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Putin-Propagandist zur Ukraine-Krise: "Lieber Krieg als Kapitulation"

Von Alisha Ricard und , Moskau

Russische Marine in Sevastopol: Das Gespenst des Krieges kehrt nach Europa zurück Zur Großansicht
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Russische Marine in Sevastopol: Das Gespenst des Krieges kehrt nach Europa zurück

Die Warnungen aus Moskau an den Westen werden schärfer: Der Putin-Propagandist Sergej Markow droht in der Ukraine-Krise sogar mit einem russischen Waffengang. Kanzlerin Merkel wirft er vor, in einer anderen Welt zu leben.

Der Satz der Bundeskanzlerin, Wladimir Putin lebe in einer anderen Welt, hat in Moskau eine ebenso scharfe wie zynische Retourkutsche hervorgerufen. Angela Merkel soll sich Anfang März in einem Telefongespräch mit Barack Obama abfällig über Russlands Präsidenten geäußert haben.

Sergej Markow, ehemals Abgeordneter der Putin-Partei Einiges Russland und wortgewaltiges Sprachrohr des Kreml, veröffentlichte jetzt in Moskauer Zeitungen zwei Artikel, in denen er umgekehrt Merkel und dem Westen Realitätsverlust vorhält. Russland werde eher einen Krieg in Kauf nehmen als sich Amerika zu unterwerfen. "Indem der Westen darauf besteht, dass Putin nun kapituliert, lässt er ihm faktisch keine andere Wahl, als schlagkräftig zu reagieren", schreibt Markow in der englischsprachigen "Moscow Times", "und angesichts dieser harschen Realität hat Russland in seiner Geschichte immer den Krieg der Kapitulation vorgezogen".

Während Markows Artikel erschienen, meldeten die Nachrichtenagenturen, dass Moskau 30.000 Soldaten an der Grenze zur russisch-sprachigen Ostukraine zusammengezogen habe. Das Gespenst des Krieges kehrt in diesen Tagen endgültig nach Europa zurück.

Ende einer Freundschaft

Sergej Markow ist nicht irgendwer. Der Politologe steht wie wenige andere für den Stimmungswandel im größten Flächenstaat der Erde. Zu Sowjetzeiten verteilte der heute 55-Jährige im Untergrund anti-kommunistische Literatur, in den Gorbatschow- und frühen Jelzin-Jahren trat er vehement für Demokratie und Marktwirtschaft ein. Zusammen mit dem Amerikaner Michael McFaul, bis vor einem Monat US-Botschafter in Moskau, veröffentlichte er 1994 das Buch: "Die schwierige Geburt der russischen Demokratie". Mit McFaul verband ihn eine jahrelange Freundschaft. Nun stehen sich die beiden unversöhnlich und auf unterschiedlichen Seiten der Barrikade gegenüber.

Sergej Markow: Sprachrohr des Kreml Zur Großansicht
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Sergej Markow: Sprachrohr des Kreml

Markows Einlassungen sind eine Antwort auf einen am Sonntag in der "New York Times" veröffentlichten Artikel. Darin forderte McFaul dazu auf, "das gegenwärtige Regime in Russland zu isolieren" und Sanktionen gegen russische Staatsunternehmen, kreml-nahe Banken und Personen zu verhängen, die die Führung in Moskau unterstützen. Stattdessen sollen Menschen und Unternehmen gefördert werden, die nicht mit der russischen Regierung verbunden sind - auch solche, die "emigrieren wollen und die versuchen, Vermögen und Unternehmensbeteiligungen raus aus Russland zu schaffen".

Markow sieht in diesem Aufruf zu Flucht und Kapitalflucht einen weiteren Beleg, dass es dem Westen letztlich um einen Regimewechsel im Moskau gehe. Der Westen verhänge genau die Sanktionen, die vorher der unter Hausarrest stehende Oppositionsführer Alexej Nawalny gefordert hatte. "Amerika und die EU versuchen ganz offensichtlich, der russischen Opposition dabei zu helfen, Putin zu stürzen und im Stile des Kiewer Maidan eine neue Regierung in Moskau zu formieren", schreibt Markow.

"Nicht Nationalisten, sondern Neo-Nazis"

Merkels angeblichen Realitätsverlust beschreibt er als Weigerung, "die russische Realität" zu verstehen. Diese sieht nach Markow so aus:

  • Die "Junta in Kiew" habe mit Wiktor Janukowitsch einen demokratisch gewählten Präsidenten gestürzt und mit Dmitrij Jarosch und Oleg Tjagnibok Politiker in die Regierung aufgenommen, die Neo-Nazis vom „Rechten Sektor" und bewaffnete Milizen der Partei "Swoboda" kontrollierten. "Man will uns weismachen, dass das nur harmlose Nationalisten sind, das sind aber Neo-Nazis", sagt Markow.
  • Die Ukraine habe keine souveräne Regierung, weil diese hinter den Kulissen von Amerika ernannt worden sei, wie ein abgehörtes Telefonat zwischen dem Kiewer US-Botschafter und der stellvertretenden Außenministerin, Victoria Nuland, zeige. Nur so sei wohl zu erklären, dass der "wenig populäre Arseni Jazenuk, der Favorit Nulands", Premier geworden sei und nicht Vitali Klitschko, den Nuland geringschätze, schreibt Markow.
  • In Russlands Wahrnehmung haben die Proteste auf dem Maidan und der darauffolgende Umsturz nicht zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit geführt, sondern zu Unrecht und Gewalt.

"Amerika bringt Chaos"

In seinem zeitgleich in der populären Boulevardzeitung "Komsomolskaja Prawda" veröffentlichten Artikel fordert Markow, sich doch bitte eine Liste der Staaten anzuschauen, in denen "Amerika in den vergangenen 15 Jahren gewonnen" habe. "Im Irak, in Afghanistan, Georgien, der Ukraine, Libyen und Ägypten herrscht keine Demokratie, sondern Chaos", polemisiert der Putin-Propagandist. Unbequeme Details unterschlägt er, zum Beispiel, dass Washington wohl lieber am treuen Bündnispartner Husni Mubarak festgehalten hätte und den Autokraten erst unter dem Druck der Straße fallen ließ.

Vor dem neuen Kalten Krieg, mit dem Amerika nun Russland überziehen wolle, müsse sich der Kreml nicht fürchten. "Wir können diesen Kalten Krieg gewinnen, weil Washington allen den Fehdehandschuh hinwirft, die der amerikanischen Vorherrschaft müde sind." Dieser neue Kalte Krieg sei anders als der erste Kalte Krieg nicht die Auseinandersetzung zweier Imperien. "Es ist der Kampf des US-Imperiums gegen den eigenen Abstieg." Der Wunsch war dabei zumindest einer der Väter des Gedankens.

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insgesamt 167 Beiträge
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1. optional
evolution2.0 27.03.2014
Der Mann hat recht.
2. Putin hat wohl
5michael5 27.03.2014
sein altes KGB - Buch als Handlungsanleitung hervorgekramt. Dort steht auch, das man seine Gegner psychologisch schockiert, wenn man maskiert auftritt.
3. Dass Merkel in einer anderen Welt lebt..
leserbrief123 27.03.2014
..ist der Bevölkerung in Deutschland nicht neu. Ist eben die Frage wie lange sich der Deutsche Michel diese Kriegstreiberei noch gefallen lässt.
4. Typisch Propaganda
neu_im_forum 27.03.2014
Man sieht nur das was einem ins Konzept passt. Der Rest fällt unter den Tisch!
5. Na gut
mitch72 27.03.2014
So gesehen, hat er gar nicht so unrecht.
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