Kriegsschrott in Laos: Gartenzäune aus Fliegerbomben

Aus Pho Viang berichtet Jürgen Kremb

Auf kein Land der Erde fielen mehr Bomben als auf Laos zur Zeit des Indochina-Krieges. Unzählige Blindgänger aus amerikanischen Splitterbomben, verborgene Minen und Sprengsätze behindern noch immer den zaghaft einsetzenden Wirtschaftsboom. Doch einige Menschen leben vom tödlichen Kriegsschrott.

Phonsavan - Ob es schwer ist, eine 5000-Kilo-Bombe zu entschärfen? "Was für eine dumme Frage", lacht Bhoon Me, 50, aus dem Dorf Pho Viang, auf der legendären Ebene der Tonkrüge gelegen. "Ich habe es schon als Kind gelernt." Man braucht nur eine Harke, eine ruhige Hand und ziemlich viel Mut. Als Teenager zog der drahtige Mann nur "zwei, dreimal zum Lernen" mit älteren Nachbarn in den nahen Wald.

Denn dort, in den Phukut Dschungelbergen, gut 300 Straßenkilometer von der Hauptstadt Vientiane entfernt, lag Ende der sechziger Jahre das Epizentrum des geheimen Kriegs der USA in Indochina. Bei Flächenbombardements mit B-52-Bombern gingen mit 2,5 Tonnen pro Kopf auf die Bevölkerung von Laos mehr Sprengsätze nieder, als auf jedes andere Land der Erde. Eine verlässliche Zahl über die Todesopfer gibt es bis heute nicht. Doch allein im 50-Kilometerradius um die berühmten archäologischen Fundstätten herum sollen mehr als 50.000 Menschen gestorben sein.

Was damals ein Fluch für die Bevölkerung war, garantierte in den vergangenen Jahren, so makaber das klingen mag, zumindest ein bescheidenes Grundeinkommen. "Der Wald da draußen", sagt Bhoon und zeigt auf die schroffe Hügelkette hinter seiner Hütte, "ist noch immer gepflastert mit Bombentrichtern, Blindgängern und Metallschrott."

Ein Dollar für fünf Kilogramm Bombenschrott

Nachdem Bhoon nach dem Ende des Indochina-Krieges bei den älteren Dorfbewohnern das Entschärfen von Bomben gelernt hatte, lebte er Jahre von dem gefährlichen Handwerk. Das so gewonnene Altmetall verkauft er an durchreisende Händler, die aus Vietnam oder China in das noch immer bitterarme Laos kommen. Sie zahlen knapp einen Dollar für fünf Kilogramm Bombenschrott.

Das meiste Geld verdienen Männer wie Bhoon mit den gut zwei Meter großen Halbschalen der amerikanischen "Clusterbombs", den gefürchteten Splitter- oder Streubomben. Millionen von diesen Ungetümen warfen die US-Flieger über der Provinz Xieng Khang im Zentrum des Landes ab. Dass aus dem Bauch jeder dieser todbringenden Monster bis zu 900 sogenannte "Bombies" regneten, macht die Arbeit der Metallsammler auch heute noch besonders gefährlich.

Denn gut ein Drittel der faustgroßen Sprengkörper, die der Form von Ananasfrüchten oder Mangos nachempfunden wurden, sind nie detoniert und haben sich bis zu einen halben Meter tief in Felder und Waldböden gebohrt. Wenn sie von Bauern, Kindern oder Metallsammlern berührt werden, können sich auch heute noch einen todbringenden Regen von mehreren Hundert nur reiskorngroßen Splittern entladen.

"Wenn etwas schief geht, komme ich ins Paradies"

Aber über diese Gefahr spricht man hier ungern. Bhoon hat Frau und vier Kinder. "Wenn etwas schief geht, komme ich direkt ins Paradies", sagt er und lacht. Einige seiner Freunde und Nachbarn haben bei der Arbeit ihr Leben verloren oder wurden schwer verstümmelt.

Was Bhoon jedoch mehr Sorgen bereitet, ist die zunehmende Konkurrenz junger Schrottsammler und die damit einhergehende Verknappung des eigenartigen Rohstoffs Bombenschrott. "Seit die Metallpreise so hoch sind", sagt der Mann, "muss man jetzt immer weiter ziehen, um noch gute Stücke zu finden."

Von seinem ersparten Geld hat der wagemutige Mann sich deshalb eine kleine Reifenwerkstatt aufgebaut. Der Kompressor, mit dem er die Pneus aufpumpt, ist aus einer 750-Pfund-Bombe gefertigt. Wie viele seiner Nachbarn legt sich Bhoon den Metallschrott zudem als eine Art Sparkonto vor sein Haus. Sein Gartenzaun besteht aus den Hüllen der Splitterbomben. Ein entschärfter Blindgänger dient als Sitzgelegenheit. "Wenn meine Töchter heiraten", sagt er, "werde ich das Stück um Stück verkaufen, um ihre Aussteuer zu finanzieren."

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