Krise auf der Krim Bewaffnete ziehen von ukrainischer Militärbasis ab

Die Ukraine wirft moskautreuen Einheiten die Übernahme einer Kaserne vor: Russisch sprechende Uniformierte stürmten eine Militärbasis, zogen sich aber später wieder zurück. Bundeskanzlerin Merkel und US-Präsident Obama fordern den Abzug russischer Soldaten von der Krim.


Washington/Kiew - Moskautreue Kämpfer haben sich aus einer ukrainischen Kaserne auf der Krim zurückgezogen, die sie zuvor gestürmt hatten. Eine Gruppe von etwa 20 Bewaffneten habe sich mit einem Lastwagen Zugang zu dem Areal nahe der Hafenstadt Sewastopol verschafft, teilten die Behörden in Kiew laut der Agentur Interfax mit.

Offenbar fielen keine Schüsse. Ein Korrespondent der britischen Zeitung "Daily Telegraph" und ein Reporter der Nachrichtenagentur Reuters berichteten, die Uniformierten seien später wieder abgezogen.

Das Motiv der Angreifer ist unklar. Nach übereinstimmenden Berichten mehrerer Reporter wurde bei Zusammenstößen ein Journalist verletzt. Der moskautreue Krim-Regierungschef Sergej Aksjonow widersprach Vorwürfen, prorussische Uniformierte hätten einen Konflikt provoziert oder Journalisten angegriffen.

Die Episode ist die jüngste im Machtspiel um die ukrainische Halbinsel. Russland kontrolliert seit einer Woche die mehrheitlich von Russen bewohnte Krim. Das US-Verteidigungsministerium geht davon aus, dass inzwischen 20.000 russische Soldaten auf der Krim sind. Der ukrainische Grenzschutz spricht sogar von bis zu 30.000 moskautreuen Bewaffneten. Vor der Krise waren 11.000 Soldaten der russischen Schwarzmeerflotte in Sewastopol stationiert.

Merkel und Obama fordern russischen Rückzug

Die prowestliche neue Führung in Kiew beklagt, die ukrainischen Kasernen auf der Halbinsel würden von moskautreuen Einheiten blockiert. Russland bestreitet dagegen, Soldaten außerhalb vereinbarter Bereiche einzusetzen. Bewaffnete in Uniformen ohne Hoheitsabzeichen seien "Selbstverteidigungskräfte".

Westliche Regierungen nehmen das der russischen Führung allerdings schon lange nicht mehr ab. Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama forderten nach einem gemeinsamen Telefonat den Rückzug russischer Soldaten von der Halbinsel Krim.

Beide hätten besorgt auf "den Bruch des Völkerrechts durch die Militärintervention in der Ukraine" reagiert und darin übereingestimmt, dass Russland seine Einsatzkräfte zurückziehen müsse, teilte das Weiße Haus mit. Merkel und Obama seien sich zudem einig, dass internationale Beobachter und Menschenrechtsexperten Zugang zur Krim erhalten und im Mai freie und faire Präsidentschaftswahlen stattfinden müssten.

Bewaffnete Männer mit russischen Fahnen hatten am Freitag Beobachtern der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) den Zutritt zur Krim verweigert. Daraufhin mussten die internationalen Experten - wie schon am Vortag - unverrichteter Dinge wieder abziehen. Am Mittwoch hatte ein prorussischer Mob Uno-Beobachter durch Simferopol gejagt. Die Beobachter sollen Berichte überprüfen, wonach Russland in großem Umfang Truppen auf die Krim schickte, was Moskau bestreitet.

Kontaktgruppe soll Krise entschärfen

Russland müsse der Bildung einer internationalen Kontaktgruppe rasch zustimmen, forderten Merkel und Obama. Diese solle zu einem direkten Dialog zwischen der Ukraine und Russland führen, um so die Krise zu deeskalieren und die territoriale Integrität der Ukraine wiederherzustellen.

Das Parlament auf der Krim hatte den russischen Präsidenten Wladimir Putin am Donnerstag um Aufnahme in die Russische Föderation gebeten. Ein Referendum dazu wurde für den 16. März angesetzt. Die ukrainische Übergangsregierung und der Westen wenden sich entschieden gegen eine Abspaltung der Krim und halten ein solches Referendum für unrechtmäßig.

