Vor dem Referendum: Krim-Bewohner heben massenhaft Geld ab

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Schlangestehen an der Bank: Viele Menschen heben ukrainisches Geld ab

Vor der Volksabstimmung auf der Krim ist die Stimmung angespannt. Die Menschen sorgen sich offenbar um die Zeit danach und stehen in Schlangen vor den Banken an. In den ostukrainischen Städten Charkow und Donezk gab es Tote bei Krawallen - Kiew sieht russische Provokateure am Werk.

Simferopol - Die Krim bereitet sich mit einem "Tag der Ruhe" ohne politische Agitation auf das umstrittene Referendum vor. In der Hauptstadt Simferopol bildeten sich am Samstag bei sonnigem Wetter Warteschlangen an Geldautomaten, an denen Menschen ukrainische Geldscheine zogen. Am Sonntag sind mehr als 1,8 Millionen Krim-Bewohner aufgerufen, über den Anschluss an Russland abzustimmen.

Die Ukraine, die EU und die USA kritisieren das Referendum als illegal. Russland begründet die geplante Aufnahme der Halbinsel dagegen mit nationalen Sicherheitsinteressen. Die Führung in Moskau will sich auch nicht von Sanktionsdrohungen des Westens davon abbringen lassen. Die Krim-Stadt Sewastopol ist seit mehr als 200 Jahren Sitz der russischen Schwarzmeerflotte.

Angesichts der breiten russischen Bevölkerungsmehrheit gilt eine Zustimmung für den Russland-Beitritt als sicher. Die Lage auf der Halbinsel war am Samstag ruhig. Bewaffnete Uniformierte patrouillieren durch die Straßen. Kreml-Chef Wladimir Putin hatte der Krim-Bevölkerung nach dem Sturz des ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch das Recht auf Selbstbestimmung zugesprochen. Dabei drohte er der Ukraine auch mit einem Militäreinsatz.

Auf der Halbinsel befinden sich derzeit mindestens 20.000 russische Soldaten. Aus Sicherheitskreisen der Nato verlautete laut der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", dass ihnen 8000 bis 10.000 ukrainische Soldaten gegenüberstehen.

Tote bei Unruhen in der Ostukraine

Abseits der Krim kam es in anderen Teilen der Ostukraine zu Krawallen. Bei einer Schießerei zwischen radikalen Gruppierungen in der Stadt Charkow wurden zwei Menschen getötet. Ein Polizist wurde verletzt, teilte der ukrainische Innenminister Arsen Awakow am Samstag mit. Am Donnerstagabend war bereits in Donezk ein Demonstrant ums Leben gekommen. Awakow gab die Schuld für die Opfer Russland. "Angeheuerte Provokateure aus einem Nachbarland betreiben professionelle Provokationen", sagte er. Er warf Verbündeten von Janukowitsch vor, die Unruhen in der Ostukraine zu finanzieren.

Seit dem Sturz Janukowitschs im Februar kommt es im russischsprachigen Osten und Süden des Landes immer wieder zum Ausbruch von Gewalt. Anhänger des alten Machtapparats, ukrainische Nationalisten und Gefolgsleute der neuen Regierung in Kiew gehen dabei aufeinander los. Das russische Außenministerium kritisiert, dass die Führung in Kiew die Lage nicht unter Kontrolle habe. Die Regierung in Kiew fürchtet, dass Moskau Gewalt gegen russischstämmige Bürger zum Anlass für eine Invasion im Osten nehmen könnte.

Die Hoffnung auf eine diplomatische Lösung noch vor dem Referendum ist seit Freitagnachmittag zerplatzt. Russlands Außenminister Sergej Lawrow und sein US-Amtskollege John Kerry hatten in London sechs Stunden lang vergeblich um eine Lösung gerungen. Nun plädiert der britische Außenminister William Hague für eine harte Gangart des Westens. Es müsse eine "harte und gemeinsame" Antwort der Europäischen Union geben, forderte er in einer in der Nacht zum Samstag in London verbreiteten Erklärung.

