Diplomatische Bemühungen Obama und Putin sprechen über Lösung der Krim-Krise

US-Präsident Obama und Wladimir Putin haben über eine diplomatische Lösung der Krim-Krise verhandelt. Russland soll seine Truppen an der Grenze zur Ukraine verstärkt haben, im Westen wächst die Furcht vor einem weiteren Übergriff.


Washington/Moskau - US-Präsident Barack Obama hat mit Wladimir Putin einen Vorschlag zu einer diplomatischen Lösung der Krim-Krise diskutiert. Das hat das Weiße Haus mitgeteilt. Die Ukraine verfolge einen deeskalierenden Kurs, den Russland unterstützen solle, anstatt weiter zu provozieren, sagte der US-Präsident demnach. Er forderte in dem einstündigen Gespräch den Rückzug der russischen Truppen von der Grenze zur Ukraine.

In dem Telefonat sei es zudem um einen Vorschlag gegangen, den US-Außenminister John Kerry jüngst in Den Haag seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow unterbreitet habe. Details wurden nicht bekannt. Russland solle konkret und schriftlich darauf antworten, teilte das Weiße Haus weiter mit. Zudem sollten Kerry und Lawrow bei einem Treffen das weitere Vorgehen besprechen.

Putin wies Obama auf das "Wüten der Extremisten in der Ukraine" hin, die "unbestraft von der Führung in Kiew Zivilisten angreifen" würden, teilte der Kreml am Freitag mit. Die internationale Gemeinschaft solle zur Stabilisierung der Lage in der Ex-Sowjetrepublik beitragen. Einzelheiten nannte der Kreml nicht.

In der Ukraine-Krise bemüht sich ein ganzes Heer von Diplomaten derzeit um eine Deeskalation. Ein Gipfel jagt den nächsten, Krisengespräch folgt auf Krisengespräch.

Die Furcht vor einem weiteren russischen Übergriff auf ukrainisches Gebiet ruft nun die Hardliner auf den Plan. So etwa die beiden republikanische Senatoren, die Obama vor seinem Gespräch mit Putin aufgefordert haben, der Ukraine Waffen zu liefern.

John McCain und Lindsey Graham begründeten ihren Vorstoß mit der von Russland ausgehenden militärischen "Aggression". In einer Erklärung appellierten beide Senatoren an Obama und "unsere Nato-Verbündeten, sofort dem Gesuch der ukrainischen Regierung nach Militärhilfe zu entsprechen".

Die Hilfe solle unter anderem Kleinwaffen, Munition sowie panzerbrechende Waffen und Flugabwehr-Systeme umfassen, forderten McCain und Graham. Aus dem Weißen Haus gibt es noch keine Reaktion, entsprechende Waffenlieferungen sind derzeit nicht vorgesehen.

20.000 Soldaten? Oder gar 40.000?

Unterdessen gehen die Drohungen und Schuldzuweisungen zwischen Russland und dem Westen weiter. Die USA haben Moskau zum Abzug der Truppen aus dem Grenzgebiet zur Ukraine aufgefordert. Dort würden derzeit Soldaten unter dem Vorwand einer militärischen Übung zusammengezogen, sagte US-Präsident Barack Obama dem Sender CBS. Zwar solle die Ukraine möglicherweise nur eingeschüchtert werden. Es könnte aber auch sein, dass die Russen weitergehende Pläne hätten.

Auch über die tatsächliche Truppenstärke gibt es widersprüchliche Informationen. Bisher gehen die USA offiziell von 20.000 russischen Soldaten an der ukrainischen Grenze aus. Wie CNN berichtet, könnte die tatsächliche Zahl jedoch doppelt so hoch liegen. Der Sender beruft sich auf US-Geheimdienste, die unter anderem Satellitenbilder ausgewertet hätten. Zudem ließen sich kaum Aktivitäten erkennen, die auf eine Übung schließen lassen. Kiew geht sogar von 80.000 bis 100.000 gegnerischen Soldaten aus.

Die russische Regierung müsse zur Entspannung in der Krim-Krise beitragen, betonte Obama. Er warf Präsident Wladimir Putin eine Mentalität des Kalten Krieges vor. Der Truppenaufmarsch im Grenzgebiet überschreite das übliche Maß, sagte er in dem Interview.

Moskau beschuldigt die USA dagegen der Panikmache. Der "legitime Wunsch der Bevölkerung der Krim und der Ostukraine" habe bei den USA und deren Verbündeten "Hysterie" ausgelöst, sagte der stellvertretende Inlandsgeheimdienst-Chef Alexander Malewani.