Wegen der Entsendung russischer Truppen auf die Halbinsel hatten die USA am Donnerstag Einreiseverbote verhängt und Vermögen eingefroren. Auch die Europäische Union beschloss erste Sanktionen.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow sagte in einem Telefonat mit seinem US-Amtskollegen John Kerry, Sanktionen würden "zwangsläufig die Vereinigten Staaten wie ein Bumerang" treffen.

ulz/dpa/AFP/Reuters

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steinbock8 08.03.2014
1. Ukraine
Wenn Herr Putin nach seiner Argumentation lautere Motive hätte bräuchte er nicht das Affentheater mit der fehlenden Kennzeichnung seiner Truppenteile jetzt da die parallympics laufen hat die Welt noch eine kleine Atempause diese kleine Auseinandersetzung mit der ukrainischen Kaserne war im Augenblick nur ein Testlauf wenn die sotschiveranstaltungen beendet sind dann geht es in der Ukraine sprich Krim erst richtig los vergessen wir dabei auch nicht den manipulierten aufgestachelten Volkszorn die ersten die darunter leiden müssen sind die Minderheiten zu ihnen gehören Vorallem die krimtataren sie haben berechtigter Weise durch ihre Geschichte große Angst vor den Russen
hubertrudnick1 08.03.2014
2. Es sind nur Machtspiele
Zitat von sysopREUTERSDie Ukraine wirft moskautreuen Einheiten die Übernahme einer Kaserne vor: Russisch sprechende Uniformierte stürmten eine Militärbasis, zogen sich aber später wieder zurück. Bundeskanzlerin Merkel und US-Präsident Obama fordern den Abzug russischer Soldaten von der Krim. http://www.spiegel.de/politik/ausland/krim-bewaffneter-ziehen-von-ukrainischer-militaerbasis-ab-a-957572.html
Es sind nur Machtspiele zwischen den Großmächten und das zu Lasten der ukrainischen Bevölkerung, wobei keiner der beiden Seiten eine ehrliche Antwort gibt. Die Westmächte haben mit ihren Agenten versucht Tatsachen zu schaffen und Putin hält mit seinen Soldaten, die ohne Nationalitätenabzeichen auftreten und auch nur die Bevölkerung manipulieren. Solange die paraolympischen Spiele laufen wird er alles auf kleiner Flammen köcheln lassen, danach wird er allerdings mit aller Macht seine Tatsachen schaffen. Für mich sind beide Seiten unehrlich, sie denken gar nicht daran die Lebenssituation der Bevölkerung zu verbessern, sondern sie alle denken nur an ihre Interessen. All die Medien betreiben hie ein unsagbares Spiel, sie hinterfragen diese Aktion erst gar nicht, sondern sie stehen unter der Regie ihrer Regierungen. Der außenstehende Leser soll nicht die Wahrheit erfahren, man manipuliert wieder einmal die freie Meinung.
steffen_schmidt 08.03.2014
3. Zeitspiel
Egal was jetzt in den nächsten Wochen passiert, wir werden die Zeche zahlen! Die Energiepreise weden steigen, unabhängig davon, ob es einen objektiven Grund gibt oder nicht. In der Ukraine wird sich nichts, aber auch gar nichts ändern für die "normalen kleinen" Leute dort, die sind jetzt schon zum Spielball geworden. Wir werden durch unsere parteiischen Medien für die Akzeptanz weiterer Belastungen weischgeklopft. Wer profitiert? Wenige. Im besten Fall, wechseln nur die Oligarchen in der Ukraine, die sich an ihrem Volk bereichern und die eigenen Taschen füllen. Wenn es dumm kommt, werden wieder einige Rüstungsindustrielle reich gemacht, das wäre für uns (das sind wir Deutschen genauso wie die Russen) dann noch teurer. Es ist zum heulen. Ich "liebe" unsere Demokratie, die das alles höchst legetimiert ermöglicht. Kein Mensch müßte auf dieser Welt verhungern, aber solange wir uns wie die Schafe von ein, zwei Hunden über die Weide treiben lassen, wird sich daran nichts ändern. Traurig.
tinosaurus 08.03.2014
4. schwach
Putin ist jetzt dabei, seine Großreich-Träume ohne Rücksicht auf Verluste zu verwirklichen. Oder er kalkuliert die westliche Reaktion kühl mit ein. Er weiß, dass hier Geld und Wirtschaft alle moralischen Bedenken übertreffen. Man zeigt sich entrüstet, aber das war es dann schon. So hat die westliche Demokratie immer noch die Meinungsfreiheit als Errungenschaft zu bieten, aber ansonsten herrscht Geld und Profitgier. Deshalb haben ein Putin oder Kim immer leichtes Spiel.
ichbinich123 08.03.2014
5. Hetzjagd
Die einzigsten die hier anstacheln, sind die hiesigen Medien. Von Russischer Seite klingt es anders. Auch das Volk will keinen Krieg, denn man weiß noch ganz genau was es bedeutet. Nur werden hier mit fremder Hilfe zwei sich eigentlich sehr verbundene Länder gegeneinander angestachelt. Derjenige wem es nützt will nur die Bodenschätze, die Menschen, auch in der Ukraine interessieren Ihn nicht die Bohne. Noch ist es den Leuten auf beiden Seiten nicht klar geworden...
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