Bürgerkrieg USA und Großbritannien stoppen Hilfe für syrische Rebellen

Washington und London liefern Ausrüstung im Wert von 200 Millionen Euro an syrische Rebellen. Weil die Islamisten in Syrien immer mächtiger werden, fürchten Briten und Amerikaner, dass die Fahrzeuge und Geräte in falsche Hände geraten. Deshalb setzen beide Staaten ihre Unterstützung vorerst aus.

Syrischer Rebell in Aleppo: Die Islamisten gewinnen an Boden
AFP

Syrischer Rebell in Aleppo: Die Islamisten gewinnen an Boden


Washington/London - Im Norden Syriens sind radikale Islamistengruppen auf dem Vormarsch. In den vergangenen Wochen haben Einheiten der im November gegründeten Islamischen Front mehrere Stellungen der gemäßigten Freien Syrischen Armee (FSA) übernommen. Deshalb haben die USA und Großbritannien ihre Hilfen für die Aufständischen gestoppt.

"Wegen dieser Situation haben die USA die Lieferung nicht-tödlicher Unterstützung in den Norden Syriens ausgesetzt", bestätigte Josh Earnest, Sprecher des Weißen Hauses, am Mittwoch in Washington. Auch ein Sprecher der britischen Botschaft in Ankara sagte, es gebe keine Pläne zur Lieferung weiterer Ausrüstung, solange die Situation unklar sei.

Die Islamische Front, ein Bündnis von sieben islamistischen Rebellengruppen, hatte am Samstag Munitionsdepots anderer Aufständischer nahe der türkischen Grenze eingenommen. Wegen der Kämpfe in der Grenzstadt Bab al-Hawa schloss die Türkei am Mittwoch bis auf weiteres den Grenzübergang.

FSA kritisiert Entscheidung von USA und Großbritannien

Die USA und Großbritannien unterstützen die FSA bislang mit Fahrzeugen und Kommunikationsgeräten, nicht aber mit Waffen oder Munition. Andere radikalere Gruppen werden nicht unterstützt. Die Hilfe wird im Wesentlichen über die Türkei geliefert, die ebenfalls die Rebellen im Kampf gegen Machthaber Baschar al-Assad unterstützt. Seit Monaten beobachtet der Westen mit Sorge, dass die FSA im syrischen Bürgerkrieg zunehmend gegenüber radikalen Islamisten wie der Nusra-Front an Boden verliert, die jedoch nicht der Islamischen Front angehört.

FSA-Sprecher Luai Mikdad rief die Regierungen in Washington und London auf, ihre Entscheidung zu überdenken. Auch wenn die Islamische Front sich von der FSA abgespalten habe, kämpfe man weiterhin gemeinsam gegen Assad. "Wir glauben, dass diese Brigaden unsere Brüder sind. Sie wissen, dass wir nicht ihr Feind sind."

Insgesamt wollten die USA und Großbritannien in diesem Jahr Ausrüstung im Wert von etwa 205 Millionen Euro an die Freie Syrische Armee liefern.

syd/AFP

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