Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Krieg in Syrien: Rebellen lehnen Assads Angebote ab

Aus Beirut berichtet Ulrike Putz

Syriens Präsident Baschar al-Assad: "Nach meiner Definition trägt eine politische Opposition keine Waffen" Zur Großansicht
REUTERS/ SANA

Syriens Präsident Baschar al-Assad: "Nach meiner Definition trägt eine politische Opposition keine Waffen"

Vorgezogene Neuwahlen, Verhandlungen mit der Opposition: Im SPIEGEL-Gespräch gab sich der syrische Präsident Baschar al-Assad betont kompromissbereit. Seine Gegner reagieren mit Drohungen: Wahlen würden sie zu verhindern wissen.

Vertreter wichtiger Kämpfergruppen in Syrien haben mit Verachtung und Drohungen auf Aussagen von Präsident Baschar al-Assad reagiert, der Krieg in Syrien könnte durch vorgezogene Neuwahlen im Mai oder Juni kommenden Jahres zu einem Ende kommen.

"Wir akzeptieren es nicht, dass ein Krimineller wie Baschar über die Zukunft Syriens entscheidet", sagte Islam Alusch, Sprecher der vergangene Woche gegründeten "Armee des Islam" gegenüber SPIEGEL ONLINE. Das syrische Volk brauche keine Neuwahlen, es habe bereits gesprochen. "Keine Verhandlungen, bevor das Regime gestürzt ist", sagte Alusch.

Assad hatte in einem Interview mit dem SPIEGEL ausgeführt, dass er glaubt, Neuwahlen könnten eine Lösung des Konflikts herbeiführen. "Ob ich dann selbst noch einmal antrete, vermag ich im Moment nicht zu sagen", erklärte er. "Wenn ich nicht mehr den Willen der Menschen hinter mir weiß, werde ich nicht antreten", sagte er dem SPIEGEL. Danach gefragt, ob eine Lösung auf dem Verhandlungsweg möglich sei, entgegnete er: "Mit den Militanten? Nein. Nach meiner Definition trägt eine politische Opposition keine Waffen."

Fotostrecke

12  Bilder
Syrien: Assads Krieg
Doch die mehrheitlich im Exil lebende, friedliche politische Opposition, mit der Assad verhandeln würde, hat in den vergangenen Monaten stetig an Rückhalt verloren. Die Entwicklung geht so weit, dass der Syrien-Sondergesandte der Uno, Lakhdar Brahimi, am Sonntag erklärte, er wisse nicht, ob die für Mitte November geplanten Friedensgespräche in Genf wie geplant stattfinden könnten.

Für die Scharia

Es sei nicht "hundert Prozent sicher", dass das Treffen zustande komme, sagte Brahimi in einem Interview mit zwei französischen Sendern. Bei den "Genf II" genannten Gesprächen sollten Unterhändler der syrischen Regierung mit Oppositionellen über einen Kompromiss im Syrien-Konflikt verhandeln.

Doch inzwischen geben islamistische Kampfverbände den Ton unter den Rebellen an - und die sind strikt gegen Verhandlungen mit Assad. Vergangene Woche taten sich etwa 7000 mehrheitlich in der Region Damaskus aktive Kämpfer zur "Armee des Islam" zusammen.

Wenige Tage zuvor hatten sich die Kommandeure von etwa 50.000 Mann im Norden des Landes offiziell von der im Exil agierenden Nationalen Syrischen Koalition und der Übergangsregierung losgesagt - unter anderem, weil diese sich gesprächsbereit gezeigt hatte. Die Kämpfer der 13 Gruppen beschworen ihre Einheit innerhalb eines "islamischen Rahmens" und sprachen sich für die Einführung der islamischen Scharia als einziger Rechtsgrundlage aus.

