Kriegsverbrecher-Tribunal Rätselraten um Gesundheitszustand von Mladic

Wie krank ist Ratko Mladic? Offenbar wurde der mutmaßliche Kriegsverbrecher in Den Haag operiert. Das Uno-Tribunal hält sich bedeckt, will aber den Völkermord-Prozess gegen den 69-Jährigen beschleunigen - "für den Fall einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes".

Ratko Mladic am 3. Juni 2011 vor dem Uno-Tribunal: "Erfolgreich operiert"
AP

Ratko Mladic am 3. Juni 2011 vor dem Uno-Tribunal: "Erfolgreich operiert"


Den Haag/Belgrad - Widersprüchliche Angaben nach einer Operation haben erneut Spekulationen über den Gesundheitszustand von Ratko Mladic befeuert. Der wegen Kriegsverbrechen angeklagte frühere bosnische Serbenführer ist nach Angaben seines Anwalts Milos Saljic wegen eines Bandscheibenvorfalls operiert worden, die Nachrichtenagentur dpa berichtete dagegen von einer Leistenbruch-Operation.

Die niederländische Nachrichtenagentur ANP berichtete unter Berufung auf den Belgrader Mladic-Anwalt Branko Lukic, der 69-jährige Angeklagte sei am Mittwoch "im Bronovo-Hospital in Den Haag erfolgreich operiert" worden. "Er kann das Krankenhaus am Freitag wieder verlassen", zitierte die Agentur Lukic. Mladic habe seiner Frau nach dem Eingriff telefonisch berichtet, dass alles gutgegangen sei, sagte Saljic in Belgrad.

Das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag (ICTY), vor dem Mladic der Prozess gemacht wird, bestätigte die Angaben zunächst nicht. Berichte, wonach der Ex-Serbenführer in eine Haager Klinik verlegt worden sei, wurden vom ICTY als "falsch" bezeichnet. Allerdings deutete ICTY-Sprecherin Nerma Jelacic an, dass Mladic stattdessen in der medizinischen Abteilung des Uno-Untersuchungsgefängnisses operiert worden sein könnte. In einer Erklärung hieß es lediglich, der Angeklagte habe den Gefängniskomplex im niederländischen Scheveningen nicht verlassen.

Zum Gesundheitszustand der Häftlinge mache das Tribunal grundsätzlich keine Angaben. Die ICTY-Sprecherin teilte jedoch mit, dass allen Angeklagten "die bestmögliche medizinische Behandlung gewährt wird, wenn dies erforderlich ist". Mladic selbst hatte zu Beginn seines Verfahrens am 3. Juni in öffentlicher Sitzung erklärt, er sei "ein schwer kranker Mann".

Staatsanwaltschaft will Verfahren beschleunigen

Die Staatsanwaltschaft beim ICTY hatte am Mittwoch eine Beschleunigung des Mladic-Verfahrens beantragt und als Grund unter anderem genannt, dass man "für den Fall einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes von Mladic zu planen" habe.

In einem ersten Prozess soll es um Mladics Rolle beim Massaker von Srebrenica gehen, bei dem im Juli 1995 fast 8000 muslimische Männer und Jungen von serbischen Soldaten ermordet wurden. Erst in einem möglichen zweiten Prozess soll es um andere ihm zur Last gelegte Kriegsverbrechen gehen, wie bei der Belagerung von Sarajevo und in anderen Orten Bosnien-Herzegowinas sowie bei der Geiselnahme von Uno-Personal.

Mladic war Ende Mai nach 16 Jahren auf der Flucht in Serbien gefasst und an das Uno-Gericht überstellt worden. Dem bosnisch-serbischen Ex-General werden in elf Punkten Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Die Taten soll er während des Bosnien-Krieges von 1992 bis 1995 begangen haben, dem etwa hunderttausend Menschen zum Opfer fielen.

lgr/dpa/AFP

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