Charles Taylor vor Kriegsverbrechertribunal 50 Jahre Haft für Liberias Ex-Diktator

Der viel beachtete Kriegsverbrecherprozess gegen Charles Taylor geht mit einer hohen Haftstrafe zu Ende: Liberias Ex-Diktator muss für 50 Jahre ins Gefängnis. Das Den Haager Tribunal bestraft ihn für Menschenrechtsverletzungen in Sierra Leone, wo er Rebellen zu Verbrechen anstiftete.


Addis Abeba/Den Haag - Er ist der erste frühere Staatschef seit den Nürnberger Prozessen, der von einem internationalen Gericht bestraft wird. Das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag hat Liberias früheren Diktator Charles Taylor am Mittwoch einstimmig zu 50 Jahren Gefängnis verurteilt. Da das Uno-Sondertribunal ihm die bereits abgesessene Zeit in Gewahrsam anrechnete, bleiben knapp 44 Jahre. Die Staatsanwaltschaft hatte 80 Jahre Haft gefordert.

Der Verurteilte sei für die Planung einiger der "hasserfülltesten Verbrechen der Menschheitsgeschichte" verantwortlich, sagte Richter Richard Lussick. Taylor, in einen schwarzen Anzug gekleidet, nahm das Urteil mit geschlossenen Augen entgegen.

"Blutdiamanten" als Gegenleistung der Rebellen

Der 64-Jährige war Ende April für schuldig befunden worden, im Nachbarland Sierra Leone die Rebellen der Revolutionären Vereinten Front mit Waffen unterstützt und zu Verbrechen angestiftet zu haben. Taylor wollte sich dadurch mit den sogenannten Blutdiamanten bereichern. Während des Krieges wurden in den Jahren 1991 bis 2001 etwa 120.000 Menschen getötet. In dem Konflikt mordeten, vergewaltigten und verstümmelten Milizen die Bevölkerung und zwangen Kinder zum Dienst als Soldaten.

Taylor war 2006 in Nigeria festgenommen worden. Das Verfahren mit mehr als hundert Zeugen war am 4. Juni 2007 eröffnet worden. Unter anderem sagten als Zeugen mehrere Prominente wie das britische Top-Model Naomi Campbell und Südafrikas Ex-Präsident Nelson Mandela vor dem Gericht aus. Campbell hatte einst nach einem Benefiz-Dinner in Kapstadt Diamanten geschenkt bekommen, die laut Anklage von Taylor stammten.

Während sich andere mutmaßliche Verantwortliche für Gräueltaten in Sierra Leones Hauptstadt Freetown verantworten müssen, fand der Prozess gegen Taylor aus Sicherheitsgründen in den Niederlanden statt.

Vor knapp zwei Wochen hatte Taylor eine letzte Gelegenheit erhalten, zu den Vorwürfen und dem Schuldspruch Stellung zu nehmen. Er stellte sich dabei als Opfer einer von den USA angeführten politischen Intrige des Westens dar und plädierte auf nicht schuldig. Er erklärte, er habe "alles für den Frieden" in Sierra Leone getan. Der Staatsanwaltschaft warf er vor, Zeugen gekauft und bedroht zu haben.

Wie die Anklage hat auch die Verteidigung Taylors die Möglichkeit, das Urteil und das Strafmaß anzufechten. Ein entsprechender Berufungsantrag muss innerhalb von 14 Tagen eingereicht werden.

als/hebdpa/Reuters



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insgesamt 12 Beiträge
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ehrensöldner 30.05.2012
1. Bravo!
Gut so, dass blutrünstige Diktatoren wie Taylor - wenn auch spät - für ihre Greueltaten büssen müssen. Und alle, die diesen menschnverachtenden Tyrannen wider besseren Wissens hofiert haben, sollten sich in Schande Asche über das Haupt streuen. Dazu gehören auch moderne Escort-Girls wie Naomi Campbell, die sich ihre Gunst (?) mit Blutdiamanten haben honorieren lassen. So eine Frau sollte man nie wieder für irgendeinen Laufsteg oder eine Beauty-Zeitschrift engagieren.
raphael666 30.05.2012
2.
Well done. Habe in Liberia gearbeitet und das Leid was Mr. Taylor angerichtet hat selbst erlebt. Ich begrüsse somit das Urteil vollstens und hoffe auf weitere Festnahmen und Verurteilung von Kriegsverbrechern wie z.B. Joseph Kony etc.
Layer_8 30.05.2012
3. Gut so!
Zitat von sysopAFPLiberias Ex-Diktator Charles Taylor muss für 50 Jahre ins Gefängnis. Das Kriegsverbrecher-Tribunal in Den Haag bestrafte ihn dafür, im Nachbarland Sierra Leone Rebellen mit Waffen unterstützt und zu Verbrechen angestiftet zu haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,835934,00.html
Und jetzt noch Bashar Al-Assad nach Den Haag! Da kann er sich wenigstens verteidigen
hubertrudnick1 30.05.2012
4. Die Liste ist lang
Zitat von Layer_8Und jetzt noch Bashar Al-Assad nach Den Haag! Da kann er sich wenigstens verteidigen
Die Liste derjenigen die sich dort auf der Anklagebank zu setzen hätten ist sehr lang, nur wird man es bei einigen wenigen unbedeutenden Dikatatoren belassen. HR
widder58 30.05.2012
5.
Zitat von sysopAFPLiberias Ex-Diktator Charles Taylor muss für 50 Jahre ins Gefängnis. Das Kriegsverbrecher-Tribunal in Den Haag bestrafte ihn dafür, im Nachbarland Sierra Leone Rebellen mit Waffen unterstützt und zu Verbrechen angestiftet zu haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,835934,00.html
In Syrien stiften der Westen, Saudi Arabien und Qatar Al-Quaida Rebellen, Salafisten und Terroristen zu Verbrechen an- und nicht nur das, man rüstet sie sogar noch aus. Wann dürfen wir die Verantwortlichen auf den Bänken in Den Haag erwarten?
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