Kriegsvorbereitungen USA planen den Enthauptungsschlag

Die USA planen offenbar den "Enthauptungsschlag": Der Krieg gegen den Irak soll nach Angaben von Pentagon-Mitarbeitern durch einen massiven Schlag schnell entschieden werden.


Verladung von Ausrüstung der 101. Luftlande-Division in Fort Campbell: Schneller Enthauptungsschlag
AP

Verladung von Ausrüstung der 101. Luftlande-Division in Fort Campbell: Schneller Enthauptungsschlag

Washington - Präsident George W. Bush traf sich nach einem Bericht der britischen Zeitung "The Guardian" gestern zu einem Gespräch mit US-Oberbefehlshaber Tommy Franks, um die Angriffspläne zu erörtern.

Die Strategie unterscheidet sich dem Bericht zufolge deutlich von der des letzten Golfkriegs: Statt mit wochenlangen Bombardements soll der Krieg sofort mit einer Invasion von Bodentruppen beginnen, um schnell entscheidende Stellen im Irak zu zerstören oder zu besetzen - eine Variante, die als "Enthauptungsschlag" bekannt wurde.

"Man wird der irakischen Führung die Fähigkeit nehmen wollen, mit Massenvernichtungswaffen zu antworten, Dämme zu sprengen, Ölfelder anzuzünden oder Scud-Raketen auf Nachbarländer zu feuern", sagte ein Beamter des US-Verteidigungsministeriums der Zeitung. "Und man wird Saddam sofort in Bagdad und Tikrit festnageln."

Mittlerweile verfügen die USA in der Golfregion über rund 130.000 Soldaten, fünf Flugzeugträger und 500 Flugzeuge. Doch verschiedene Einheiten, die eine entscheidende Rolle in den Angriffsplänen spielen sollen, wurden gerade erst auf den Weg geschickt. Unter ihnen befinden sich etwa die 101. Luftlandedivision, die dem Bericht zufolge Ölfelder und Staudämme sichern soll.

Die weltweit größte mobile Luftlande-Einheit wurde erst gestern in Richtung Irak eingeschifft. Marine-Vertreter sagten dem "Guardian", es werde mehrere Tage dauern, das schwere Gerät an Bord der Schiffe zu verfrachten und weitere drei Wochen, ehe es im Irak angekommen sei. "Die 101. Luftlandedivision ist genau das, was man braucht, um Ziele tief im Innern des Irak zu treffen", sagte Pentagon-Berater Daniel Gouré dem Blatt. Allerdings werde die Einheit erst Mitte März einsatzbereit im Irak sein.

Zu dieser Zeit aber ist Vollmond - was einem Angriff widersprechen würde, da Kriege mit Bodentruppen traditionell eher bei Neumond eröffnet werden. Zudem sind Pentagon-Beamte dem Bericht zufolge der Ansicht, dass die US-Regierung einem vernichtenden Schlag den Vorzug gegenüber einem schleppenden Start in den Krieg geben werde. "Wir haben den stufenweisen Einsatz von Gewalt im Kosovo praktiziert, doch das hat den serbischen Widerstand nur verstärkt", sagte ein Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums.

Gouré erklärte, die zögerliche Haltung einiger Golf-Anrainerstaaten habe den Truppenaufmarsch verzögert. Nicht zuletzt deshalb hätte sich die US-Regierung so intensiv um Unterstützung der Uno bemüht.



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