Kriegsgefahr: Ausgangssperre über Tetovo verhängt

Die kriegerischen Auseinandersetzungen in Tetovo spitzen sich weiter zu. Unweit des deutschen Kontingents haben die mazedonischen Truppen Mörser in Stellung gebracht und auf Positionen der UCK gefeuert.

Bereit zur Verteidigung: Deutscher KFOR-Soldat vor der Kaserne in Tetovo
REUTERS

Bereit zur Verteidigung: Deutscher KFOR-Soldat vor der Kaserne in Tetovo

Tetovo/Skopje/Berlin/Brüssel - Am Sonntagabend rückten die albanischen Freischärler an den Stadtrand der seit Tagen umkämpften Stadt Tetovo vor und beschossen Polizeistellungen in der Innenstadt. Mazedonische Regierungstruppen setzten schwere Waffen ein, um die Rebellen zurückzuwerfen. Die Regierung in Skopje verhängte über Tetovo eine nächtliche Ausgangssperre. Außerdem ordnete sie die Mobilisierung von Reservisten an. Albaner machen in Mazedonien schätzungsweise ein Drittel der Bevölkerung aus, offiziell wird ein Anteil von 23 Prozent genannt.

Am Freitagabend war die Kaserne des deutschen KFOR-Kontingents unter Beschuss geraten, ohne dass es Opfer gab. Die Bundesregierung bot Mazedonien Unterstützung gegen die Albaner-Guerilla an. Sie warnte zugleich die Angreifer scharf vor Übergriffen auf die Bundeswehrsoldaten im deutschen KFOR-Nachschublager in Tetovo. Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping erklärte am Sonntag im "Deutschlandfunk", es dürfe nicht sein, dass die Bundeswehr Teil des Konflikts werde.

Der Stützpunkt Tetovo wurde durch schweres Gerät verstärkt, darunter Panzer vom Typ Leopard II. Etwa die Hälfte der 1200 deutschen Soldaten wurde in ein sichereres Lager außerhalb der Stadt verlegt. Bundesaußenminister Joschka Fischer forderte die mazedonische Regierung auf, "den Dialog mit der gemäßigten albanischen Bevölkerung zu intensivieren, ihre legitimen Anliegen aufzugreifen und in Reformen umzusetzen".

Der mazedonische Außenminister Srdjan Kerim wird am Montag in Brüssel zum Treffen der EU-Außenminister erwartet. Die Nato hat betont, sie sei von Mazedonien nicht um Unterstützung gegen die albanische Untergrundarmee UCK gebeten worden. Der Weltsicherheitsrat versprach Skopje Hilfe gegen die Kämpfe.

DER SPIEGEL
Mazedonische paramilitärische Polizei brachte am Sonntag neben der Kaserne in Tetovo, in der neben dem Bundeswehrkontingent auch mazedonische Soldaten untergebracht sind, Mörser in Stellung, aus denen im Minutenabstand auf die Positionen der UCK ("Nationale Befreiungsarmee") gefeuert wurde. Der deutsche KFOR-Sprecher Arne Pollei nannte das Vorgehen der Mazedonier "nicht sonderlich zweckmäßig". Die Albaner-Guerilla hat sich vor allem in den Bergen rund um Tetovo verschanzt.

Die seit dem vergangenen Mittwoch andauernden Kämpfe haben viele Bewohner der Gegend um Tetovo in die Flucht geschlagen. Die neuen Kämpfe am Sonntag lösten eine neue Flüchtlingswelle aus. Allein am Sonntagvormittag wurden an einem Grenzübergang nach Serbien bei Bujanovac mehr als 350 Flüchtlinge registriert. Andere schlossen sich aus Angst in ihren Häusern ein. Die Straßen Tetovos waren menschenleer.

UCK-Sprecher "Sokoli" sagte am Sonntag in Tetovo: "In jeder unserer Hochburgen gibt es mindestens 60 Neuzugänge. Wir sind jetzt nicht nur um Tetovo stark positioniert, sondern auch in der Region um Kumanovo und bei Skopje." Auch in städtischen Gebieten stünden Untergrundgruppen bereit, betonte "Sokoli", der auch erstmals Opfer einräumte. Ein UCK-Kämpfer sei getötet worden. Die Zahl der Verletzten liege bei sieben. Die Verluste der Gegner hatte die UCK am Samstag mit elf Toten und 18 Verletzten angegeben. Eine Bestätigung mazedonischer Behörden gab es nicht.

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