Kiew testet seine Luftschutzbunker

Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums haben am Freitagabend alle Soldaten die Krim verlassen, die loyal zur Regierung in Kiew stehen. Über sämtlichen Militäreinrichtungen wehe die russische Fahne, sagte Minister Sergej Schoigu. Der Ukraine sollten nun alle Kriegsschiffe und -flugzeuge zurückgegeben werden, die Russland erobert habe.

In Kiew warf Übergangspräsident Alexander Turtschinow Russland vor, die Lage in der ukrainischen Hauptstadt destabilisieren zu wollen. Dies sei den Russen in den einzelnen Regionen nicht gelungen, deshalb nähmen sie jetzt das Herz des Landes ins Visier. Zuvor hatten rechtsextreme Gruppen vor dem Parlament demonstriert.

Wie groß die Anspannung in Kiew ist, zeigte sich auch in einem ungewöhnlichen Schritt der dortigen Behörden: Sie ließen am Freitag mehr als 500 Luftschutzbunker der Hauptstadt auf ihre Funktionstüchtigkeit überprüfen.

jok/dpa/AFP/Reuters



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patme 28.03.2014
1. optional
Das man solchen Kriegstreibern überhaupt in den Medien Aufmerksamkeit schenkt, ist schon skandalös. Hier wird eine Vorstufe zur massiven Aufrüstung mit US-Militärgütern gestartet - fadenscheinig
Kinkerlitzchen 28.03.2014
2.
Klar, warum nicht ein Pleiteland ausrüsten, was von einigen sehr zweifelhaften Gestalten mitregiert wird. Klingt nach einer super Idee. "Sollen sie sich im Fall des Falles selbst verteigen (und sterben)". Russland zieht da seine Truppen zusammen, um mögliche Racheangriffe von ukrainischen Terroristen abzuwehren. Gegen einen Einmarsch Russlands hilft sehr viel mehr, Geld in Strukturreformen zu investieren, föderale Reformen anzustoßen, Minderheiten zu schützen und die ostukrainischen Gebiete in die Regierungsarbeit einzubinden. Was von Anfang an hätte geschehen müssen. Mit dem jetzigen regierenden Personal aber schwer zu verwirklichen ist.
graf.koks 28.03.2014
3. Nicht ernstnehmen.
Zitat von sysopAPRussland soll seine Truppen an der Grenze zur Ukraine verstärkt haben. Im Westen wächst die Furcht vor einem weiteren Übergriff Putins auf das Nachbarland. Zwei US-Senatoren drängen nun auf eine Aufrüstung der ukrainischen Armee. http://www.spiegel.de/politik/ausland/krim-krise-us-senatoren-wollen-ukraine-waffen-liefern-a-961397.html
Ausgerechnet Senator John McCain, die greise Mumie und sein politischer Schoßhund Lindsey Graham, Senator of South Carolina, fordern das. Das wird ja auch in den USA von den wenigsten überhaupt noch ernstgenommen. Mittlerweile ist das tatsächlich so: Ob Mr. McCain etwas sagt oder die Linde rauscht, ist einerlei. Das wird schon verglichen mit politischen Statements eines Mr. Trump.
walter_rsr 28.03.2014
4. Wird auch langsam Zeit,
Zitat von sysopAPRussland soll seine Truppen an der Grenze zur Ukraine verstärkt haben. Im Westen wächst die Furcht vor einem weiteren Übergriff Putins auf das Nachbarland. Zwei US-Senatoren drängen nun auf eine Aufrüstung der ukrainischen Armee. http://www.spiegel.de/politik/ausland/krim-krise-us-senatoren-wollen-ukraine-waffen-liefern-a-961397.html
dass die 5-Milliarden $ Investition in die ukrainische "Revolution" Zinsen trägt. Herr Barroso soll endlich dafür sorgen, dass die zugesagten 11 Milliarden EU Gelder ausgezahlt werden, damit die amerikanischen Waffen auch bezahlt werden können. Wirklich toll, welche Vorteile wir durch die EU Mitgliedschaft haben.
an-1 28.03.2014
5. zu Entspannung in der Region
Waffen liefern...Herr Obama Friedensnobelpreisträger? ziehen Sie die NGOs und die CIA aus der Ukraine endlich ab...wir in Europa brauchen keinen Krieg!!! Hier ist Diplomatie die Regel...und nicht Waffengebrauch.
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