"Das Regime zerfällt"

Mit etwa 10.000 Kämpfern ist die Brigade "Ahrar Asscham" ("Die freien Männer der Levante") eine der schlagkräftigsten Gruppen dieser islamistischen Nordallianz. Einer ihrer Sprecher, Abu Amer al-Babi, sagte SPIEGEL ONLINE am Sonntag, Assad könne gern versuchen, sich im kommenden Jahr erneut zur Wahl zu stellen, "wenn er dann noch am Leben ist."

"Die einzige Lösung für die Krise in Syrien ist der Sturz des Regimes", meint al-Babi, "Assad muss zur Rechenschaft gezogen werden".

Al-Babi kündigte an, seine Kämpfer würden zu vermeiden wissen, dass Wahlen stattfänden. "So lange das Regime weiterbesteht, sind alle Wahlen Unrecht." Er warnte die Vertreter der zivilen Opposition, sich auf Verhandlungen mit Assad einzulassen. Nur die Kämpfer hätten das Recht, über die Zukunft Syriens zu entscheiden. "Und wir sind uns einig, dass es keine Gespräche geben wird, bevor Assad nicht entmachtet ist." Laut al-Babi "versteht das Regime nur die Sprache der Gewalt".

Auch Alusch von der "Armee des Islam" mahnte, sich nicht auf die im SPIEGEL gemachten Angebote Assads einzulassen. "Das Regime zerfällt, und unser Sieg ist unausweichlich, es gibt also keinen Grund für Verhandlungen. Wir können nicht begreifen, warum einige Syrer immer noch bereit sind, mit diesem blutigen Regime zu reden."

Erst wenn all diejenigen, die syrisches Blut vergossen hätten, zur Rechenschaft gezogen worden seien, könnte die Versöhnung beginnen.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 51 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Kriminellen ist der andere zu kriminell
leser-fan 06.10.2013
die Rebellen sind genausowenig demokratiebesessen wie Assad. Dass z.B. Frauen mit Kleidung und Rechten in mittelalterliche Zustãnde zurückfallen, wenn Glaubensfanatiker an die Macht kommen, sollte jeder bedenken, der Assad gestürzt sehen mõchte. Schaut auf den Irak.
2. Wahlen würden sie zu verhindern wissen?
Marcus_XXL, 06.10.2013
Da hat sich der Westen ja wirklich lupenreine Rebellendemokraten ausgesucht. Langsam frage ich mich schon ob wir nicht lieber Assad Waffen liefern sollten.
3. Pest oder Cholera?
veritas77 06.10.2013
Komisch, wenn ich die Standpunkte der Regierung oder der Rebellen so ansehe were ich das Gefühl nicht los, die Rebellen wären die Schlechtere Wahl. Wie würden wir denn reagieren, wenn plötzlich (als Beispiel) Aufständische hier in Deutschland plötzlich die Relligion der Kirche von Bo durchsetzen würde und jeder der nicht mitmacht wird totgehauen? Würden wir das Kampflos hinnehmen?
4. Schöne Aussichten
widower+2 06.10.2013
Zitat: "Erst wenn all diejenigen, die syrisches Blut vergossen hätten, zu Rechenschaft gezogen worden seien, könnte die Versöhnung beginnen." Dann wäre aber kaum noch jemand übrig, der sich irgendwem versöhnen könnte. Dass Assad-Regime ist gewiss nicht gerade eine Musterdemokratie oder gar ein Rechtsstaat, es wird allerdings immer deutlicher, dass Syrien vom Regen in die Traufe kommen wird. Dem syrischen Volk wird es jedenfalls noch Jahrzehnte schlechter gehen als vor dem Bürgerkrieg.
5. Und wer...
topodoro 06.10.2013
Und wer dieser netten Gruppen kriegt die Unterstützung der "Freunde Syriens" ? Unser netter Herr Westerwelle ist doch da Mitglied und hat da gezahlt. An wen ? Zahlen wir für die Einführung der Scharia ? Zahlen wir für Terroristen ? Wer trägt die schusssischeren Westen, die Westerwelle gespendet hat ?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH





SPIEGEL.TV
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: