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Kriegsgefahr: Fischer warnt USA vor Angriff auf Iran

Aus Abu Dhabi berichtet

"Wir sollten einen weiteren dummen Schritt vermeiden": Mit drastischen Worten warnt Ex-Außenminister Joschka Fischer vor einem US-Militärschlag gegen Iran. Ein Krieg hätte schlimmere Folgen als der Irak-Feldzug, Bomben auf Teheran wären ein "Rezept für ein Desaster".

Abu Dhabi - Der Sonntagabend war für Joschka Fischer Routine in seinem neuen Leben als Gastprofessor und eifriger Vortragsreisender. Für zwei Tage war der deutsche Außenminister a. D. in der Golfregion eingeschwebt, um einen Vortrag über sein Lieblingsthema zu halten: die neue Weltordnung, in seiner neuen Amtssprache natürlich "the new world order". Dazu hatte ihn das Zentrum für strategische Studien der Emirate in Abu Dhabi eingeladen. Fischer kam gern - und er sprach offen, wie man ihn in seiner Zeit als Außenminister selten gehört hat.

Vor Diplomaten, Politwissenschaftlern und einigen Journalisten sprach "Seine Exzellenz", wie ihn die Organisatorin anredete, über die allgemeinen Weltläufe - und die drängende Sorge vor einem möglichen US-Angriff auf Iran. Jeden Tag gibt es neue Schlagzeilen über den US-Aufmarsch am Golf. So sehr verdichten sich die Gerüchte, dass am Samstag ein hoher US-General Journalisten aus den Emiraten einlud, um sie zu überzeugen: Die USA planten keinen Krieg.

Fischer nutzte die Chance, sich in Abu Dhabi eindeutig zu positionieren. "Ein Angriff auf Iran hätte sehr negative Konsequenzen für die ganze Welt", warnte er. "Die Auswirkungen wären größer als die des Irak-Kriegs." Der Streit um das Atom-Programm Teherans könne "nicht mit militärischen Bewegungen gelöst" werden. "Die Probleme werden dadurch eher noch schlimmer", prophezeite der Polit-Rentner vor seinen Gästen.

Wahlkampf mit zwei Krisen

An die USA richtete Fischer, seit einigen Monaten Gastprofessor an der Elite-Universität Princeton, deutliche Worte: "Wir sollten einen weiteren dummen Schritt vermeiden", sagte er in Anspielung auf den Militär-Schlag gegen den Irak. "Alle relevanten Mächte dieser Welt würden in den Konflikt gezogen und darin stecken bleiben", lautet Fischer Prognose. Aus seiner Sicht sei jegliche militärische Intervention nur "ein Rezept für ein neues Desaster".

Man merkt Fischer an, dass er in den USA lebt, wo ein Militärschlag gegen den Iran in vielen Medien praktisch schon geplant wird. Jeden Tag, so berichtete er, werde in Washington über die Zukunft der Irak-Mission gesprochen und über Teheran. "Beide Themen werden den Wahlkampf bestimmen, das ist schon jetzt sicher", sagte Fischer.

Seine bissige Ironie verlor der Ex-Grünen-Chef trotz des ernsten Themas nicht. Das Nein der Deutschen zum Irak-Krieg hatte damals in den USA harte Kritik hervorgerufen. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld riet den Deutschen damals, nicht tiefer zu graben, wenn man schon in einem Loch sitze. Fischer konterte nun, die USA sollten dieselbe Lehre ziehen. "They should not dig deeper and deeper, I guess", sagte er in seinem auf englisch gehaltenem Vortrag.

"Teheran hat Angst vor der Isolation"

Vielmehr verlangte Fischer beim Umgang mit Irans Atom-Plänen ein konzertiertes Vorgehen aller beteiligten Länder. "Die ökonomischen Maßnahmen treffen Iran sehr hart, wenn ich richtig informiert werde. Wir sollten damit endlich ernst machen." Nur so könne man Verhandlungen mit Iran erreichen. Auch Washington müsse zu Verhandlungen mit Teheran bereit sein. "Die USA müssen erkennen, dass Gespräche nicht die Aufgabe unserer Ziele bedeuten."

Im Herbst vergangenen Jahres hatte Fischer in Teheran die Positionen ausgelotet. Jetzt gab er sich optimistisch, dass das Regime einlenken werde. "Die Regierenden haben große Angst vor einer Isolation. Deshalb sollten wir weiter nach vorne gehen und Druck ausüben."

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