Kriegsführung USA bereiten Cyberwar vor

George W. Bush hat eine Vision: Krieg führen künftig nicht mehr US-Soldaten im Feindesland, die dabei ihr Leben riskieren, sondern Computerexperten, die in ihren Schaltzentralen in den USA sitzen und per Knopfdruck die Infrastruktur eines gegnerischen Landes lahm legen. Mögliches erstes Ziel: der Irak.


Oberster Kriegsherr der USA: Präsident Bush
DPA

Oberster Kriegsherr der USA: Präsident Bush

Hamburg - Nach einem Bericht der "Washington Post" hat der Präsident die Regierung bereits im vergangenen Juli angewiesen, die Möglichkeiten von Cyber-Attacken gegen feindliche Computer-Netzwerke auszuloten. Die geheime Anweisung verlangt Richtlinien, wie und unter welchen Umständen ein "Krieg der Computer" geführt werden kann. Bislang, so schreibt die Zeitung unter Berufung auf Regierungsinterna, haben die USA noch keine größeren Angriffe dieser Art gestartet.

Das Pentagon entwickle jedoch bereits Cyber-Waffen - in der Hoffnung, dass eines Tages Elektronen den Job von Bomben übernähmen und ermöglichten, Feinde schneller und mit weniger Blutvergießen auszuschalten. Statt Soldaten und Flugzeuge ins Feindesland zu schicken, schweben den Militärstrategen des US-Verteidigungsministeriums Soldaten an Computerterminals vor, die sich unbemerkt in ausländische Netzwerke einhacken, um dort Radaranlagen abzuschalten, die Stromversorgung zu unterbrechen und das Telefonnetz lahm zu legen.

Unklar ist, wie weit die Entwicklung dieser neuen Art der Kriegsführung bereits gediehen ist. Zumindest sei nach monatelangen Diskussionen mit dem Pentagon, der CIA, dem FBI und der National Security Agency noch einiges zu tun, so die "Washington Post". Auch gebe es keine Hinweise darauf, ob die Cyber-Strategie schon bei einem Krieg gegen den Irak zum Einsatz komme. Jedenfalls habe Bush die Direktive genau in der Zeit unterschrieben, in der die US-Regierung einen Feldzug gegen Saddam Hussein enger ins Auge gefasst habe.



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