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Kampf gegen Assad: Höchster US-Offizier warnt vor Milliardenrisiko Syrien-Einsatz

        General Dempsey: Szenarien für ein Eingreifen in Syrien      Zur Großansicht
AP/dpa

General Dempsey: Szenarien für ein Eingreifen in Syrien

Ein direktes Eingreifen der USA in den syrischen Bürgerkrieg wird immer unwahrscheinlicher: Generalstabschef Dempsey hat jetzt erstmals konkret dargelegt, wie eine Militäroperation ablaufen würde - und monatliche Milliardenkosten aufgelistet.

Washington - Martin Dempsey hat einen Brief an den Kongress geschrieben, und der gelangte schnell an die Öffentlichkeit. Am Montag wurde das Schreiben des US-Generalstabschefs bekannt, in dem er verschiedene Möglichkeiten für ein militärisches Eingreifen seines Landes in Syrien beschreibt. Dempsey erläutert fünf Optionen: von Aufklärungs- und Waffenschulungen für die syrischen Rebellen bis hin zum umfassenden Einsatz von US-Bodentruppen in dem Bürgerkriegsland. Er betonte, die Entscheidung über das weitere Vorgehen obliege der Politik.

Bereits in der vergangenen Woche hatte sich Dempsey zu einem möglichen US-Einsatz in dem Bürgerkriegsland geäußert. Bei einer Anhörung des Kongresses sagte er am Donnerstag, die USA erwögen den Einsatz von Waffengewalt in Syrien. Die Regierung diskutiere derzeit Angriffe. Er habe Präsident Barack Obama mehrere Optionen für einen Militäreinsatz in dem seit zweieinhalb Jahren umkämpften Land vorgelegt.

In dem nun bekannt gewordenen Brief erläutert Dempsey die Szenarien. Neben Trainingsmissionen könnten die US-Streitkräfte in Syrien gezielt militärische Einrichtungen der Regierung von Präsident Baschar al-Assad aus der Distanz angreifen. Dazu seien Hunderte von Kampfflugzeugen und Schiffen nötig, die Kosten "würden in die Milliarden gehen".

Als nächste Stufe sei die Einrichtung einer Flugverbotszone denkbar, um Luftangriffe der syrischen Regierungstruppen auf die Rebellen zu verhindern, schrieb Dempsey. Außerdem könnten zum Schutz der zahlreichen Flüchtlinge sogenannte humanitäre Korridore geschaffen und überwacht werden, was voraussichtlich mehr als eine Milliarde Dollar (760 Millionen Euro) im Monat kosten würde. Schließlich beschrieb der General noch die Möglichkeit, "Tausende Spezialkräfte und andere Bodentruppen" einzusetzen, um mögliche Lager von chemischen Waffen anzugreifen und unter US-Kontrolle zu bringen.

In dem Schreiben, das an den Vorsitzenden des Streitkräfteausschusses im Senat, Carl Levin, adressiert war, warnte Dempsey zugleich vor Risiken eines US-Militäreinsatzes in Syrien. So könnten Extremisten gestärkt werden und die Führung um Assad könnte Vergeltungsschläge ausführen.

Der zögerliche Tenor des Schreibens von Dempsey passt zur veränderten Rhetorik des Weißen Hauses in Bezug auf Syrien. Die US-Regierung hat sich längst von der Annahme verabschiedet, dass Präsident Assad bald der Vergangenheit angehören könnte. Zuletzt lautete die Sprachregelung, man gehe davon aus, dass Assad nie wieder ganz Syrien regieren werde.

Die USA unterstützt die syrischen Rebellen derzeit mit humanitärer Hilfe und sogenannter nicht tödlicher Ausrüstung wie etwa Schutzwesten und Kommunikationsmitteln. Im Juni kündigte die US-Regierung militärische Hilfe für die Aufständischen an, weil sie den Einsatz von Chemiewaffen durch die Regierungstruppen für erwiesen hält.

Im syrischen Bürgerkrieg, der sich aus dem Aufstand gegen Assad vor mehr als zwei Jahren entwickelte, wurden nach Angaben von Aktivisten bereits mehr als 100.000 Menschen getötet.

ler/AFP

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insgesamt 232 Beiträge
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1.
stereopath 23.07.2013
Da sieht man mal, wie lächerlich die Behauptungen sind, das ganze sei eine westl. Verschwörung, um militärisch eingreifen zu können.
2. Nicht tödliche Ausrüstung?
prometheus2000 23.07.2013
Haha, der Gegner schießt, trifft meine Weste, ich schieße, der Gegner ist tot. Sehr nicht-tödliche Ausrüstung...
3. ...
erasmus89 23.07.2013
Wie wäre es, wenn die Amerikaner nicht die ganze Zeit über einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg diskutieren, sondern sich mal wie die Russen unter dem pösen pösen Diktator Putin um eine politische Lösung bemühen. Wann haben die USA das mal geschafft?
4. ....
janne2109 23.07.2013
hoffentlich steigen wir dabei in keiner Form ein, man lese über die Abzugskosten der Deutschen in Afghanistan.
5.
Obi-Wan-Kenobi 23.07.2013
Ein gutes hat die Finanzkrise. Jetzt müssen sich sogar die USA im Vorfeld überlegen ob sie sich einen Krieg leisten können. LIKE :-)
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Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
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Regierungschef: Imad Khamis

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