Die USA wollen auf das Referendum gemeinsam mit Europa rasch mit neuen Sanktionen reagieren, kündigte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, am Freitag (Ortszeit) in Washington an. Die EU-Außenminister wollen am Montag weitere Maßnahmen beschließen. Geplant sind Kontensperrungen und EU-Einreiseverbote. Keine der 28 Regierungen habe bisher jedoch eine Liste mit Namen von betroffenen Personen erhalten, sagte eine EU-Diplomatin in Brüssel. US-Vizepräsident Joe Biden wird vom 17. bis 19. März nach Osteuropa reisen. Er werde dort Staats- und Regierungschefs ehemaliger Sowjetrepubliken treffen, teilte das US-Präsidialamt am Freitag mit.

ler/dpa/Reuters

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insgesamt 112 Beiträge
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1. Provokateure auf beiden Seiten
berlino1010 15.03.2014
Zitat von sysopAPVor der Volksabstimmung auf der Krim ist die Stimmung angespannt. Die Menschen sorgen sich offenbar um die Zeit danach und stehen in Schlangen vor den Banken an. In den ostukrainischen Städten Charkow und Donezk gab es Tote bei Krawallen - Kiew sieht russische Provokateure am Werk. http://www.spiegel.de/politik/ausland/krim-krise-bewohner-haben-massenhaft-geld-ab-a-958787.html
Mag sein, dass es Russische Provokateure gibt. Vor allem aber schickt AUCH Kiew, der Maidan, ... Provokateure wie hier am Donnerstag nach Donetsk. Mindestens 3 Reisebusse mit meist Jugendlichen aus ? http://www.youtube.com/watch?v=iNqcwSwnybU#t=19
2. Weiter so mit Propaganda ...
redbayer 15.03.2014
Das die Menschen in der Ost-Ukraine nervös und zum Teil gewaltig werden, ist doch sehr verständlich. Da hat ein vom Westen (vor allem Deutschland) geschürter Regierungsumsturz eine Clique an die Macht gespült, vor der es einem nur grausen kann. Was soll da der kleine Bürger sonst machen? Er hat ja die kompletten westlichen Aggressoren gegen sich.
3. atlantische
fettwebel 15.03.2014
in europäischen Regierungen werden jetzt richtig gefährlich. Man stelle sich vor, wir hätten heute einen "Verteidigungsminister Dr. hin & mit". Dem war schon vor diesem Job anläßlich des Georgien-Krieges der Kamm geschwollen.
4. Demonstrationsrecht
Verändert 15.03.2014
Zitat von berlino1010Mag sein, dass es Russische Provokateure gibt. Vor allem aber schickt AUCH Kiew, der Maidan, ... Provokateure wie hier am Donnerstag nach Donetsk. Mindestens 3 Reisebusse mit meist Jugendlichen aus ? http://www.youtube.com/watch?v=iNqcwSwnybU#t=19
Ein Ukrainer hat aber das Recht in der Ukraine zu demonstrieren. Für einen Russen gilt das jedenfalls nicht von Vornherein, weil er sich grundsätzlich nicht in die Belange eines anderen Staates einmischen sollte.
5. optional
rusak38 15.03.2014
Die Welt wird sich verändern... Und das lässt sich kaum noch verhindern. Alle diejenigen, die russischer Sprache noch nicht mächtig sind, sollten verstehen, dass russische Propaganda grundsätzlich von 3 strategischen Zielen spricht: 1. Wiederherstellung der Gerechtigkeit auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion. Das heißt Wiederaufbau des russischen Reiches inkl. Süd-Osten der Ukraine und Teile von Moldawien. Damit wird auch direkter Zugang auf dem Landweg zu den Balkanen vorbereitet. 2. Wiederherstellung der Gerechtigkeit auf dem Gebiet der ehemaligen Jugoslawien. Groß-Serbien sollte wiederaufgebaut werden, und den Zugang zu dem Mittelmeer kriegen. Auch Griechen und Bulgaren will man bei Lösung von bestimmten Problemen helfen. 3. Wiederherstellung der Gerechtigkeit im Bezug auf Deutschland. Das heißt, dass eine Verlierernation einer Siegernation nichts vorzuwerfen oder zu sagen hat, und nicht über höheren Lebensstandard verfügen darf. Und das russische Patriotismus baut auf dem Sieg im 2-ten Weltkrieg als Kernphilosophie auf. Wie das ausgehen wird, das werden wir in 10 bis 15 Jahren schon sehen... Wie gesagt, man kann nichts mehr tun. Politische Karte Europas wird in 15 bis 20 Jahren ganz anders aussehen.
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