Angriff an türkischer Grenze: Syrische Soldaten feuern auf Flüchtlinge

Die vereinbarte Waffenruhe in Syrien ist offenbar sehr instabil: Soldaten des Assad-Regimes haben an der Grenze zur Türkei einen Angriff gestartet, sie sollen auf Flüchtlinge geschossen haben. Laut Kofi Annan will das Regime Dutzenden Journalisten die Einreise in das Land gewähren.

Beirut - Am zweiten Tag der syrischen Waffenruhe hat es am Freitag im Grenzgebiet Syriens zur Türkei neue Schießereien gegeben. Am Morgen kam es zu einem etwa einstündigen Schusswechsel zwischen Rebellen und der syrischen Armee nahe des Grenzdorfes Chirbet al-Dschos, berichtete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu.

Die Schießerei begann demnach, als eine Gruppe Syrer durch die Ortschaft in die Türkei flüchten wollte. Syrische Soldaten hätten das Feuer eröffnet. Die Regierungstruppen versuchten demnach, Kämpfer der oppositionellen Freien Syrischen Armee aus dem Grenzgebiet zu vertreiben. Zuvor hätten die Streitkräfte mindestens vier Panzer in dem Gebiet stationiert.

Auch das in London ansässige Syrische Observatorium für Menschenrechte berichtet von einem Angriff. Die Örtlichen Koordinationskomitees (LCC) sprachen von "sehr heftigem Beschuss". Berichte über Opfer gebe es nicht, sagte der Direktor des Syrischen Observatoriums für Menschenrechte, Rami Abdul-Rahman. "Jetzt ist alles ruhig." Um Chirbet al-Dschos hatte es in den vergangenen Monaten mehrfach Kämpfe gegeben.

Der am Donnerstag in Kraft getretene Waffenstillstand werde einigermaßen respektiert, sagte unterdessen ein Sprecher des Uno-Sondergesandten Kofi Annan. Am frühen Freitagnachmittag berichtete die in London ansässige syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, dass das Militär in Hama einen Demonstranten erschossen habe. Oppositionelle vor Ort teilten mit, zwei Menschen seien an einem Kontrollpunkt der Armee erschossen worden. Berichte über weitere Gewalt lagen demnach zunächst nicht vor.

Syrisches Innenministerium stellt Bedingungen für Protestmärsche

Unterdessen warteten Beobachter gespannt darauf, ob es wie in der Vergangenheit üblich zu Massenprotesten gegen die Regierung nach den Freitagsgebeten kommen würde. Dazu hatte der oppositionelle Syrische Nationalrat am Donnerstag aufgerufen. Massenproteste würden die Bereitschaft des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad auf die Probe stellen, seine Truppen nicht zum Schießen aufzufordern.

Nach dem Sechs-Punkte-Plan des Uno-Sondergesandten Kofi Annan muss das syrische Regime friedliche Proteste zulassen. Allerdings warnte das syrische Innenministerium laut einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur SANA am Donnerstag, Demonstranten müssten für Protestmarsche eine Genehmigung der Regierung einholen.

"Weitere angemessene Maßnahmen"

Die Vereinten Nationen planen einem Resolutionsentwurf zufolge die Entsendung von 30 unbewaffneten militärischen Beobachtern nach Syrien. Über das Papier wurde am Donnerstagabend im Uno-Sicherheitsrat verhandelt. Gefordert wird darin, dass sich die internationalen Beobachter frei in dem Land bewegen können und die Möglichkeit zu vertraulichen Gesprächen mit allen Syrern haben, die sie zu treffen wünschen. Auch auf den Abzug der Truppen und schwerer Waffen aus dicht bewohnten Gebieten wird in dem Entwurf weiter bestanden.

Für den Fall, dass sich Syrien nicht an seine Verpflichtungen halte, werde der Sicherheitsrat "weitere angemessene Maßnahmen in Erwägung ziehen", heißt es weiter. Wie aus Uno-Diplomatenkreisen verlautete, könnte der Sicherheitsrat eine Resolution über die Entsendung von Beobachtern bereits an diesem Freitag verabschieden.

Das Vorausteam einer Uno-Beobachtermission für Syrien steht nach Angaben von Annans Sprecher bereit. Ahmad Fawzi erklärte am Freitag in Genf, das Team solle die Arbeit einer vollständigen Mission mit bis zu 250 Beobachtern vor Ort vorbereiten, wenn der Sicherheitsrat seine Zustimmung gebe. Die Beobachtermission solle helfen, den Frieden zu erhalten, "wenn die Waffenruhe hält". Für die Entsendung werde auch die Zustimmung Syriens benötigt.

