Prozess wegen Kriegsverbrechen: Uno-Tribunal spricht Charles Taylor schuldig

Er galt als einer der brutalsten Warlords Afrikas, jetzt ist Liberias Ex-Präsident Charles Taylor wegen Kriegsverbrechen von einem Uno-Sondertribunal schuldig gesprochen worden. Das Strafmaß ist noch offen - Taylor droht lebenslange Haft.

Den Haag - Liberias früherer Präsident Charles Taylor ist von einem Uno-Tribunal wegen Kriegsverbrechen für schuldig befunden worden. Taylor hat laut Anklage im Nachbarland Sierra Leone blutrünstige Rebellen unterstützt und dafür sogenannte Blutdiamanten bekommen, erklärte Richter Richard Lussick. Das Strafmaß muss der Sondergerichtshof noch festlegen. Taylor droht lebenslange Haft.

Der Warlord war in elf Punkten angeklagt, darunter Mord, Rekrutierung von Kindersoldaten und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Er soll in Sierra Leone die brutale Rebellengruppe "Revolutionäre Vereinigte Front" (RUF) mit Waffen ausgerüstet haben. Ihm wird vorgeworfen, die Rebellen während des Bürgerkriegs in Sierra Leone mit Waffen versorgt zu haben. Die Rebellen sollen ihn mit Diamanten bezahlt haben. Bei dem Krieg wurden zwischen 1991 und 2001 etwa 120.000 Menschen getötet.

Taylor ist der erste frühere afrikanische Staatschef, der sich vor einem internationalen Gericht verantworten muss. Er war 2006 festgenommen worden. Das Verfahren wurde im Juni 2007 eröffnet. Taylor hatte sich in allen elf Anklagepunkten, darunter Mord, Vergewaltigung und die Rekrutierung von Kindersoldaten, für nicht schuldig erklärt.

Teenager mit Hilfe von Drogen als Kämpfer eingesetzt

Anklägerin Brenda Hollis hatte Taylor in ihrem Plädoyer direkt für die Grausamkeiten in Sierra Leone verantwortlich gemacht. Sie warf ihm vor, blutrünstige Rebellen "erschaffen und kontrolliert" zu haben. Für Waffenlieferungen habe er sich von den Mörderbanden der Revolutionären Vereinigten Front (RUF) mit geraubten Rohdiamanten bezahlen lassen.

Mit Taylors Billigung habe die RUF Dorfbewohner terrorisiert, unzähligen Menschen Gliedmaßen abgehackt, junge Mädchen zu Sexsklavinnen gemacht und Teenager zwangsweise und mit Hilfe von Drogen als Kämpfer eingesetzt.

Taylor hatte die Anklage als "Sammlung teuflischer Lügen" bezeichnet. Der Ex-Präsident wies zuvor auch Angaben zurück, wonach er dem britischen Supermodel Naomi Campbell Rohdiamanten geschenkt haben soll. Campbell hatte im vergangenen Sommer bei einem stark beachteten Auftritt vor dem Tribunal erklärt, ihr sei 1997 nach einem Galadinner in Kapstadt von einem Boten ein Päckchen mit Rohdiamanten übergeben worden. Sie könne aber nicht mit Sicherheit sagen, ob es der damalige Präsident Liberias geschickt habe.

fab/dpa

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Es laufen noch genug frei herum!
pförtner 26.04.2012
Speert ihn gut weg und last ihn nicht entkommen.Auch haltet schon mal eine Zelle für den Mörder Assad frei.
2. Der Gerichtshof für Menschrechte
theodorheuss 26.04.2012
Zitat von sysopEr galt als einer der brutalsten Warlords Afrikas, jetzt ist Liberias Ex-Präsident Charles Taylor wegen Kriegsverbrechen von einem Uno-Sondertribunal schuldig gesprochen worden. Das Strafmaß ist noch offen - Taylor droht lebenslange Haft. Prozess wegen Kriegsverbrechen: Uno-Tribunal spricht Charles Taylor schuldig - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,829871,00.html)
in Straßburg scheint mir völlig aus der Spur zu laufen. Sollte das UNO Sondertribunal auf dem Boden der Tatsachen stehen und nachvollziehbare Urteile fällen? Ich würde es mir sehr wünschen!
3.
bodenseekind 26.04.2012
Journalistensprache besitzt eben ihre ganz eigenen Manierismen. Einem Kriegsverbrecher "droht" lebenslange Haft. Was ist denn daran bedrohlich für ihn? Hat ein Mann mit einer solchen Biografie nicht selbst bereits jederzeit damit gerechnet, dass er irgendwann bestraft wird? WEM "droht" da WAS? Was ist seine lebenslange Strafe verglichen mit dem Leid, der Liste der Grausamkeiten, die zu verantworten in der Waagschale liegt? Taylor "droht" gar nichts - es geht ihm vergleichsweise sehr gut. Lebenslange Haft ist humane Strafe für diese Biografie der Brutalität.
4. Leider nicht geisteskrank
derdriu 26.04.2012
Ich freue mich über das Urteil. Trotzdem ist es irgendwie... zu spät. Taylor ist leider nicht geisteskrank. Dann könnte man sagen: "Der weiß es nicht besser!" Taylor aber ist absolut berechnend. Er ist egoistisch, geldgeil, bösartig,... Er MUSS wissen, was er den Menschen angetan hat und es war ihm egal! Für so eine Grausamkeit kann es keine angemessene Strafe geben. Das ist so menschenverachtend, da fehlen einem die Worte. Leider können wir nur noch darauf hoffen, dass er nicht die Chance bekommt, weiterzumachen und andere Staatschefs sehen, dass sie nicht unantastbar sind. Die Opfer haben vermutlich das erste Mal das Gefühl, dass die Welt ihr Leid anerkennt. Das ist für die Psyche ein kleiner Trost, aber körperlich haben es diese Menschen immer noch schwer zu überleben. In einem Land, in dem körperliche Arbeit fast die einzige Einnahmequelle ist, ist eine Behinderung schnell tödlich.
5. Unschuldig?
movfaltin 26.04.2012
Vorab: Ich halte Charles Taylor für schuldig. Dennoch war das kein rechtsstaatlicher Prozess, sondern ein reiner Schauprozess, wie wir ihn aus düsteren Zeiten kennen, ein Musterbeispiel von "wishful thinking". Eine saubere, weil nicht ideologisch vorverbrämte Analyse hat Stefan Klein in der SZ geliefert: (Link) (http://www.sueddeutsche.de/politik/schuldspruch-gegen-charles-taylor-das-gericht-hat-ueber-die-zweifel-hinweggelesen-1.1343032). Es ist ein Urteil, das - in der Form - nicht Schule machen darf; man sollte sich darüber hinaus auf einen UN-Dienst verständigen, der künftig schlagkräftige Beweise gegen Menschen- und Völkerrechtsvergehen vorzubringen beauftragt ist. In allen Ländern. Vorurteilsfrei und so transparent wie möglich.
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