Kriegsberichterstattung Bush kaufte TV-Militärexperten

Zahlungen - und ein Appell ans Pflichtgefühl: Die US-Regierung hat laut "New York Times" Militärexperten führender US-Fernsehsender massiv beeinflusst. So wurde die Berichterstattung über Themen wie den Irakkrieg oder das Gefangenenlager Guantanamo im Sinne des Weißen Hauses gesteuert.


Washington - Nach dem Bericht der "New York Times" hat die Regierung Bush nicht nur an das Pflichtgefühl der Berater appelliert, sondern auch Gelder fließen lassen. Bei den TV-Experten handelt es sich zumeist um hochrangige Militärs im Ruhestand.

Robert S. Bevelacqua, der früher für Fox News arbeitete, bestätigte entsprechende Beeinflussung - die Experten sollten wie eine Art Bauchredner funktionieren. Kenneth Allard, ein früherer NBC-Experte, sprach von einer detailliert ausgearbeiteten Informationsoffensive. "Das war ein abgestimmtes, aktives Vorgehen."

Bryan Whitman, ein Sprecher des Pentagon, verteidigte in dem Bericht das Vorgehen. "Der Sinn und Zweck davon war nichts anderes als der ernsthafte Versuch, die amerikanischen Bürger zu informieren." Allerdings sagte er auch, es sei unvorstellbar, dass man ehemalige Militärangestellte als Marionetten einsetzen könne.

Viele dieser Fachleute unterhalten der Zeitung zufolge neben ihrer Tätigkeit für das Fernsehen auch Verbindungen zu militärischen Unternehmen. Diese Firmen seien genau in den Bereichen aktiv gewesen gewesen, über die die Experten auch im Fernsehen sprachen.

Über die Tätigkeit der Experten als Lobbyisten, Berater oder Geschäftsführer in Unternehmen seien die Fernsehzuschauer nicht informiert worden. Die Medien hätten für ihr Streben nach Insider-Informationen und einem besseren Zugang zum Militär einen hohen Preis zahlen müssen, heißt es in dem Beitrag.

jul/AFP



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