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Schäden für die Wirtschaft: Europäer fürchten Nachteile durch Russland-Sanktionen

Energiekommissar Oettinger: Fracking als Alternative zu russischem Gas Zur Großansicht
DPA

Energiekommissar Oettinger: Fracking als Alternative zu russischem Gas

Die EU-Sanktionen gegen Russland gehen vielen zu weit: EU-Parlamentspräsident Schulz hält sie generell für wirkungslos, Energiekommissar Oettinger fürchtet Schäden für Europas Wirtschaft. Zoff gibt es auch um Forderungen, die Fußball-WM in Russland 2018 zu boykottieren.

Hamburg - Die EU-Sanktionen gegen Russland im Konflikt mit der Ukraine werden in Deutschland zunehmend kritisch gesehen. " Wladimir Putin ist äußerst machtbewusst, der lässt sich mit Sanktionen nicht an den Verhandlungstisch zwingen", sagte EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) der "Wirtschaftswoche". Die EU müsse stattdessen einen Dialog der Konfliktparteien sicherstellen.

EU-Energiekommissar Günther Oettinger warnte in dem Magazin davor, mit Sanktionen werde "die zarte Erholung der europäischen Wirtschaft beeinträchtigt". Zwar glaubt Oettinger nicht, dass Russland im Gegenzug Gaslieferungen in die EU drosseln oder gar einstellen würde. In der "Welt am Sonntag" forderte Oettinger Europas Regierungen aber auf, nach Alternativen zu russischem Gas zu suchen. Dazu würde eine Förderung der umstrittenen Fracking-Technologie gehören wie auch mehr Kapazitäten für die Einfuhr von Flüssiggas per Schiff.

Die EU hatte am Donnerstag erstmals seit Ende des Kalten Krieges einen mehrstufigen Sanktionsplan beschlossen. Sollte Russland im diplomatischen Konflikt um die ukrainische Schwarzmeer-Halbinsel Krim nicht einlenken, drohen Moskau Einreiseverbote, Kontensperrungen und im Extremfall auch wirtschaftliche Sanktionen.

Parteien streiten um Boykott der Fußball-WM 2018

Auch mehrere Wirtschaftsvertreter warnen, dass Sanktionen den anämischen Aufschwung in Europa abwürgen könnten: "Die Verflechtungen zwischen der EU und Russland sind so groß, dass beiden Seiten schwere Schäden drohen", sagte der Vorsitzende des Ostausschusses der deutschen Wirtschaft, Eckhard Cordes dem "Focus".

Ähnlich argumentierte Volker Treier, Außenhandelschef beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK): "Wirtschaftssanktionen sind ein riskantes Spiel, bei dem auch Deutschland viel zu verlieren hat", sagte er dem Focus. "Im schlimmsten Fall könnte es zu Enteignungen deutscher Firmen in Russland kommen."

Derweil sorgt eine Anregung von Unionsfraktionsvize Michael Fuchs (CDU) für eine Kontroverse mit ungewöhnlichen Fronten: Fuchs schlug in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vor, den Status Russlands als Austragungsort der Fußball-WM 2018 in Frage zu stellen. Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Claudia Roth (Grüne), schloss sich der Forderung an: "Sollte Russland seine Soldaten nicht von der Krim zurückziehen, darf aus meiner Sicht keine WM in Russland stattfinden", sagte sie der "Bild am Sonntag".

Kritik an der Fußball-Diplomatie kam dagegen von SPD und Linken: SPD-Bundesvize Ralf Stegner sagte "Handelsblatt Online", derzeit seien in dem Konflikt außenpolitische Entspannungsbemühungen gefragt "und nicht verbale Kraftmeierei von den Zuschauertribünen". Linken-Chef Bernd Riexinger hält einen Boykott ebenfalls für Unfug. "Da wollen ein paar kalte Fußballkrieger die Krim-Krise nutzen, um Stimmung zu machen."

ade/dpa/Reuters

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1. Sry ne
Cyberfeld 08.03.2014
Wer glaubt wirtschaftliche Interessen über dem was passiert ist zu Stellen, lebt leider auf dem Mond und zeigt sehr deutlich nach wessen Pfeife er tanzt. Putin baut einfach darauf das diese Leute die Politik stoppen wie in der Georgien Krise. Wo Oympia und die WM über all in den letzten Jahrzehnt waren lässt einen den Kopf schütteln, man kommt zu der Vermutung das hier eine Menge Leute gekauft wurden anders kann man es sich jedenfalls nicht erklären warum in der letzten Zeit es immer öfters Diktatorische Staaten sind wo sie statt finden.
2.
wonder2009 08.03.2014
Europa zeigt wieder ,wie uneinig es ist und das vos allem Wirtschaftsinteressen zählen und die Interessen von Sportfunktionären . Putin lacht sich kaputt!
3. Oettinger, der Prophet der Energielobbyisten hat gesprochen, Hilfe!
solarfix 08.03.2014
Seit Jahren verteufelt er die Erneuerbaren Energien, die uns von Energieimporten unabhängiger machen und jetzt, wo der böse Onkel Putin die Muskeln spielen lässt, kommt er mit der Forderung nach Alternativen zu russischen Energielieferungen daher. Und ausgerechnet an Fracking denkt er. Himmel, ein Lobbyist der schlimmsten Sorte. Wir brauchen endlich vernünftige Speicher, dann sind die volatilen Energieträger Sonne und Wind auch 24 Std. am Tag verfügbar und aus ist es mit den ganzen Märchen. Hier könnten sich die Heerschar der Kritiker mal einen Namen machen, aber dann würden sie ja ihr Klientel verraten. Ich sage nur, Bürger baut euch Solaranlagen aus Dach, beteiligt euch an seriösen Energiegenossenschaften und zeigt den lobbygesteuerten Politikern und Energiemonopolisten die kalte Schulter. Die Energiewende muss vom Bürger ausgehen!!!
4. Ich kann es nicht mehr hören...
wolla2 08.03.2014
.. dies Gejammere, das einwenig vom Profit der Firmen baden gehen könnte und die ewige Erpressung mit den Arbeitsplätzen. Es wird sich zeigen, wie schwach und raffgierig Europa ist, wenn es seine Schutzversprechen mal wieder jämmerlich ad Absurdum führt. Dann reissen die Ukrainer nicht nur den Russen die Maske vom Gesicht sondern ebenso dem Westen.
5.
P.Ohlmann 08.03.2014
Freiheit, Demokratie und Selbstbestimmung bekommt man nie kostenlos. Mehr als 100 Ukrainier haben bereits mit ihrem Leben dafür bezahlt. Und in diesem Fall müssen auch Deutschland (Export&Gas) und Großbritannien (Banken&Oligarchen) einen Preis zahlen. Immerhin haben sie der Ukraine den Weg Richtung Europa schmackhaft gemacht. Bleibt die Invasion der Russen folgenlos, weil sich Europa mal wieder wegduckt kann die EU und im Grunde einpacken. Die baltischen Länder werden dann den erhöhten Schutz der USA suchen, denn Europa wäre dann vollständig diskreditiert. Langsam muss auch das deutsche Volk verstehen, dass Opfer gebracht werden müssen um den Frieden in Europa zu sichern.
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