Den Haag - Der Internationale Strafgerichtshof hat Ermittlungen wegen Kriegsverbrechen in Mali eingeleitet. Seit Beginn des Konflikts im Januar 2012 seien die Bürger in Nordmali Opfer extremer Gewalt geworden, sagte die Chefanklägerin Fatou Bensouda. Sie nannte Mord, Verstümmelungen, Folter, Exekutionen, Vergewaltigung und Plünderungen. "Einige dieser Taten von Brutalität und Zerstörung sind möglicherweise Kriegsverbrechen."
Bensouda kritisierte, dass verschiedene bewaffnete Gruppen Terror gesät und der Bevölkerung extreme Gewalt und Leid zugefügt hätten. Dem Internationalen Strafgerichtshof lägen Hinweise darauf vor, wonach Einzeltäter oder Gruppen für die mutmaßlichen Kriegsverbrechen verantwortlich seien. Die Anklage des Weltstrafgerichtes hatte auf Ersuchen der Regierung von Mali Berichte über extreme Gewalt in dem afrikanischen Land seit Juli 2012.
Die Ermittlungen sollen sich auf die nördlichen Regionen des Landes konzentrieren. Gerechtigkeit könne die internationalen Bemühungen um Frieden unterstützen, betonte die Chefanklägerin. "Die internationalen Verbrechen, die in Mali begangen wurden, haben das Bewusstsein der Menschheit tief schockiert."
Nach einem Putsch im März vergangenen Jahres hatten islamistische Gruppen begonnen, den Norden Malis zu erobern. Nach Uno-Angaben flüchteten etwa 144.500 malische Bürger in die Nachbarländer, zudem gebe es 230.000 Binnenvertriebene. Seit Ende vergangener Woche geht die französische Armee gegen die islamistischen Rebellen vor.
Ein Vertreter der malischen Armee sagte der Nachrichtenagentur AFP, dass die Islamisten in Mali Kindersoldaten einsetzen und Zivilisten als menschliche Schutzschilde gegen Angriffe benutzen würden. Dies sei etwa in der von Islamisten kontrollierten Stadt Diabali rund 400 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bamako der Fall.
In Diabali lieferten sich französische Spezialtruppen am Mittwoch Nahkämpfe mit den Islamisten. Die Kindersoldaten und die Gefahr für Zivilisten machten den Einsatz "komplizierter für uns", sagte der malische Armeevertreter. Bereits am Dienstag hatte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch die Islamisten aufgefordert, unverzüglich auf den Einsatz von Kindersoldaten zu verzichten.
lei/dpa/AFP
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