Land in einen Krieg mit der Nato hineinziehen lassen, wenn er jetzt Israel oder die Türkei in den Konflikt provozieren sollte.
Es kann irgendwie nicht sein, dass Assad weiterhin auf seine Position beharrt, wenn zeitgleich klar ist, dass die politischen Verhältnisse in Syrien in Zukunft nie wieder so sein werden, wie er sie gerne hätte. Er kann ja freie demokratische Wahlen unter UN- Kontrolle durchführen lassen, dann wird er schon sehen, was er davon hat. Diese festgefahrene Situation geht mal wieder zu Lasten der Zivilbevölkerung und fordert nur weitere Tote – dies ist international zu ächten und es ist schlimm, dass China und Russland die Klärung der Situation durch ihre Blockadehaltung in der UNO verhindern, anstatt mal einen Plan vorzulegen, das Morden zu stoppen. Von der Türkei sollte man genaugenommen maximal mögliches defensives Verhalten fordern. Selbstverständlich muss kein Land den Beschuss von eigenem Territorium hinnehmen – auch finde ich die Forderung, die Türkei sollte innerhalb ihrer eigenen Grenzen eine Pufferzone errichten, für nicht gerechtfertigt. Es kann natürlich nicht sein, dass ein Land Maßnahmen zum Schutz seines eigenen Territoriums ergreifen muss, nur weil der Nachbarstaat seine innenpolitischen Konflikte nicht unter Kontrolle hat; es sein denn, Assad stellt die finanziellen Mittel dafür bereit. Hier sind genaugenommen beide Seiten aufgerufen den illegalen Grenzübertritt zu verhindern. Prinzipiell sind bei illegalen Grenzübertritten beide Nachbarstaaten gefordert, eine einvernehmliche Lösung zu finden und diese umzusetzen. Natürlich ergibt sich ein anderes Bild, sollte die Türkei offensichtlich den Widerstand gegen Assad mit Waffen unterstützen oder den Grenzübertritt bewaffneter Kämpfer dulden. In so einem Fall, braucht man sich auch nicht zu beschweren.
4. Was soll ein Forum bewirken? Ist ein Austausch von Meinungen noch möglich?
pikeaway 12.11.2012
Zitat von criticus nixalsverdruss... Assad wirklich so verzweifelt sein, dass er den Konflikt ausweiten will!? Es ist kaum anzunehmen, dass sich Russland oder der Iran wirklich für einen abgehalfterten Diktator und ein völlig zerstörtes Land in einen Krieg mit der Nato hineinziehen lassen, wenn er jetzt Israel oder die Türkei in den Konflikt provozieren sollte.
Besteht bei derartigen Kommentaren überhaupt noch Interesse an der Diskussion. Nichts verstanden. Nichts als Verdruss hervorrufen? Spon sollte sich ernsthaft fragen, welchen Wert ein Forum hat, wenn sich zunehmend derartige "Experten" breit machen. Biertisch- Standpunkte kann ich ja noch akzeptieren, aber derartige unqualifizierte Kommentare sind zu viel des "Guten". Für mich wird ein Forum erst interessant, wenn ich mich mit Argumenten und Sichtweisen Anderer auseinandersetzen und auf der Grundlage mir bisher unbekannter Informationen auch meine Sichtweisen anpassen kann.
5.
adal_ 12.11.2012
Zitat von pikeawayBesteht bei derartigen Kommentaren überhaupt noch Interesse an der Diskussion. Nichts verstanden. Nichts als Verdruss hervorrufen? Spon sollte sich ernsthaft fragen, welchen Wert ein Forum hat, wenn sich zunehmend derartige "Experten" breit machen. Biertisch- Standpunkte kann ich ja noch akzeptieren, aber derartige unqualifizierte Kommentare sind zu viel des "Guten". Für mich wird ein Forum erst interessant, wenn ich mich mit Argumenten und Sichtweisen Anderer auseinandersetzen und auf der Grundlage mir bisher unbekannter Informationen auch meine Sichtweisen anpassen kann.
Dann begnügen Sie sich halt mit Ihrem Stammtisch und tummeln sich vorsichtshalber nicht in Foren, wo sich Menschen bisweilen herausnehmen, eine andere Meinung als die Ihre zu vertreten.
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Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Imad Khamis

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