Kriegsherr Bush Bloß nicht in die Fußstapfen des Vaters treten

George W. Bush schwimmt seit dem 11. September auf einer Welle allgemeiner Anerkennung. Das amerikanische Volk schätzt seinen Präsidenten für das harte Vorgehen in Afghanistan. Doch Berater bezweifeln, dass die Sympathie von Dauer ist, und erinnern an Bush senior.


Präsident Bush: Wie lange hält er sich in der Gunst der Amerikaner oben?
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Präsident Bush: Wie lange hält er sich in der Gunst der Amerikaner oben?

Washington - Es ist eine Premiere für den Präsidenten: Zum ersten Mal wird Bush am Dienstag vor dem Kongress die offizielle Rede zur Lage der Nation halten. Der Inhalt der Ansprache dürfte den Zuhörern vertraut sein: der Kampf gegen den Terrorismus und der Schutz der US-Bürger vor weiteren Anschlägen. Neues ist hier nicht zu erwarten.

Bushs Popularität hat Rekordwerte erreicht, sein Auftritt als Oberbefehlshaber einer Krieg führenden Nation hat die Besorgnis wegen der kränkelnden Wirtschaft bislang überdecken können. Um sich die Sympathie der Amerikaner langfristig zu sichern, müsse Bush der Nation in seiner Rede nun einen mutigen Plan für die nächsten Vorhaben seiner Präsidentschaft präsentieren, glauben Berater.

Nach deren Angaben wird Bush die Rede am Dienstagabend dazu nutzen, um:

  • die nächste Phase im Antiterrorkrieg zu skizzieren. Republikanische Parteifreunde berichten, Bush werde ankündigen, dass der Krieg gegen den Terror mit allen Mitteln geführt werden müsse, um die Feinde Amerikas zu besiegen.
  • der Öffentlichkeit zu versichern, dass die Regierung alles tut, um weitere Terroranschläge zu verhindern.
  • neue Arbeitsplätze zu versprechen. Nach dem Enron-Desaster werde der Präsident von Firmen mehr Transparenz in Finanzangelegenheiten fordern, heißt es in Washington.

"Wir arbeiten an der Schaffung von Jobs und der Wiederherstellung unserer wirtschaftlichen Stärke. Wir werden unser Volk auf jede notwendige Art und Weise schützen, und wir werden die Kampagne gegen den internationalen Terrorismus weiterführen, bis wir unser Ziel erreicht haben: den Frieden, der sich auf den Sieg gründet", erklärte Bush am Samstag in seiner wöchentlichen Radioansprache.

Der Demokrat Dane Strother bescheinigt dem Präsidenten "brillante Arbeit", was die Kriegsführung in Afghanistan angeht. Umfragen zufolge ist die Mehrheit der Amerikaner der Ansicht, dass die Anschläge vom 11. September das Land dauerhaft verändert haben, und zwar zum Besseren. "Aber er muss die Wirtschaft und die Sorgen der Menschen ansprechen", mahnt Strother. Bush will den Fehler seines Vaters vermeiden, der als Präsident während des Golfkrieges hohe Zustimmungsraten hatte und dann in der Wählergunst jäh abfiel, weil er in der Innen- und Wirtschaftspolitik nicht punkten konnte.

"Unser Kampf gegen den Terrorismus hat in Afghanistan begonnen, doch er wird nicht dort enden", sagte Bush am Samstag. Ob er in seiner Rede am Dienstag einzelne Länder als Ziele nennen wird, ist ungewiss. Immer wieder fiel der Name Irak als mögliches nächstes Angriffsziel. Erst in der vergangenen Woche bezeichnete Bush eine amerikanische Militäraktion im Irak als Option. Die US-Regierung hat angekündigt, Truppen in jedes Land zu schicken, das bei der Bekämpfung von Terrornetzwerken um Unterstützung bittet. Auf den Philippinen beteiligen sich derzeit mehrere hundert US-Soldaten am Kampf gegen die Extremisten der Abu Sayyaf. Denkbar wären auch Einsätze in Indonesien oder Malaysia.



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