Syrien wolle etlichen Journalisten Zugang ins Land gewähren, erklärte der Annan-Sprecher. Die Regierung in Damaskus habe bestätigt, Reportern von 74 Medien Visa ausgestellt zu haben. Syrien käme mit einem erleichterten Zugang für Journalisten einer der Forderungen im Friedensplan von Annan nach. Im dem seit 13 Monaten andauernden Konflikt konnten Reporter nicht frei berichten.

hen/lgr/dapd/Reuters/dpa

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1. ...
mr_supersonic 13.04.2012
Zitat von sysopREUTERS/ Shaam News NetworkDie vereinbarte Waffenruhe in Syrien ist offenbar sehr instabil: Soldaten des Assad-Regimes haben der Opposition zufolge an der Grenze zur Türkei einen Angriff gestartet. Nach Angaben des Uno-Gesandten Annan will Syrien Dutzenden Journalisten die Einreise in das Land gewähren. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,827363,00.html
Was ich nicht verstehe: Nachdem hier so viele über die Notwendigkeit von Waffengewalt seitens Assads Diktatur gegen die "Rebellen" geschwafelt haben, weil die Gegner eh nur ein paar Leute wären und sowieso Islamisten, wundert es mich schon dass die Gegner Assads nun auch die Waffen ruhen lassen... Sind das vielleicht doch nicht alles verrückte mit nem Colt, sondern einfach die Bevölkerung, die sich gegen Assads Armee wehrt? Ich hoffe inständig dass Assad gehen muss...
2.
sirius7 13.04.2012
offenbar muss man auf Biegen und Brechen was negatives gegen Assad schreiben. Wieso gibt es aktuell keine neutralen Beobachter, die die Waffenruhe in den nächsten Tagen überwachen können ? Will denn Westen und Sunniten dies vielleicht garnicht ?
3.
sirius7 13.04.2012
Zitat von mr_supersonicWas ich nicht verstehe: Nachdem hier so viele über die Notwendigkeit von Waffengewalt seitens Assads Diktatur gegen die "Rebellen" geschwafelt haben, weil die Gegner eh nur ein paar Leute wären und sowieso Islamisten, wundert es mich schon dass die Gegner Assads nun auch die Waffen ruhen lassen... Sind das vielleicht doch nicht alles verrückte mit nem Colt, sondern einfach die Bevölkerung, die sich gegen Assads Armee wehrt? Ich hoffe inständig dass Assad gehen muss...
das ist eigentlich sehr einfach. Rebellen haben im Augenblick mehr zu verlieren, wenn sie weiter kämpfen. Dann wäre halt allen klar, wer da im Angriff die führende Rolle hat. Für Assad ist es so oder so eng, weil der Aufstand gross ist und Rebellen vom Ausland unterstützt werden.
4.
Cotti 13.04.2012
Zitat von sysopREUTERS/ Shaam News NetworkDie vereinbarte Waffenruhe in Syrien ist offenbar sehr instabil: Soldaten des Assad-Regimes haben der Opposition zufolge an der Grenze zur Türkei einen Angriff gestartet. Nach Angaben des Uno-Gesandten Annan will Syrien Dutzenden Journalisten die Einreise in das Land gewähren. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,827363,00.html
Es könnten aber auch desertierte Soldaten gewesen sein oder Terroristen in den Uniformen desertierter Soldaten. Auch im "Bürgerkrieg" stirbt die Wahrheit zuerst - wobei ein vom Ausland angezettelter Umsturzversuch nicht als "Bürgerkrieg" bezeichnet werden sollte.
5. Aha...
firaz89 13.04.2012
Zitat von CottiEs könnten aber auch desertierte Soldaten gewesen sein oder Terroristen in den Uniformen desertierter Soldaten. Auch im "Bürgerkrieg" stirbt die Wahrheit zuerst - wobei ein vom Ausland angezettelter Umsturzversuch nicht als "Bürgerkrieg" bezeichnet werden sollte.
Sie könnten ein von Assad oder vielleicht vom Iran oder vieleicht von Putin bezahlter Agent sein....beweisen Sie mir das Gegenteil davon, wenn Sie doch so weise behaupten, die Wahrheit sterbe doch zuerst! Man kann sich die Welt auch schön reden, oder? Sie sitzen schön auf dem Sofa und können uns über die Welt belehren !
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