Ukraine-Krise: 1500 Bewaffnete sollen Krim-Referendum schützen

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Vermummte "Selbstverteidigungskräfte": Krim-Premier erhält Befehlsgewalt

Die Regierung der Krim will das Referendum über die Zukunft der Halbinsel von 1500 bewaffneten "Selbstverteidigungskräften" sichern lassen. Kiew hält seine eigenen Truppen in Kampfbereitschaft, Russland kündigt Lösungsvorschläge für die Ukraine-Krise an.

Kiew/Moskau - Bei dem umstrittenen Russland-Referendum auf der Krim am kommenden Sonntag sollen mehr als 1500 Bewaffnete die Wahllokale schützen. Dabei handele es sich um "Selbstverteidigungskräfte" sowie um eine kürzlich aufgestellte eigene Armee, sagte der selbsternannte Krim-Regierungschef Sergej Aksjonow am Montag russischen Agenturen zufolge. Das Parlament der Halbinsel übertrug dem moskautreuen Politiker die Befehlsgewalt.

Aksjonow betonte, er hoffe bei dem Referendum auch auf Wahlbeobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Die Schweiz als OSZE-Vorsitzender habe eine Einladung erhalten, hieß es in der Krim-Hauptstadt Simferopol.

In den vergangenen Tagen waren unbewaffnete OSZE-Militärbeobachter an den Übergängen zur Krim von prorussischen Bewaffneten auch mit Warnschüssen vertrieben worden. Die EU und die USA lehnen die Volksbefragung über einen Anschluss des ukrainischen Gebiets an Russland als illegal ab.

In Kiew kritisierte Regierungschef Arsenij Jazenjuk die Machthaber auf der Halbinsel erneut scharf. "Das ist eine Gruppe von Kriminellen, die auf verfassungswidrige Weise und unter dem Schutz von 18.000 russischen Soldaten die Macht an sich gerissen hat", sagte Jazenjuk.

Die Nato teilte am Montagabend mit, es würden Awacs-Aufklärungsflüge über Polen und Rumänien durchgeführt, um die Krise in der Ukraine genauer zu überwachen.

Moskau kündigt Gegenvorschläge zur US-Initiative an

Russland kündigte unterdessen eigene Vorschläge zur Beilegung der Ukraine-Krise an. Diese sollten helfen, den Konflikt "auf Basis internationalen Rechts" zu lösen, kündigte Außenminister Sergej Lawrow am Montag bei einem im Fernsehen übertragenen Treffen mit Präsident Wladimir Putin an. Die Vorschläge sollten zudem "die Interessen von ausnahmslos allen Ukrainern" berücksichtigen.

Die mit dem nationalen Sicherheitsrat Russlands ausgearbeiteten "Gegenvorschläge" gelten demnach als Antwort auf Pläne aus Washington für ein Ende des Konflikts. Ein Konzept, das ihm US-Außenminister John Kerry am Freitag überreicht habe, "hat uns nicht sehr überzeugt", sagte Lawrow. Zur Begründung hieß es, dass darin von einem "Konflikt zwischen Russland und der Ukraine" ausgegangen werde. Der Westen und vor allem Deutschland dringen auf die Einrichtung einer internationalen Kontaktgruppe zur Ukraine.

Es sei schade, dass Kerry einen für Montag geplanten Besuch in Moskau kurzfristig verschoben habe, sagte Lawrow. Der angeblich geplante Besuch von Kerry war bisher nicht öffentlich bekannt.

Schüsse bei Einnahme von Militärstützpunkt

Auf der Krim ist die Lage angespannt. Bewaffnete nahmen nach ukrainischen Medienberichten am Montag einen Militärstützpunkt in Bachtschissaraj ein. Laut der russischen Nachrichtenagentur fielen dabei Schüsse, verletzt worden sei aber niemand. Außerdem brachten die prorussischen Kräfte das Militärkrankenhaus der Krim-Hauptstadt Simferopol unter ihre Kontrolle.

Das ukrainische Verteidigungsministerium ordnete eine breitangelegte Überprüfung der eigenen Gefechtsbereitschaft an. Die Armee sei landesweit zu Übungen ausgerückt, sagte der kommissarische Verteidigungsminister Igor Tenjuch am Montag in einem Fernsehinterview. Es sei volle Kampfbereitschaft angeordnet worden.

In mehreren Großstädten der Süd- und Ostukraine gibt es Forderungen nach einer Abstimmung wie auf der Krim. In Charkow wurde der Präsidentschaftskandidat Vitali Klitschko bei einem Auftritt mit Eiern, Steinen und Feuerwerkskörpern angegriffen.

fab/dpa/Reuters

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insgesamt 228 Beiträge
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1. Dann entfällt die Geschäftsbasis für die NATO
mc6206 10.03.2014
Zitat von sysopDie Regierung der Krim will das Referendum über die Zukunft der Halbinsel von 1500 bewaffneten "Selbstverteidigungskräften" sichern lassen. Kiew hält seine eigenen Truppen in Kampfbereitschaft, Russland kündigt Lösungsvorschläge für die Ukraine-Krise an. http://www.spiegel.de/politik/ausland/krim-krise-1500-bewaffnete-sollen-referendum-schuetzen-a-957901.html
Wenn das kein Konflikt Ukraine-Russland ist dann entfällt die Geschäftsbasis für ein Eingreifen von Nato/EU. Die Krise wird zu einem Ukraine-Russland Problem aufgeblasen, damit die Nato eine Grund für Eskalation hat. Ziemlich transparent. Diese ganzen Drohszenarien von EU/Nato sind unsinnig und gefährlich und können letztlich in einem Schießkrieg enden. Die Ukrainer scheinen Hitzköpfe zu sein und werden weiter voll auf Konfrontation schalten, da sie ja glauben dass die Nato dann Krieg gegen Russland führen wird. Ich hoffe nur dass die Nato sich nicht darauf einlässt und endlich den Leuten in Kiev erklärt dass sie alleine sein werden, wenn es zum Krieg kommen sollte.
2.
_Mensch_ 10.03.2014
Zitat von sysopRussland kündigte unterdessen eigene Vorschläge zur Beilegung der Ukraine-Krise an.[/url]
...und nun werden wir die wahren Beweggründe für Russlands Handeln erfahren. Da bin ich aber gespannt. Ich tippe in Richtung: Ukraine bleibt neutral bzw. es wird keine Aufnahme in die EU und noch viel weniger in die NATO geben und wir sind dann ganz nett zu unseren Nachbaren und Brüdern.
3. Problem?
ediart 10.03.2014
Lasst den Russen die Krim Geschäfte werden wieder gut laufen. Darum geht es doch!
4. Demokratie Pur
ya_po 10.03.2014
Ein Referendum das von maskierten pseudo Militärs, russischen Soldaten und Kosaken mit Peitschen "bewacht" wird. Mir fehlen die Worte...
5.
____PeterBach____ 10.03.2014
Haben sich in Kharkiv schon die SA-Aehnlichen Radikalen aus Kiew mit der Polizei vermengt? Oder stellen diese Chaoten sogar die ganze Polizei dort? http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=f8tYUVUgFM8#t=201 Man beachte die Helme einige "Ordnungshueter"... Genau solche wie in Kiew vor einiger Zeit und immer noch. Wieso hoert man in den deutschen Medien so wenig davon?
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Halbinsel am Schwarzen Meer: Die Krise auf der Krim

Fläche: 603.700 km²

Bevölkerung: 45,553 Mio.

Hauptstadt: Kiew

Staatsoberhaupt:
Petro Poroschenko

Regierungschef einer Übergangsregierung: Arsenij Jazenjuk

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